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Nordwestmecklenburg Minkes Spielkunst beflügelt Orgelsinfonie
Lokales Nordwestmecklenburg Minkes Spielkunst beflügelt Orgelsinfonie
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22:27 10.08.2015
Organist Christoph D. Minke

„freitagsOrgel“ heißt eine kleine Konzertreihe im Schönberger Musiksommer. Viermal präsentiert sich hier Kirchenmusikdirektor Christoph D. Minke (50), seit 1990 Kantor an Schönbergs St. Laurentius und unermüdlicher Inspirator und Organisator des Musiksommers, auch als Organist auf „seiner“ Orgel, der historischen romantischen Winzer-Orgel von 1847. Am letzten Freitag wagte er für seine intime Zuhörergemeinde etwas ganz Besonderes und Kühnes: Die Aufführung eines Großwerkes der modernen Orgelliteratur, der „Symphonie-Passion“ op. 23 (1924) des französischen Komponisten Marcel Dupré.

Dies ist ein Werk von einer geradezu expressionistischen Ausdrucksgewalt, in der Beunruhigung, der innigen Versenkung, der schmerzlichen Klage und der hymnischen Begeisterung, mit der es Stationen der Passion Jesu von der Geburt bis zur Auferstehung ins Bild setzt, als Verknüpfung gregorianischer Hymnen, kühner Harmonik, farbreicher Klangmacht und virtuoser Improvisationstechnik.

Eigentlich ist die Schönberger Orgel, obwohl sie die größte, heute noch erhaltene Orgel des Wismarer Orgelbaumeisters Winzer ist, zu schmächtig für dieses gewaltige Werk. Aber der Spielkunst Minkes an Manualen und Pedal, seinem durchleuchtenden Kunstverstand, seinen alle Möglichkeiten der Orgel ausreizenden Registrierungen gelang es, trotz der unvermeidbaren „Defizite“, ein so hinreichendes Bild von dieser Orgelsinfonie zu entwerfen, dass beim Hörer ihre unmittelbare spirituelle Ausdruckskraft eindrucksvoll erlebbar wurde.

Besonders überzeugend wirkten dabei die beiden ausgedehnten langsamen Mittelsätze „Geburt“ und „Kreuzigung“, da sie den klanglichen Möglichkeiten der Orgel am ehesten entgegen kamen. Aber selbst im kapitalen Schlusssatz „Auferstehung“ erreichte Minke, obwohl er dazu eigentlich ein Schwellwerk gebraucht hätte, durch geschickte Registrierung den Eindruck einer grandiosen überwältigenden Steigerung, die sich nach ekstatischem Taumel schließlich im strahlenden D-Dur auflöste. Das war beileibe — wie Minke sonst bescheiden seine „freitagsOrgel“ nennt — kein „kleines Format“.

Orgel fast original
1379Pfeifen sind in der Winzer-Orgel in Schönberg verbaut. Das Instrument wurde am 9. Februar 1847 eingeweiht. Von Anfang an hat die Winzer-Orgel das Musikleben Schönbergs nachhaltig beeinflußt. Die reiche kirchenmusikalische Tradition und das heutige rege Konzertleben in der Stadt hätten sich nach Ansicht der Kirchengemeinde ohne sie nie so entwickeln können. Die Orgel ist fast original erhalten.

Heinz-Jürgen Staszak

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