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Nordwestmecklenburg Martin Luther und die Juden
Lokales Nordwestmecklenburg Martin Luther und die Juden
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21:12 03.07.2017
Jacqueline und Vivien Ritter (v. l.) helfen beim Aufbau der Ausstellungstafeln in der Klützer Kirche. Quelle: Foto: Malte Behnk
Klütz

Im Jahr des Reformationsjubiläums setzt sich die Kirchengemeinde Klütz kritisch mit Martin Luther und seiner Beziehung zum jüdischen Glauben auseinander. Heute um 17 Uhr wird in der Marienkirche in Klütz die Ausstellung „,Ertragen können wir sie nicht’ – Martin Luther und die Juden“ eröffnet.

Kirchengemeinde Klütz zeigt ab heute Ausstellung über Antisemitismus des Reformators.

Vor 500 Jahren, am 31. Oktober 1517, veröffentlichte Martin Luther 95 Thesen gegen den Missbrauch des Ablasses und begründete damit die heutige evangelische Kirche. Später äußerte sich der Reformator auch über Juden und rief sogar zu deren Vertreibung auf, was die Nationalsozialisten 1933 in ihrer Ideologie aufgriffen.

Was trieb Martin Luther zu seinen Schriften gegen das Judentum? Dieser Frage geht Pastorin Pirina Kittel auch bei ihrer Rede zur Ausstellungseröffnung ein. „Zu seiner Zeit in Wittenberg hatte Luther eigentlich nie Juden getroffen, sie waren bereits vorher dort vertrieben worden“, berichtet Pirina Kittel. Damit habe der Reformator sich 1523 in einer Schrift auseinandergesetzt. „Er verurteilte, wie mit Juden umgegangen wurde“, sagt die Pastorin. Er habe gefordert, christliche Liebe zu üben und die Juden „freundlich anzunehmen“. Diese Offenheit Luthers habe vielen Juden gefallen, so Kittel.

„Sie wollten aber nicht konvertieren“, nennt die Pastorin einen wahrscheinlich ausschlaggebenden Punkt für Luthers Wandlung. Denn es sei sein missionarisches Ziel gewesen, die Juden zum Christentum zu bewegen. „Aus seiner Enttäuschung darüber wurde dann wohl Verbitterung“, sagt Pirina Kittel. Sie glaubt, dass daraus auch die Schrift „Von den Juden und ihren Lügen“ von 1543 resultierte. „Darin schreibt er hasserfüllte Kommentare und fordert die Vertreibung der Juden“, so Kittel. Darunter litt immer mehr auch das Umfeld des Reformators, denn Luther habe aufgehört, vernünftig theologisch zu argumentieren.

„Er hatte sich in Wittenberg mit vielen Wissenschaftlern und Gelehrten umgeben. Mit ihnen diskutierte er auch viele Glaubensfragen“, schildert die Pastorin. Der Philosoph und Dichter Philipp Melanchthon sowie der Historiker und Theologe Georg Spalatin – beide Humanisten – gehörten zu Luthers engem Umfeld. Sie hätten sehr unter Luthers wachsender Abneigung den Juden gegenüber gelitten.

„Sie haben von Luther viel Ablehnung erfahren und viel ertragen“, sagt Kittel. „Daher ist es auch eine tragische Geschichte von Freundschaften.“

Die Ausstellung in der Klützer Kirche widmet sich bis zum 28. August auch den Jahren vor Luthers Schriften über die Juden und der Zeit danach.

„Die Reformation war 1517 nicht plötzlich da. Sie hatte sich in vielen Jahren entwickelt“, sagt Pirina Kittel, deren Zeitstrang zur Veränderung der damaligen Lateinischen Kirche bereits hundert Jahre vor dem Thesenanschlag beginnt. Wie die Ausstellung sich mit Luthers Vorreitern beschäftigt, blickt sie auch auf die Zeit nach seinem Tod.

Unter anderem nutzten die Nationalsozialisten ab 1933 Luthers Ausführungen über das Judentum, um ihren Rassenwahn zu rechtfertigen. „Er hat allerdings nie einen Genozid, also einen Völkermord, gewollt. Grundsätzlich setzte er immer auf Diskussion und Verhandlung“, sagt Pirina Kittel. Auch um das zu erklären, sei die jetzige Ausstellung wichtig.

Malte Behnk

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