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Mittelalterliche Urkunden für die Nachwelt gesichert

Wismar Mittelalterliche Urkunden für die Nachwelt gesichert

Archivverein erwirtschaftet 37 000 Euro für Erhalt der Wismarer Geschichte.

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Stadtarchivar Dr. Nils Jörn (l.) und Papierrestaurator Christoph Roth zeigen eine der größeren Urkunden aus dem Stadtarchiv.

Quelle: Foto: Nicole Hollatz

Wismar. Mit 50 großen grauen Pappkartons kommt Christoph Roth ins Wismarer Stadtarchiv. Der Inhalt: Urkunden aus dem späten 13. bis 16. Jahrhundert, frisch aus seiner Werkstatt, gesäubert und gesichert, sodass sie die nächsten Generationen überleben.

„Das ist in Wismar eine besondere Situation mit dem Förderverein, der das Geld für die Rettung der Urkunden erwirtschaftet“, erzählt der bundesweit tätige Papierrestaurator. Fast 37000 Euro hat der 2013 gegründete Verein „Freunde und Förderer des Archivs der Hansestadt Wismar“, kurz Archivverein, in den vergangenen vier Jahren für die Sicherung und Restaurierung von Urkunden und historischen Plakaten erwirtschaftet. Zusätzlich zu den 10000 Euro, die das Archiv aus städtischen Mitteln jedes Jahr dafür zur Verfügung hat.

„Viel ist durch den Verkauf von Plakaten und Postkarten, aber auch durch unsere monatlichen Veranstaltungen im Archiv zusammengekommen“, erzählt Stadtarchivar Dr. Nils Jörn, stellvertretender Vorsitzender des Vereins. Am 18. und 19. August werden die Ehrenamtler beim Schwedenfest wieder mit ihrem auffälligen Stand in der Altstadt präsent sein. Dann haben sie unter anderem ein Plakat mit historischen Ansichten von St. Marien dabei.

Mehr als 500 Urkunden konnten bisher dank des Fördervereins gerettet werden. Aber erhaltungswürdige Urkunden gibt es noch zur Genüge im Stadtarchiv. Nils Jörn: „Wir sind gerade bei der Neuverzeichnung der Ratsakten, dort gibt es eine eigene Abteilung ,Hanseatica’, in der mein Vorvorgänger Friedrich Techen viele Urkunden abgelegt hat.“ Urkunden, die nun erst einmal verzeichnet werden müssen. Das Problem: Viele Exemplare sind in einem so schlechten Zustand, dass man sie besser nicht anfassen sollte. So wie die Urkunden in den grauen Pappkartons, bevor der Papierrestaurator sie gesichert hatte.

Christoph Roth erklärt: „Das sind Pergamenturkunden, beschrieben mit Eisengallustinte. Und das Pergament ist teilweise sehr fragil und brüchig. Die Urkunden sind oft gefaltet, sodass es dann schon problematisch ist, sie zu öffnen, ohne dass Teile wegbrechen.“ Für den Nutzer im Archiv, sprich den Wissenschaftler oder Heimatforscher, war dieser Teil des Bestandes seit fünf Jahren gesperrt. Mit den Urkunden wurden alle möglichen Rechtsgeschäfte der Stadtgeschichte und der Region beschrieben und oft mit einem Siegel beurkundet. Von manch einem Siegel sind nur noch Krümelhaufen übrig. Die sind nun in kleinen Tütchen an den jeweiligen Urkunden befestigt.

Die Restauratoren haben zusammen mit den Fachleuten im Archiv überlegt, was machbar ist. „Die Problemsituation in Wismar: Es gibt hier eine fantastische Überlieferungslage, aber der Zustand vieler Objekte ist besorgniserregend“, formuliert Christoph Roth es vorsichtig. Die Leipziger Restauratoren haben die Urkunden gereinigt, geglättet und alterungsbeständig verpackt. „Es ist wichtig, den Oberflächenschmutz zu entfernen. Der enthält Keime und Schimmelpilzsporen“, erklärt Christoph Roth den ersten Schritt zur Bestandserhaltung. Die Urkunden sind nun konserviert, eine Restaurierung wäre kaum finanzierbar. Aber: „Ihr Zustand verschlimmert sich nicht. Wir haben die Verantwortung, dass solche Urkunden den nächsten Generationen überliefert werden“, betont der Restaurator. Nils Jörn: „Nun können wir die Urkunden wieder anfassen und digitalisieren. Der Nutzer kann dann mit dem Digitalisat arbeiten und das Original wird keinem Stress ausgesetzt.“

Der Verein

Der Verein Freunde und Förderer des Archivs der Hansestadt Wismar wurde 2013 mit 47 Gründungsmitgliedern ins Leben gerufen.

Zwei Aufgaben hat der Verein sich auf die Fahne geschrieben: Die

Ehrenamtler wollen das Stadtarchiv ideell und finanziell unterstützen. Und sie wollen die Wismarer Geschichte bekannter machen. Dazu gibt es Vorträge. Mittlerweile hat

der Archivverein mehr als 90 Mitglieder, der Mitgliedsbeitrag beträgt 15 Euro im Jahr. Auch Bürgermeister Thomas Beyer ist Mitglied.

Weitere Informationen:

www.archivverein-wismar.de

Nicole Hollatz

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