Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Nordwestmecklenburg Nach 50 Bewerbungen: Vom Logistiker zum Dozenten
Lokales Nordwestmecklenburg Nach 50 Bewerbungen: Vom Logistiker zum Dozenten
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:18 19.08.2017
Reinhard Bellenbaum hat mithilfe von GAP-Geschäftsführerin Andrea Ehlke, Arbeitsvermittler André Schlüter und Agentur-Geschäftsführer Guntram Sydow (v.l.) einen neuen Job gefunden. Quelle: Foto: Michaela Krohn

Fast 30 Jahre lang hat Reinhard Bellenbaum als Logistiker bei einer großen Firma in der Nähe von Lübeck gearbeitet. Nach längerer Krankheit hatte er sich mit dem Arbeitgeber darauf geeinigt, das Unternehmen zu verlassen. Dann kam die Arbeitslosigkeit. Länger als ein Jahr hat der heute 59-Jährige nach einem neuen Job gesucht, 50 Bewerbungen geschrieben – erfolglos. Die Wende kam durch eine sogenannte Maßnahme, die die Arbeitsagentur Reinhard Bellenbaum vermittelt hat. Bei der Gesellschaft für Arbeitsförderung und Personalentwicklung Nord (GAP) in Wismar bekam er Bewerbungstraining und wurde dann selbst zum Trainer.

„Während der Maßnahme, die Reinhard Bellenbaum bei uns absolvierte, hat er immer wieder selbst andere Teilnehmer unterstützt, ihnen geholfen, sie motiviert“, erinnert sich Andrea Ehlke, GAP-Geschäftsführerin in Wismar. Dann kam ihr die Idee: „Seine Bewerbungen waren immer top, da mussten wir nicht viel helfen. Als ich seinen Lebenslauf gesehen habe, dachte ich, das könnte passen.“

Auf sein Alter hätte sie nicht weiter geachtet. Also lud sie den geborenen Nordrhein-Westfalener zu einem Praktikum ein. Die Chemie und das Engagement haben gestimmt. Inzwischen ist Reinhard Bellenbaum fest angestellt – noch in der Probezeit. „Wenn es menschlich passt, warum soll ich dann nicht auch jemanden einstellen, der älter ist?“, sagt Andrea Ehlke. Und: Fachlichkeit könne man lernen, Engagement nicht.

Für Reinhard Bellenbaum ist das mehr als ein Erfolgserlebnis. „Ich bin stolz darauf. Das gibt mir Selbstbestätigung“, sagt er. Immerhin wollte er gern in der Region bleiben, lebt auch heute zwischen Lübeck und Wismar. Natürlich habe er zunächst erst nach einem Job als Logistiker geguckt, war aber auch für Alternativen offen.

Dass genau das wichtig ist, weiß auch Arbeitsvermittler André Schlüter: „Man muss nach individuellen Lösungen suchen, auch mal nach links und rechts schauen.“ Häufig gehe es einfach darum, die Teilnehmer zu motivieren. So fänden auch Menschen, die älter als 50 und 60 Jahre sind, einen neuen Job.

„Auf dem Wismarer Arbeitsmarkt herrscht zurzeit eine riesige Dynamik“, betont Guntram Sydow, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit in Schwerin. 1013 offene Stellen gebe es aktuell im Bereich der Wismarer Agentur. Allein im vergangenen Monat gab es 830 neue Meldungen von Arbeitssuchenden. „810 haben wir im gleichen Zeitraum aber auch wieder vermitteln können.“ In Wismar gebe es so ein großes Potenzial für junge wie ältere Menschen, um Arbeit zu finden. Und: „Jeder wird hier gebraucht. Niemand muss mehr weggehen, um woanders bessere Arbeit zu finden“, betont Sydow.

Reinhard Bellenbaum hat den richtigen Job als pädagogischer Mitarbeiter für sich gefunden. Als nächstes steht die Ausbildereignungsprüfung für ihn an, damit er auch künftig anderen Arbeitssuchenden helfen, sie motivieren und vielleicht einen neuen Job für sie finden kann.

Michaela Krohn

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Polizei hat zwei 18-jährige Männer gestellt, die unter dem Verdacht stehen, Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen gezeigt oder verwendet zu haben.

19.08.2017

Ein bizarrer Streit unter Betrunkenen mit schlagenden Frauen und Schüssen aus der Schreckschusspistole war Auslöser für einen Polizeieinsatz am späten Freitagabend.

19.08.2017

Dorf Mecklenburg. Am ersten September-Wochenende treffen sich traditionell Oldtimerfreunde auf dem Gelände des Kreisagrarmuseums in Dorf Mecklenburg.

19.08.2017
Anzeige