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Mit kalten Wassern gewaschen

Kritzow Mit kalten Wassern gewaschen

Ingelore Launert und Martina Hübsch treten zur Weltmeisterschaft im Winterschwimmen in Sibirien an.

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Ingelore Launert (l.) und Martina Hübsch starten im März zu ihrer dritten Weltmeisterschaft.

Kritzow. Derzeitige Wassertemperatur der Ostsee vor Wismar: drei Grad. Für Ingelore Launert und Martina Hübsch das beste Trainingswetter. Die beiden Kritzowerinnen reisen Anfang März nach Russland, genauer gesagt nach Tjumen, Sibirien. Dort treten sie zum dritten Mal bei der Weltmeisterschaft im Winterschwimmen an.

Die Vorbereitungen laufen bereits, für die Reise wie auch für den Wettkampf. „Wir gehen zweimal die Woche in die Schwimmhalle sowie zweimal im Neuklostersee trainieren“, erzählt Martina Hübsch. Zu Hause steht zudem jeden Tag Krafttraining auf dem Programm, künftig mit Unterstützung eines persönlichen Trainers. „Das hat eine Kollegin von mir organisiert“, sagt Martina Hübsch, die als Lehrerin arbeitet. Die beiden Mecklenburgerinnen treten in den Distanzen 25 und 50 Meter an. „Wir müssen noch schneller werden“, meint Ingelore Launert. „Wenn wir schon so weit anreisen, wollen wir uns doch nicht blamieren.“

Was treibt einen dazu, ins Wasser zu springen, dessen Temperatur knapp über dem Gefrierpunkt liegt? Und dann darin auch noch zu schwimmen? „Angefangen hat das 2001“, erinnert sich Ingelore Launert.

„Wir waren in Heiligendamm und haben dort im Winter jemand im Wasser gesehen. Damals dachte ich noch: Der hat doch einen Knall!“ Irgendwie ließ das die 64-Jährige aber nicht los.

Wenig später sprang sie selbst in die eiskalten Fluten. Kurz danach wurden die beiden Frauen bei den Rostocker Seehunden Mitglied. „Obwohl ich eigentlich eine Frostbeule bin“, gibt Martina Hübsch lachend zu. „Mich kostet es auch meist noch Überwindung, ins Wasser zu gehen.“

Doch der Lohn für die körperlichen Strapazen ist es den beiden wert: „Der ganze Körper kribbelt und natürlich tut es auch weh“, erklärt Ingelore Launert. „Doch danach spürt man so intensiv seinen Körper, die ganze Durchblutung.“ Für die beiden Freundinnen das beste Mittel, um den Kopf freizubekommen und neue Kraft zu tanken. „Ich hatte persönlich einige Probleme in meinem Leben“, erzählt die Rentnerin. „Doch durch das Eisbaden habe ich mein Leben wieder in geregelte Bahnen bekommen.“ Die beiden wissen: „Nahezu jeder Eisbader ist psychisch belastet und hat sein Päckchen zu tragen. Der Sport hilft uns, davon loszukommen.“

Der internationale Wettkampf in Russland ist bereits die dritte Weltmeisterschaft der beiden „Seehunde“. Zum ersten Mal traten sie 2004 im finnischen Muonio an. „Bei minus 44 Grad Celsius“ erinnert sich Martina Hübsch. Vier Nationen — Finnen, Letten, Russen und Deutsche — gingen damals an den Start. Ingelore Launert erschwamm sich einen Platz im Finale. „Das war schon irre“, erzählt sie mit einem Grinsen. „Wir sind damals, ohne uns groß vorzubereiten, hingereist und dann gleich das Finale.“ 28,24 Sekunden brauchte sie für die 25 Meter Strecke.

„Bei der zweiten WM 2014 waren es dann plötzlich 36 Nationen!“, berichtet Ingelore Launert. „Das waren über 1200 Schwimmer aus aller Welt und wir beide dabei.“ In Finnland fiel dann auch die Entscheidung für die Teilnahme in Sibirien. „Wir hatten noch gescherzt: Sollte eine Weltmeisterschaft jemals in Sibirien stattfinden, fahren wir dort mit der Transsibirischen Eisenbahn hin.“ Am letzten Wettkampftag wurde der Austragungsort 2016 bekannt gegeben. „Und dann konnten wir keinen Rückzieher mehr machen“, erklärt Martina Hübsch lachend. Auch wenn die Anreise nun doch nicht mit der Transsib erfolgt.

„Das wird die zehnte Weltmeisterschaft im Winterbaden und Putin hat wohl ganz Großes vor“, meint Ingelore Launert. Die Strecke wird auf einem Fluss freigeschlagen. „Die Organisation bei den Weltmeisterschaften ist immer top und bis auf die Minute zeitlich geregelt. Einfach eine tolle Atmosphäre“, lobt Ingelore Launert. Einziger Wermutstropfen: „Deutschland tritt leider nicht als einheitliches Team auf. Das klappt bei anderen Nationen besser.“

Gehen Eisbader eigentlich auch im Sommer in die Ostsee? „Unsere Saison ist von Ende September bis Ende April“, erklärt Ingelore Launert. „Aber wir sind auch im Sommer so oft wie möglich im Wasser.

Wir sind wie zwei Fische, wir brauchen die Ostsee.“ Egal mit welcher Temperatur.

Sponsoren gesucht
Am 9. März beginnt die Weltmeisterschaft 2016 in Tjumen. Beim Eisschwimmen muss das Wasser kälter als fünf Grad sein, das schreiben die Richtlinien der International Ice Swimming Association (IISA) vor. Neopren ist verboten, die Strecke muss in normaler Badekleidung zurückgelegt werden.
Die beiden Wettkämpferinnen sind noch auf der Suche nach Sponsoren für ihre Russlandreise. Wer die Extremsportlerinnen unterstützen möchte, meldet sich bitte in der OZ-Lokalredaktion unter ☎ 03841/415625 oder
unter lokalredaktion.wismar@ostsee-zeitung.de
Wenn wir schon so eine weite Reise antreten, wollen wir uns doch nicht blamieren.“Ingelore Launert (64)

Vanessa Kopp

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