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Nordwestmecklenburg Metallstück treibt Hobbyhistoriker an
Lokales Nordwestmecklenburg Metallstück treibt Hobbyhistoriker an
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09:05 10.11.2017
Vor etwa 40 Jahren entdeckte Joachim Stahnke das Stück Metall als Erntehelfer bei Redewisch. Es soll zu einem abgestürzten Militärflugzeug gehören. Die Geschichte interessiert den Damshagener. Quelle: Fotos: Malte Behnk

Der 72-Jährige hatte in den 1970er Jahren öfter bei der Kartoffel- oder Rübenernte geholfen. „Dabei habe ich dieses Stück Metall entdeckt“, sagt er und zeigt das etwa 20 mal 20 Zentimeter große Stück, das auf der einen Seite Rillen und Zacken hat, auf der anderen Seite eine geschwungene Vertiefung zeigt. „Das gehört zu einem der Flugzeuge“, ist er überzeugt.

Vor 40 Jahren fand Joachim Stahnke ein Flugzeugblech bei Redewisch / War es ein Absturz?.

Noch kurz nach seinem Fund hatte er mit einem Bewohner von Redewisch gesprochen. „Der Herr war Jahrgang 1935 und konnte sich an den Absturz der beiden Maschinen erinnern“, sagt Stahnke. „Er war als Kind selber dort gewesen und hat erzählt, dass das geschmolzene Metall der ausgebrannten Flugzeuge in die Ackerfurchen geflossen war.“ Auch dieser Mann soll einige Teile der Flugzeuge mit nach Hause genommen haben. Doch zu DDR-Zeiten habe niemand Ärger bekommen wollen. Deshalb hortete auch Stahnke sein Stück Aluminium lange, ohne weiter zu forschen. Inzwischen ist der Augenzeuge von damals verstorben und auch im Archiv in Grevesmühlen ist Joachim Stahnke nicht weitergekommen. „Mich interessiert aber, was damals wohl passiert ist“, sagt er. „Sofern Boltenhagen einmal ein Heimatmuseum bekommt, könnte man auch diese Geschichte dort ausstellen.“ Immerhin habe es ja mehrere ähnliche Abstürze im Klützer Winkel gegeben. So spricht Stahnke auch vom Absturz eines amerikanischen Flugzeugs. Angehörige der Soldaten seien damals aus den USA nach Mecklenburg gekommen.

Auch wegen solch persönlicher Geschichten hat ihn der Absturz der beiden Militärmaschinen bis heute nicht losgelassen. Sicher ist Stahnke, dass es sich um keine deutschen Flugzeuge gehandelt hat. Vielmehr müssten es britische oder amerikanische Maschinen gewesen sein.

Kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges hatten nämlich britische Truppen die Stadt Klütz besetzt und übergaben sie Ende Juli an die Rote Armee. Auch die Rollbahn des Luftwaffen-Flugplatzes auf dem Priwall – etwa 20 Kilometer Luftlinie von Redewisch entfernt – war gegen Kriegsende von britischen Bombern zerstört worden. Allerdings waren es amerikanische Truppen, die die Erprobungsstelle der Luftwaffe auf der künstlich geschaffenen Halbinsel von Tarnewitz einnahmen. Ihnen folgten die Engländer und dann die Rote Armee.

Bislang konnte niemand Joachim Stahnke weiterhelfen, seinen Fund eines Blechstücks in einen geschichtlichen Zusammenhang zu stellen. Dorian Rätzke in Boltenhagen, der sich wie seine Eltern vor ihm mit der Geschichte Nordwestmecklenburgs und des Klützer Winkels beschäftigt, weiß nichts von einem Flugzeugabsturz bei Redewisch. „Bei Oberhof soll so etwas geschehen sein“, sagt er auf Nachfrage. „Soweit ich weiß soll dort ein Flugzeug fast senkrecht in den Acker gestürzt sein“, so Rätzke. Doch der Klützer Ortsteil liegt etwa acht Kilometer von Redewisch entfernt.

Wer hat Informationen über den möglichen Absturz?

Wissen Sie etwas über den Absturz von zwei Militärflugzeugen bei Redewisch? Wer die Forschung von Joachim Stahnke unterstützen möchte und etwas über das Aluminiumstück weiß oder Hinweise auf den beschriebenen Vorfall kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs hat, kann sich gerne an die Lokalredaktion der Lübecker Nachrichten, August-Bebel-Straße 11, in Grevesmühlen wenden. Hinweise können auch per E-Mail mit dem Stichwort „Absturz Redewisch“ an die Adresse Grevesmuehlen@ostsee-zeitung geschickt werden. Die Informationen werden an Joachim Stahnke weitergeleitet.

 Malte Behnk

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