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Nordwestmecklenburg Berliner machen das Gutshaus zu ihrem neuen Zuhause
Lokales Nordwestmecklenburg Berliner machen das Gutshaus zu ihrem neuen Zuhause
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21:39 07.08.2018
Birgit Fischer (49) und ihr Mann Peter (54) stehen vor ihrem Gutshaus in Manderow: Das Ehepaar pendelt noch von Berlin nach Nordwestmecklenburg – damit soll es aber bald vorbei sein. Quelle: Foto: Kerstin Schröder
Manderow

Sie sind die Neuen in Manderow: Birgit Fischer und ihr Mann Peter aus Berlin. Im Januar haben sie das heruntergekommene Gutshaus gekauft. Seither ist das Paar jede freie Minute in dem kleinen Dorf vor den Toren Wismars, um sich einen Traum zu verwirklichen: das denkmalgeschützte Gebäude in ihr neues Zuhause zu verwandeln.

Im Januar haben Birgit Fischer und ihr Mann Peter das Gutshaus in Manderow gekauft. Seither sind sie in jeder freien Minute in dem kleinen Dorf, um das denkmal- geschützte Haus zu sanieren.

In Mecklenburg-Vorpommern stehen so viele historische Herren- und Gutshäuser, Schlösser und Wasserburgen wie in keinem anderen Bundesland. Mehr als 2000 solcher Objekte gibt es, doch nur etwa 200 werden zurzeit bewohnt oder genutzt. Die meisten Gebäude sind verfallen. Aber es gibt einige wenige Denkmal-Retter, die es wagen, sich eines Gutshauses anzunehmen und es zu sanieren. Zu ihnen zählen seit acht Monaten auch Birgit und Peter Fischer. Mit jeder Menge Mut, guten Ideen und viel Engagement wollen sie dem über 100 Jahre alten Gutshaus in Manderow neues Leben einhauchen. „Es soll ein Treffpunkt für Einheimische und Touristen werden“, kündigen sie an. Geplant sind Ferienunterkünfte, Veranstaltungsräume und ein Café.

Auch am zurückliegenden Wochenende haben der Berater für Schiffsbau und die Marketing-Expertin wieder in ihrem Haus gewerkelt. Wie die komplette Gutsanlage einmal ausgesehen hat, wissen die beiden seit der Mittsommer-Remise Ende Juni. Bei der landesweiten Veranstaltungsreihe haben insgesamt 100 Guts- und Herrenhäuser in MV interessierten Gästen Einlass gewährt – Neugierigen, die in die Kulturgeschichte der Schlösser, Häuser und Parks eintauchen wollten.

250 Besucher sind in das 50-Seelen-Dorf Manderow gekommen. „Das war Wahnsinn, mit so vielen Leuten hatten wir nicht gerechnet, das ganze Dorf war mit Autos zugeparkt“, erinnern sie sich. An dem Tag sei ihnen auch ein altes Foto mitgebracht worden – die Aufnahme zeigt die gesamte ehemalige Gutsanlage. Von der ist heute so gut wie nichts mehr übrig. „Nur das Gutshaus und der verfallende Rinderstall mit seinem imposanten Giebel stehen noch“, erzählt Birgit Fischer. Die ehemalige Molkerei und die Getreidemühle seien zwar noch da, aber schon zu DDR-Zeiten in Wohnhäuser umgewandelt worden.

Auch im Gutshaus hat sich im Laufe seiner Geschichte einiges verändert. Flüchtlinge sind dort untergebracht gewesen, Kinder in die Schule gegangen, es gab einen Konsum, einen Kulturraum und später Wohnungen. Viele Zwischenwände, die deshalb eingebaut wurden, haben bereits die Vorbesitzer entfernt. So sind die großen Aufenthaltsräume wieder zum Vorschein gekommen: „Früher gab es im Erdgeschoss einen Salon für Herren und auf der anderen Seite einen für Damen“, berichtet Birgit Fischer. Alte Farbe befindet sich noch an den Wänden, der Eichenparkettboden von früher ist gut erhalten.

Drei Jahre haben die beiden nach einem geeigneten Umbauprojekt Ausschau gehalten – zunächst in Berlin und Brandenburg. Doch dort seien „die Gutshäuser zu irrsinnigen Preisen angeboten worden“.

Deshalb hätten sie den Suchradius Richtung Norden erweitert. Im November 2017 werden sie im Internet fündig: Das Gutshaus in Manderow steht zum Verkauf. Nach der Besichtigung fällt eine schnelle Entscheidung: „Das nehmen wir!“, sind sie sich einig und legen sofort los. Ihr Ziel: 2019 sollen die ersten Ferienzimmer bezugsfertig sein. Nach und nach wollen sie dann ihr Haus komplettieren.

Insgesamt erstreckt sich die Wohnfläche über 809 Quadratmeter – verteilt auf Erd-, Ober- und Dachgeschoss. Außerdem ist das Haus voll unterkellert. Die Pläne der Gutshaus-Retter, schon 2019 die ersten Übernachtungsgäste zu empfangen, scheinen deshalb ehrgeizig – zumal sie noch aus der Hauptstadt an die Ostsee pendeln. Doch sie haben schon einiges geschafft: Wer einen Blick in das Gutshaus wirft, sieht: Der größte Dreck ist raus. 60 Sprinter-Ladungen Müll haben die beiden auf Deponien gefahren. Bei der Annahmestelle in Grevesmühlen haben sie den Sohn des ehemaligen Kulturraumbetreibers getroffen, der ihnen erzählte, dass es damals im Boden einen Zugang zum Vorratsraum im Keller gab. „Wir sind immer auf der Suche nach alten Informationen über unser Haus und freuen uns sehr über Zeitzeugenberichte und Fotos“, betont Birgit Fischer. Gerne würden sie aus diesen Dokumenten eine kleine Ausstellung über die Geschichte des Dorfes machen. Denn zu DDR-Zeiten ist Manderow eines der wenigen noch erhaltenen Gutsdörfer gewesen. Anfang der 1990er-Jahre sind Gutshaus, Nebengelasse und Schnitterkasernen unter Denkmalschutz gestellt worden. Allerdings hat das die Ställe – abgesehen vom Rinderstall – nicht vor dem Abriss bewahrt. Auch die Schnitterkasernen, wo früher die Landarbeiter gewohnt haben, müssen dringend saniert werden.

Eine der ersten Arbeiten des Paares war: die Regenrinnen vom Haus wegzuleiten, damit keine Feuchtigkeit mehr ins Gebäude gelangt. Wasser und Strom sind vorhanden, die funktionierende Heizung gibt es noch nicht. Deshalb haben die Berliner bis Ostern in einer Ferienwohnung in Zierow geschlafen – nachdem sie tagsüber in ihrem neuen alten Haus gearbeitet haben. „Nach Ostern haben wir uns einen Kaminofen gekauft und einige Zimmer für uns hergerichtet – und für unsere Freunde, die beim Umbau mitanpacken“, erzählen sie.

Als nächstes sollen Elektrik und Sanitär hergerichtet werden. Weitere Maßnahmen sind der Ausbau des Daches, die Renovierung der alten Fenster, der Wiederaufbau des Wintergartens, die Abdichtung des Balkons und noch vieles mehr.

Zehn bis zwölf Ferienzimmer sollen in dem Gutshaus entstehen. Das ist umgeben von einer ein Hektar großen Parkanlage, von der Dachterrasse aus ist in der Ferne fast die Ostsee zu sehen, auf der anderen Seite gibt es weite Äcker. „Der Ausblick ist herrlich“, schwärmen die neuen Dorfbewohner. Und obwohl sie nur zu zweit seien, sind sie sich sicher, schon im nächsten Jahr die ersten Unterkünfte vermieten zu können.

Wie war Ihre Sanierung?

Haben Sie in Wismar oder Nordwestmecklenburg ein mindestens 100 Jahre altes Gebäude saniert? Oder stecken Sie gerade mitten in den Arbeiten am Bauernhaus, Tagelöhnerkaten, Mühle oder was auch immer?

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der Telefonnummer 03841 / 4 15 65.

Kerstin Schröder

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