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Nordwestmecklenburg Mit 20 D-Mark von Suez nach Berlin
Lokales Nordwestmecklenburg Mit 20 D-Mark von Suez nach Berlin
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00:07 13.03.2018
Rostock

Meine Seefahrtszeit begann im August 1968 auf dem Typ-IV-Schiff „Gera“ als Schiffsbetriebsschlosserlehrling. Nach dem Studium wurde ab 1977 der Tanker „Wolfen“

Die abenteuerliche Reise eines DDR-Seemanns / Für jedes Problem fand sich eine Lösung.

mein Stammschiff. Spektakuläre Ereignisse gab es nicht, die Zeit war geprägt durch ein großes Verantwortungsbewusstsein der Besatzung und Kameradschaft an Bord. Letztere konnte ich im Sommer 1980 in besonderer Weise erfahren: Wir kamen im Juli von einer Reise zurück. Ich sollte abgelöst werden, da meine Frau und ich einen FDGB-Urlaubsplatz hatten. Es war keine Ablösung verfügbar. Die nächste Reise ging in den Persischen Golf, ich sollte bis Suez mitfahren und dort abgelöst werden. Aber auch da war keine Ablösung möglich. Nach Rücksprache mit dem Kapitän fand sich eine Lösung: Der Lehrbeauftragte für unsere sechs Lehrlinge an Bord sprang für mich ein. Und so schickte mich der Kapitän in Suez von Bord und gab mir inoffiziell 20 D-Mark für den Notfall.

Das war an einem Dienstag. Bis Sonntag musste ich auf den Flug warten. Der ging früh morgens ab Kairo, sollte über Athen nach Berlin-Schönefeld gehen. In Athen hatten wir Verspätung, der Anschlussflug war weg. Was tun? Ich hatte ja nur mein Seefahrtsbuch ... Nach endlosen Diskussionen fand sich eine Lösung. Am späten Nachmittag konnte ich einen Flug nach Frankfurt/Main nehmen und von dort nach Berlin-West. Meine Antwort auf die Frage, ob das ein Problem für mich sei, war ein klares „Nein“. Es gab jedoch ein Problem: Der Flug nach Frankfurt ging als „Domestic Flight“ über Korfu.

Das hieß, dort mussten alle Passagiere aussteigen, auschecken und dann wieder an Bord gehen. Leider hatte ich nichts zum Auschecken. Wieder fand sich eine Lösung: Ich musste mein Seefahrtsbuch beim Flugkapitän abgeben und in Korfu als „blinder Passagier“ an Bord bleiben. Manch Reisender maß mich mit äußerst seltsamen Blicken, als er wieder einsteigen durfte.

In Frankfurt bekam ich mein Seefahrtsbuch wieder, nahm den Flieger nach Berlin und war gegen 23 Uhr in Berlin. Im Westen. Nun stand ich wohl vor dem größten Problem meiner Reise: Wie sollte ich – nur mit Seefahrtsbuch – von West nach Ost kommen?

Doch das ging einfacher als gedacht: Ich kam per S-Bahn am Checkpoint Charlie an und wollte am Grenzübergang gerade zu großen Erklärungen ansetzen. Die Grenzer, schwer beschäftigt mit all den Wochenendbesuchern, die noch vor Mitternacht wieder zurück nach Westberlin wollten, guckten nur kurz aufs Seefahrtsbuch und bahnten dann sogar eine Gasse für mich. So oft kam es wohl nicht vor, dass DDR-Bürger freiwillig aus dem Westen in den Osten wollten. Der Rest war einfach – mit dem Zug ging es nach Hause, um 5 Uhr morgens war ich in Rostock.

Später ging ich zur Telefonzelle und meldete mich ordnungsgemäß beim Inspektor der Reederei. Dort war die Aufregung groß ob der Nachricht, dass ich allein in Suez abgestiegen sei. Wieder fand sich eine Lösung. Der Inspektor meinte sofort, ich solle am Telefon nichts erklären, sondern persönlich vorbeischauen. Es war definitiv so, dass ungebetene Ohren mithörten.

Für den FDGB-Urlaub war es leider zu spät. Schön war der Urlaub dennoch: Neun Monate später wurde meine Tochter geboren. Und die 20 D-Mark gab ich dem Kapitän zurück. Die 26 Stunden der Reise sind mir tief in Erinnerung geblieben – und heute, fast 40 Jahre später, möchte ich mich bei allen, die damals halfen, bedanken.

Vielen Dank für Fotos und Storys

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen, und Sie, liebe Leser, lassen andere daran teilhaben. Danke allen Einsendern, die diese Maritim-Seite immer wieder so interessant machen.

Wie Günther Knuth, heute Ingenieur in Reinbek, 1980 als DDR-Seemann von Suez nach Hause kam, um mit seiner Frau in den FDGB-Urlaub zu fahren, klingt schon fast nach Seemannsgarn, hat sich aber genauso zugetragen. Sein Käpt’n hatte ihn in Ägypten mit seinem Seefahrtsbuch und 20 D-Mark nach Hause geschickt, aber in Athen war der Flieger nach Berlin-Schönefeld weg, und so musste er über den Westen zurück in die DDR. Auf dem Flug nach Frankfurt am Main blieb er in Korfu als blinder Passagier an Bord des Flugzeuges. Noch toller war, wie er dann von West-Berlin wieder in den Osten kam.

Doch lesen Sie selbst . . .

Schulschiff „Greif“ hieß „Wilhelm Pieck“

Die Schonerbrigg „Greif“ hieß ursprünglich nach dem ersten Präsidenten der DDR „Wilhelm Pieck“. 1951 in Warnemünde gebaut, sollte sie ein Geschenk zum 75. Geburtstag Piecks sein, aber der wollte lieber ein Segelschulschiff für die Jugend: „Wir brauchen für die Hochseeschifffahrt gut ausgebildete und qualifizierte Seeleute.“ 1991 wurde der Windjammer an die Stadt Greifswald übertragen und in „Greif“ umbenannt. FOTO: SCHÄFER

Seesack immer allein getragen

„Ich bin nicht so der Geschichten-Erzähler“, sagt Manfred Sander von sich und schreibt: „Anfang 1970 begann ich beim Rostocker Fischkombinat (Fiko) als Maschinenassistent auf dem Logger 128 ,Werner Seelenbinder’ mit der Seefahrt. Zu den letzten Stationen zählten bei der Reederei NSB Containerriesen wie die Schiffe ,California Senator’ oder die ,Hongkong Senator’.

Zu meiner Erstausstattung gehörte auch dieser Seesack auf dem Foto beim Aufsteigen auf MSC ,Lausanne’. Dieser Seesack begleitete mich während all meiner Reisen bis zum Ende meiner Seefahrtszeit und zum Rentenbeginn.

Viele Offiziere haben sich das Gepäck oft von den Philippinos bin ins sechste Deck tragen lassen – ich habe meinen Seesack immer alleine nach oben getragen. Wenn ich nicht mehr in der Lage bin, meinen eigenen Seesack bis in meine Kammer zu tragen, dann sollte ich lieber mit der Seefahrt aufhören, dachte ich mir immer. Nun hängt der Seesack etwas strapaziert in der Seemannsecke, ist aber noch heil.“

US-Rakete traf die „Halberstadt“

Der DSR-Frachter MS „Halberstadt“ macht im Rostocker Überseehafen fest. Am 13. Januar 1972 hatte das Schiff seinen Heimathafen zu einer Südostasien-Rundreise verlassen – und machte Bekanntschaft mit dem Krieg. Im Hafen von Haiphong (Vietnam) wurde das Schiff bei einem Angriff der US-Amerikaner von einer Rakete getroffen. Nur ein Besatzungsmitglied wurde leicht verletzt, andere Schiffe brannten, die Hafenanlagen wurden zerstört. „Dort wurde gestorben“, heißt es im Bericht eines Besatzungsmitglieds. Die „Halberstadt wurde auf Kosten der USA in Singapur repariert.

Info: www.seeleute-rostock.de FOTO: JÜRGEN FENSCH

Bildung macht den Meister

Mit dem Aufbau der Warnow Werft begannen 1948 die ersten 40 Schulabgänger eine Berufsausbildung als Bootsbauer und Schlosser. In den folgenden Jahren waren es 40 bis 80 Lehrlinge und Umschüler.

Ab 1950 wurden jährlich 200 bis 300 Lehrlinge aufgenommen. Die personellen und materiellen Voraussetzungen für eine qualitativ gute Ausbildung waren zunächst bescheiden. Die Lehrkräfte kamen aus dem Flugzeugbau von Heinkel und Arado oder auch von den Werften aus Danzig und Stettin. Junge qualifizierte Betriebsangehörige wurden als Lehrausbilder gewonnen und in Lehrgängen und Studium qualifiziert. Die praktische Ausbildung fand bis zum Bezug der neu gebauten Lehrwerkstatt 1950 in einer Baubaracke außerhalb des Werftgeländes statt. Eine zweite Lehrwerkstatt wurde 1953 bezogen. Die theoretische Ausbildung fand in der Lesehalle und in Räumen ehemaliger Hotels in Warnemünde statt.

Mit der im Dezember 1951 erfolgten Bildung eines Lehrkombinates veränderte sich die Situation, die Zahl der Lehrlinge stieg sprunghaft. Mit 1148 Lehrlingen wurde im Ausbildungsjahr 1953/54 die höchste Zahl erreicht. Bis 1989 wurden rund 10000 Lehrlinge in bis zu 23 Berufen ausgebildet. Seit 1961 wurden auch Schüler mit dem Abschluss der 10. Klasse in ein Lehrverhältnis, Berufsausbildung mit Abitur/Stahlschiffbau bzw. Maschinen- und Anlagenbau, aufgenommen. Anfangs sehr kritisch gesehen, wurde dies zu einem heißbegehrten Bildungsweg für Ingenieure. Bis 1990 wurden von 675 Lehrlingen mit Abitur 582 zu einem Fach- oder Hochschulstudium delegiert.

Ergebnis der Ausbildung war eine hochqualifizierte Belegschaft: 71,6 Prozent der Betriebsangehörigen der Werft hatten einen Facharbeiterabschluss, 14,6 Prozent einen Hoch- oder Fachschulabschluss und 4,4 Prozent einen Meisterabschluss. Manfred Thomas

Günther Knuth

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