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Mehr Platz für Schweine? „Dann muss der Preis stimmen“

Losten Mehr Platz für Schweine? „Dann muss der Preis stimmen“

Die LN waren zu Gast in der Tierzucht Gut Losten bei Bad Kleinen / Geschäftsführer Alwin Neteler spricht über Tierwohl, Arzneimittel und Ferkelsterben.

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Die Lebensdauer eines Schweins in der Tierzucht Gut Losten beträgt etwa 160 Tage. Dann bringt es rund 120 Kilogramm auf die Waage und kommt zum Schlachter.

Quelle: Fotos: Jens Büttner/dpa, Vanessa Kopp, Oz

Losten. Für Alwin Neteler, Betriebsleiter der Tierzucht Gut Losten, steht fest: „Ich lege alle geforderten Zertifikate und Co. gerne ab, aber dann muss auch der Preis stimmen!“ In den vergangenen zwei Jahren sei der Preis für Schweinefleisch katastrophal gewesen. Etwa 115 Euro gibt es für eine schlachtreife Sau, „um jedoch die Kurve zu kriegen, wären zehn Euro mehr pro Tier notwendig“, sagt der Chef. Kompensieren konnte Neteler dieses Defizit nur mit Gesellschafterdarlehen. „Das ist keine Wertschätzung, wenn ich den Lachs im Supermarkt für einen Spottpreis sehe“, sagt Neteler. Ein Problem sei, dass die Landwirtschaft in der Bevölkerung keinen Stellenwert mehr habe. „Überall wird Fortschritt groß geschrieben, nur die Landwirtschaft soll sich wieder zurückentwickeln. Das passt doch nicht zusammen.“ Und die deutsche Bürokratie mache es den Landwirten auch nicht einfacher.

LN-Bild

Die LN waren zu Gast in der Tierzucht Gut Losten bei Bad Kleinen / Geschäftsführer Alwin Neteler spricht über Tierwohl, Arzneimittel und Ferkelsterben.

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6000 Sauen sind in der Tierzucht Gut Losten untergebracht. Jede bekommt im Schnitt 32 Ferkel pro Jahr. Damit zählt die Schweinehaltung bei Bad Kleinen zu einer der größten in Deutschland. Nach der Geburt werden die Jungtiere erst vier Wochen lang gesäugt und kommen danach für weitere sechs Wochen in die sogenannte Aufzucht. Dann wiegen sie ungefähr 30 Kilogramm. Anschließend ziehen die Tiere in die Mastanlage um. „Dort bleiben sie rund 90 Tage“, erklärt der Betriebsleiter. Mit etwa 120 Kilogramm kommen die Tiere dann zum Schlachter.

Alwin Neteler weiß, dass die Schweinemast bei vielen in der Kritik steht, „ich habe jedoch nichts zu verbergen“, betont er. „Wir richten alle Ställe nach Tierwohl aus.“ Gesetzlich gefordert sind pro Schwein 0,7 Quadratmeter Platz. „Bei uns haben die Tiere 0,9 Quadratmeter und von mir aus könnten sie auch einen Meter bekommen.“ Die Tiere freilaufen zu lassen, dafür fehle ihm jedoch der Platz.

„Ich halte lieber weniger Schweine auf einer größeren Fläche, aber dann muss ich auch mehr damit verdienen“, merkt der Chef an. Was derzeit auf der Agenda steht: Spielzeug für die Tiere in ihren Boxen. „Denn Schweine brauchen Beschäftigung“, erklärt Neteler. Auch das ist Vorschrift.

Alwin Neteler arbeitet seit einem Vierteljahrhundert in Losten und hat schon viele Veränderungen miterlebt. „Unser Abnehmer Edeka Nord verlangt beispielsweise, dass unsere Ställe ab September alle Fenster haben müssen“, erzählt der 77-Jährige. „Das war vor 20 Jahren gar nicht gewünscht.“ Durch den Einbau von knapp 2000 Fenstern gibt es in den zwölf Ställen nun Tageslicht. „Ein großer Aufwand, von dem ich aber nicht glaube, dass dadurch mehr für mich abfällt“, prophezeit Neteler.

Dafür spart er an anderer Stelle ein: „Wir wollen davon wegkommen, unseren Tieren Antibiotika zu verabreichen“, erklärt er. Wurden einst noch 1,5 Millionen Euro im Jahr für Arzneimittel und Impfungen ausgegeben, seien es jetzt noch 500000 Euro. Ob er damit gegenüber Krankheiten und Seuchen gefeit ist, werde die Zukunft zeigen. „Die Hygienevorschriften für uns sind mittlerweile jedenfalls höher als in der Humanmedizin“, ist Netelers Beobachtung. Ein weiterer Vorteil, der zur Senkung der Arzneimittel beiträgt: Die dänische Scheinerasse, die derzeit im Gut Losten gezüchtet wird, ist resistenter. 2014 stand die Tierzucht in Losten bundesweit in der Kritik. Die ARD berichtete, dass Jungtiere, die nicht überlebensfähig waren, nicht ordnungsgemäß getötet worden seien. „Wir haben das stets so gemacht, wie das Veterinäramt es uns vorschreibt und das wird auch so bleiben“, betont Neteler. „Die Anklagen gegen uns wurden alle wieder fallen gelassen.“ Etwa 3000 Ferkel werden im Monat in Losten geboren. „Der Verlust liegt bei circa sieben Prozent“, erklärt der Geschäftsführer. „Einige davon werden von der Mutter getötet.“ Bei anderen, die als nicht überlebensfähig gelten, müssen die Mitarbeiter Hand anlegen. „Bei uns wird ein Herzstich durchgeführt, um auf Nummer sicher zu gehen“, erklärt Neteler. Das Töten durch Gas — ebenfalls eine erlaubte Möglichkeit — findet er nicht gut. Ein solcher Vorgang werde stets protokolliert und von zwei Mitarbeitern unterzeichnet. Vor einigen Jahren sei die Sterberate der Ferkel noch etwa doppelt so hoch gewesen. Alwin Neteler lässt sich von den Kritikern nicht beirren. „Ich persönlich würde ein Schwein von uns immer einem ökologisch erzeugten bevorzugen“, ist seine Meinung. „Denn diese Tiere sind oftmals mangelernährt.“

Kritik an Ferkeltötung

Im Sommer 2014 geriet die Mastanlage in Losten bundesweit in die Kritik. Grund war ein Beitrag in der ARD-Sendung „Report Mainz“ unter dem Titel „Deutschlands Ferkelfabriken“. Die Videoaufnahmen hat die gemeinnützige Tierrechtsorganisation Animal Rights Watch gedreht. Gezeigt wurden Bilder aus mehreren deutschen Ställen. Ferkel waren mit dem Kopf auf den Fußboden oder gegen die Wand geschlagen und

so getötet worden. In Reaktion auf diese Vorfälle wurde per Erlass beschlossen, dass das Töten durch Kehlschnitt oder per Gas erfolgen müssen. Ein Kopfschlag sei zum Betäuben zugelassen.

Von Vanessa Kopp

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