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Nordwestmecklenburg Migrationsstelle monatelang unbesetzt
Lokales Nordwestmecklenburg Migrationsstelle monatelang unbesetzt
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20:35 04.08.2017
Im Jobcenter findet sich kein Hinweis darauf, dass die Migrationsberatung der Awo seit Monaten unbesetzt ist. Quelle: Fotos: Nicole Buchmann

Ein Vormittag im Jobcenter in Wismar. Am Ende des Flures im Erdgeschoss warten ein paar Leute darauf, dass sie aufgerufen werden von den Mitarbeitern des regionalen Integrationsservices. Ein Mann steht am Tresen, reicht Papiere hinüber. „Daria ist schon zu lange in Deutschland – für sie sind wir nicht zuständig“, sagt eine Mitarbeiterin und verweist auf die Migrationsberatungsstellen der Diakonie und des DRK.

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Die Arbeiterwohlfahrt (Awo) schickt Ratsuchende zu anderen Trägern.

Das große Schild im Flur aber weist noch immer auf sie hin – auf die Beratungsstelle für ausländische Mitbürger, älter als 27 Jahre. Dabei ist die Stelle beim Kreisverband der Arbeiterwohlfahrt (Awo) schon seit Anfang des Jahres mit Unterbrechung von zwei Monaten nicht mehr besetzt. Allein im vergangenen Jahr zählte die Awo allein bei der Migrationsberatung laut Sachbericht 449 Klienten.„Alles unter einem Dach“ war die Devise des Vorzeigeprojektes, das Landkreis, Jobcenter und Awo vor gut einem Jahr begonnen haben. Finanziert wird die Migrationsberatung der Awo vom Landkreis und vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF).

Der Bundesverband der Awo reagiert auf Nachfrage abwehrend. „Was sollen wir hier in Berlin machen – sollen wir als Bundesverband jemanden einstellen und nach Wismar schicken?“Selbstverständlich sei es wünschenswert, dass die Stelle besetzt ist. Nach OZ-Informationen ist nicht allein der Mangel an entsprechend ausgebildetem Personal die Ursache für die freie Stelle. Die hohe Fluktuation – drei Mitarbeiter in fast zwei Jahren – auf der Stelle soll unter anderem auch am Umgang mit den Mitarbeitern liegen und daran, dass Awo-Geschäftsführer Matthias Koch wenig von einer Migrationsberatung in seinem Unternehmen hält.

Diesen Vorwurf weist Koch zurück. „Das stimmt nicht. Der Bereich Migration ist für uns ein wichtiges Feld.“ Zehn Bewerber hätte es gegeben. Alle zehn seien vom Bundesverband der Awo wegen mangelnder Qualifikation abgelehnt worden. Gefordert für die Beratung sind laut Koch Diplom-Sozialpädagogen – mit Berufserfahrung und Spezialisierung auf Migration. Eingesetzt hat die Awo in Wismar bislang eine Diplom-Erziehungswissenschaftlerin, eine Diplom-Pädagogin – und eine Diplom-Sozialpädagogin. Nun gab es Anfang der Woche ein zweites Gespräch mit einem der früheren Bewerber. Zum 1.

September soll die Stelle wieder besetzt werden.

Die Fördermittel vom BAMF für die bislang fünf Monate lang unbesetzte Stelle gehen der Awo indes nicht verloren. Wie eine Pressesprecherin des BAMF mitteilte, würden die an einem anderen Standort der Awo verwendet. „Dies ist ein übliches Vorgehen.“ Der Landkreis Nordwestmecklenburg teilte mit, dass die Awo vom Zuschuss in Höhe von 21000 Euro nur Geld für die zwei Monate abgerufen habe, in denen die Stelle auch besetzt war. Der Landkreis sei darüber hinaus selbstverständlich daran interessiert, dass das Beratungsangebot im Jobcenter wieder vollständig zur Verfügung steht.

„Es gibt Tage, da werden wir umgerannt“, sagt Ekkehard Giewald vom Deutschen Roten Kreuz. Das DRK und das Diakoniewerk im nördlichen Mecklenburg beraten derzeit die Hilfesuchenden allein.

„Der Beratungsbedarf ist prinzipiell hoch und wird anhalten“, so Giewald.“ Und auch seine Organisation habe mit dem Fachkräftemangel zu kämpfen. „Wir sehen zu, dass wir mit unbefristeten Verträgen und guter Bezahlung inklusive Altersvorsorge Mitarbeiter gewinnen und halten.“

LN

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