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„Müritz-Ötzi“ leitet jetzt das Steinzeitdorf

Kussow „Müritz-Ötzi“ leitet jetzt das Steinzeitdorf

Das Steinzeitdorf in Kussow hat einen neuen Leiter. Chris Pallasch ist ein ausgesprochener Fachmann für die Steinzeit, speziell für das Leben der letzten Jäger und Sammler und der ersten Ackerbauern. Als Experimental-Archäologe versetzt er sich selber immer wieder in die Zeit zurück, kleidet sich in Leder und Fell und benutzt Werkzeuge der Epoche um 3500 vor Christus.

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Als Experimental-Archäologe hat der neue Steinzeitdorf-Leiter Chris Pallasch (50) schon wochenlang als Steinzeitmensch gelebt.

Quelle: Foto: Frank Wiersema

Kussow.  Für eine Steinzeitausstellung in Neustrelitz stand Pallasch sogar Modell. Er war Vorbild für eine Figur, die den „Müritz-Ötzi“ zeigt – einen Menschen, der vor rund 4900 Jahren lebte und dessen Überreste 2007 am Südufer der Müritz gefunden wurden.

LN-Bild

Chris Pallasch plant in Kussow für das nächste Jahr Mitmachaktionen mit Fachleuten.

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Neuer Vereinsvorstand

Der neue Vorstand des Trägervereins Steinzeitdorf Kussow e.V. besteht aus der Vorsitzenden Heike Junghans, ihrem Stellvertreter Marcel Drews, Schriftführerin Inge Radtke sowie den Beisitzern Katrin Kröplin-Richter und Detlev Renning.

Der vorherige Vorstand war aus Alters- und Gesundheitsgründen zurückgetreten.

„Der Trägerverein des Steinzeitdorfs hat seinen Vorstand ganz neu aufgestellt“, sagt Pallasch und in dem Zuge sei er als Leiter des Freiluftmuseums eingestellt worden. Der 50-Jährige bringt frischen Wind in das Steinzeitdorf. Gerade war ein Fernsehteam in Kussow, für das Pallasch auch seine Steinzeitkleidung angelegt hatte.

Für das nächste Jahr sind schon einige Workshops und andere Veranstaltungen geplant. „Morten Kutschera ist ein Archäologe aus Norwegen und einer der besten Feuersteinschläger“, sagt Pallasch. „Er kommt im nächsten Jahr, zeigt, wie Klingen und Pfeilspitzen hergestellt wurden und gibt Workshops.“ Auch eine Fachfrau für Gerbtechniken wird im nächsten Jahr nach Kussow kommen und zeigen wie schon vor Tausenden Jahren Felle und Tierhäute bearbeitet wurden.

Ebenso werden gelegentlich Gruppen wie eine Steinzeitfamilie in einem der nachgebauten Häuser leben und den Alltag nachstellen. „Die Besucher sollen noch mehr in die Zeit eintauchen. Wir wollen mehr bieten, als nur die Häuser anzuschauen“, sagt Pallasch. Er kann bei Gruppenführungen aus eigener Forschung viel über den Alltag der Trichterbecherkultur und der Ertebøllekultur im nördlichen Europa berichten. So zieht er auch einen knolligen Stein aus schwefelhaltigem Markasit aus der Hosentasche, legt einen Lappen aus Baumpilz aus und schlägt mit einem Stein Funken aus dem Markasit. Sie bleiben am Baumpilz hängen und glimmen weiter. „So konnte man schon in der Steinzeit Glut transportieren, um abends wieder ein Feuer zu entfachen“, erklärt Pallasch. Weil er alles selber ausprobiert hat, kann er genau erklären, welche Schicht des Baumpilzes benutzt werden muss und warum dieses Feuerzeug bei zu viel Luftfeuchtigkeit nicht funktioniert.

Mit Kindern gemeinsam betätigt er einen Bohrer, wie er schon in der Steinzeit aus Holz gebaut wurde. Mit viel Zeit und Geduld bohrt der sogar ein Loch in einen Stein. „Mit getrockneten Holunderästen, aus denen man das Mark entfernte, konnte man sogar Kernbohrungen zum Beispiel in Sandstein machen“, erklärt der Steinzeitfachmann.

Er war selber vor etwa zwei Jahren auf das Steinzeitdorf in Kussow aufmerksam geworden und wurde schnell aus Begeisterung Mitglied im Verein. „Ich möchte das Steinzeitdorf noch bekannter machen“, sagt der 50-Jährige. Dazu hat der Verein eine Facebook-Seite für das Steinzeitdorf angelegt, „und wir wollen die Internetpräsenz für mobile Geräte verbessern, weil das Netz hier im Klützer Winkel sehr schlecht ist“, sagt Pallasch, der das Steinzeitdorf auch mit anderen Attraktionen in der Region vernetzen möchte, um wieder Besucherzahlen wie kurz nach der Eröffnung vor 19 Jahren zu erreichen.

„Anfangs kamen um die 16000 Besucher im Jahr. In den letzten Jahren waren es etwa 11000 Besucher“, sagt Pallasch. „Ich denke, dass wir auf einem guten Weg sind, Wir haben intern viel modernisiert und für das nächste Jahr schon einiges geplant“, sagt der Steinzeitdorf-Leiter.

In der Vorbereitung auf weitere Vorführungen und Mitmachaktionen will er einige Veränderungen im Steinzeitdorf umsetzen. So soll der Bereich des Ackerbaus für das nächste Jahr so verändert werden, dass bestimmte alte Getreidesorten in größerer Menge angesät werden, um zum Beispiel Bier zu brauen. Momentan bereitet sich das Steinzeitdorf aber noch auf das Herbstfest am 14. Oktober vor. Dann kann das Steinzeitdorf erkundet werden, Techniken des Handwerks und er Jagd können ausprobiert werden und es wird Schwein am Spieß angeboten.

 Malte Behnk

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