Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Nordwestmecklenburg „Meine Mutter wollte unbedingt das Familienhaus zurück“
Lokales Nordwestmecklenburg „Meine Mutter wollte unbedingt das Familienhaus zurück“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:10 06.07.2017
Stellshagen

Geboren ist Gertrud Cordes in der Hansestadt Hamburg. „Aber ich bin begeisterte Mecklenburgerin“, sagt sie und rührt dabei ihren Tee um. Seit 1996 betreibt die 62-Jährige in Stellshagen das Bio- und Gesundheitshotel im und ums Gutshaus. Damit kehrte sie vor 21 Jahren an den Ort zurück, in dem ihre Familie schon eimal zu Hause war – und große Spuren hinterlassen hat. Denn das Gutshaus, das Wahrzeichen des Dorfes, hat 1925 kein geringerer als ihr Urgroßvater Franz Bach senior errichten lassen. Ihr Opa Franz Bach junior war hier als Landwirt tätig und baute 1927 die Landarbeiterhäuser in der Dorfstraße. Auch ihre Mutter Lore ist in Stellshagen groß geworden. Doch nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die Familie enteignet.

Sie flüchteten nach Hamburg und verloren ihren Besitz.

„Stellshagen verbinde ich immer mit Familie“, sagt Gertrud Cordes. Kurz nach dem Mauerfall war die Heilpraktikerin das erste Mal vor Ort. Damals war im Gutshaus noch eine Lernbehindertenschule untergebracht. „Es war ein typisches Mecklenburger Dorf“, erinnert sie sich zurück. Als das Gutshaus 1994 dann zum Verkauf stand, schlugen die Cordes zu, legten eine sechsstellige Summe auf den Tisch. „Meine Mutter wollte unbedingt das Familienhaus zurück“, sagt Gertrud Cordes. Dafür war ihr kein Preis zu teuer. Zwei Jahre später nahm das Hotel den Betrieb auf. Mit der neuen Einrichtung fanden viele Menschen auch neue Arbeit. Darunter auch Christa Wigger. Die 69-Jährige ist Stellshägerin durch und durch. „Hier geboren und aufgewachsen“, sagt sie. Zu DDR-Zeiten war sie Krankenschwester in Grevesmühlen. Doch diesen Job gab sie auf, als Gertrud Cordes ihr eine Stelle im Hotel anbot. „Danach habe ich bis 2011 Fußreflexzonenmassagen und Shiatsu gemacht“, erzählt sie.

Mittlerweile ist Christa Wigger im Ruhestand und verbringt viel Zeit in ihrem Garten. „Ich wusste lange nicht, dass ich ein Naturmensch bin“, sagt sie. Doch heute will sie die Idylle, die ihr Stellshagen bietet, nicht missen. Als Jugendliche habe sie auch mal weg, wie andere in Großstädte ziehen wollen. „Doch wenn ich dann mal weg war, wollte ich zurück. Mein Zuhause ist Stellshagen.“ Und ihr Heimatdorf sei ein modernes geworden. Nicht zuletzt wegen des regen Betriebs im Gutshaus. „Das macht den Ort einzigartig. Ich fühle mich hier immer noch pudelwohl“, so Christa Wigger.

Immer gegen Ende Juli wird in Stellshagen gefeiert. Das Dorffest ist der Höhepunkt des Jahres. Dafür proben Christa Wigger und einige weitere Einwohner aktuell fleißig. Sie alle bilden den Stellshäger Dorfchor. Rund jeder fünfte des Ortes gehört dazu. „Den gibt es eigentlich schon immer. Bei Geburtstagen, Hochzeiten oder anderen Anlässen kommt das Dorf zum Singen zusammen“, erzählt Christa Wigger. „Und wenn wir wollen, können wir ganz gut singen“, ergänzt sie mit einem Lachen. Auch Hotelbetreiberin Gertrud Cordes ist Mitglied. Sie hat sich der Gruppe schon 1996 angeschlossen.

„Der Ort hat eine sehr nette Dorfgemeinschaft“, sagt sie. Den Dorfchor bezeichnet sie als schöne Tradition. Auch das Miteinander sei ein Grund, warum Cordes „ausgesprochen gern hier lebt“, wie sie sagt. Hinzu kommt die Natur, die Landschaft und die Ruhe, die auch die vielen Besucher ihres Hauses schätzen. Für die Unternehmerin steht fest: Aus Stellshagen will sie nicht weg.

Daniel Heidmann

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Der Finanzminister von Mecklenburg-Vorpommern macht seit Jahren Urlaub in Stellshagen.

06.07.2017

Das Dorf Stellshagen befindet sich inmitten des Klützer Winkels. Es liegt vier Kilometer südwestlich von Klütz und 2,1 Kilometer südöstlich von Damshagen. Die L03 verläuft östlich des Ortes.

06.07.2017

Fast 28000 Fahrgäste hat die Schmalspurbahn „De Lütt Kaffeebrenner“ im vergangenen Jahr gezählt.

06.07.2017