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Nordwestmecklenburg Nach den Stürmen erholen sich die Wälder
Lokales Nordwestmecklenburg Nach den Stürmen erholen sich die Wälder
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18:13 23.12.2017
Orkan „Herwart“ hatte schwere Schäden in Heiligendamm und Bad Doberan angerichtet. Molli-Schienen waren beschädigt, Bäume stürzten an der Dammchaussee um. Quelle: Fotos: Hans-Jürgen Wege/dpa, Andreas Meyer, Lutz Werner, Nicole Buchmann, Mathias Otto, Frank Söllner
Grevesmühlen/Wismar/Bad Doberan/Rostock

Stürme, Orkane und Sturmfluten: Das Unwetter entlang der mecklenburgischen Ostseeküste hatte teilweise großen Schaden angerichtet.

Keine größeren zusammen- hängenden Flächen waren betroffen. Wegen des vielen Regens gab es weniger Borkenkäfer-Befall.

Da gab es das Sturmtief „Axel“, das in den ersten Januartagen für Hochwasser und umgeknickte Bäume verantwortlich war. Auch durch Sturm „Herwart“ mit Windstärke 12 im Oktober knickten zahlreiche Bäume um. Mittlerweile sind viele Schäden beseitigt. Die Wälder erholen sich wieder.

Sieht schlimmer aus, als es tatsächlich ist

Immer wieder bietet sich Spaziergängern im Kühlungsborner Stadtwald und anderswo im Forstamt Bad Doberan das gleiche, fast dramatisch wirkende Bild. Das fast kreisrunde, mehrere Meter im Durchmesser ausladende Wurzelwerk großer Fichten, die von den zurückliegenden Stürmen aus dem Boden gerissen und umgestürzt wurden, reckt sich in die Höhe. Woanders blieben oft zwei Meter hohe Stümpfe stehen.

Der darüber liegende umgeknickte Stamm wurde inzwischen entfernt. Wieder anderenorts, wie bei Nienhagen oder im Walkmüller Holz am Rand von Bad Doberan, bilden umgestürzte, bereits lange vor dem Sturm abgestorbene Eschen ein fast gespenstisches Bild.

„Das sieht viel schlimmer aus, als es tatsächlich ist“, betont Hartmut Pencz, Leiter des Bad Doberaner Forstamtes. Die sieben Forstreviere des Amtes mit ihren gut 14000 Hektar Wald – das Amt erstreckt sich entlang der Küste westlich von Rostock bis an Wismar heran und reicht im Süden bis Neukloster – sei im Unterschied zu anderen Gegenden des Landes „sehr glimpflich davongekommen“. Es seien zwar viele Bäume durch die Stürme umgestürzt worden. Aber das betreffe viele einzelne Bäume und kleinere Baumgruppen, keine größeren zusammenhängenden Flächen, so Pencz.

Bäume mussten schnell zerlegt werden

50 000 Festmeter Holz werden pro Jahr im Durchschnitt eingeschlagen und wirtschaftlich verwertet. „Die aktuellen Sturmschäden belaufen sich auf etwa 2500 Festmeter. Das sind nur fünf Prozent des Gesamthiebes in einem Jahr. Eine Menge, die noch nicht einmal im Landwirtschaftsministerium meldepflichtig ist“, ordnet der Forstamtsleiter das tatsächliche Ausmaß der Schäden ein, die von den zurückliegenden Herbststürmen verursacht wurden.

Allerdings war gerade in den mit ihren Wander- und Spazierwegen touristisch stark genutzten Wäldern nach den Stürmen Eile geboten. Bäume, die halb umgestürzt waren und von denen Gefahr ausging, mussten schnell zerlegt werden. Anderswo waren sie von Wegen wegzuräumen. Dies betreffe immer wieder vor allem den Stadtwald in Kühlungsborn und das große Waldgebiet „Kühlung“ zwischen Kühlungsborn, Steffenshagen und Kröpelin, so der Forstmann. Er schätzt, dass allein im Kühlungsborner Stadtwald, der in der Mitte des großen Ostseebades mit 2,5 Millionen Übernachtungen pro Jahr liegt, jährlich rund eine Million Spaziergänger, Sportler und Radler unterwegs sind.

Abtransport sorgt für Probleme

Wer derzeit in die Rostocker Heide will, braucht Geduld und Verständnis, sagt Jörg Harmuth, Leiter des Rostocker Stadtforstamtes. „Die Wege sehen gruselig aus.“ Grund sei die Witterung. „Wir hatten in diesem Jahr ein Drittel mehr Niederschlag als sonst.“ Das habe auch die Holzernte beeinflusst. Harmuth spricht hier von einem durchwachsenen Ergebnis. Es sei aufgrund der Bodenverhältnisse schwierig, das Holz abzutransportieren. „In Hinrichshagen werden wir das Holz im Januar zum Beispiel mit Pferden rausziehen.“

Die Stürme haben weniger Schäden angerichtet als in den vergangenen Jahren. „Herwart“ habe zum Beispiel nur vereinzelt Bäume zu Fall gebracht. „Wir hatten 1000 Festmeter Holz“, sagt Harmuth.

Problematisch sei hier aber ebenfalls der Abtransport gewesen.

Ausverkauf hat begonnen

Sehr gut gelaufen sei der Weihnachtsbaumverkauf in der Rostocker Heide. 2500 Bäume waren im Angebot. Am Donnerstag begann der Ausverkauf für fünf Euro pro Stück. „Sehr schön war in diesem Jahr auch die Aktion ,Bürger für Bäume’“, sagt Harmuth. Hier sei erneut die große Verbundenheit der Rostocker mit ihrem Wald zu spüren gewesen. „Auch von der Politik bekommen wir die Unterstützung, die der Wald braucht“, betont der Forstamtsleiter. Positiv findet er, dass es im Wald gerade schön ruhig sei. „Wer hier spazieren geht, ist fast alleine und kann mal durchatmen.“ Ein kleiner Tipp für die Feiertage.

Eschensterben geht weiter

Einzelne umgeknickte Bäume, ab und an ein paar mehr – in den Wäldern Nordwestmecklenburgs haben die beiden Herbststürme nur wenig Schaden angerichtet. „Zum Glück“, sagt Peter Rabe vom Forstamt Grevesmühlen. Insbesondere „Xavier“ sei am Landkreis vorbeigestrichen. „Innerhalb einer Woche hatten wir alles wiederaufgearbeitet.“

Problematischer hingegen sei der Gesundheitszustand einzelner Baumarten. So gehe das Eschensterben weiter, auch die Eichen müssen sich weiterhin gegen sogenannte Fraßgemeinschaften zur Wehr setzen.

Das kostet Kraft, die dem Baum bei Treiben und Wachsen fehlt. „Ist eine Eiche beispielsweise über mehrere Jahre von einer Fraßgemeinschaft befallen, kann sie sich am Ende nicht mehr ernähren“, erklärt Rabe. Im Hinblick auf die Eschen setzen die Förster inzwischen auf wachsame Augen. Sie suchen nach Eschen, die sich widerstandsfähig zeigen gegenüber einer Pilzart, die den gesamten Bestand dahinrafft. Deren Triebe und Zweige sollen den Genpool der Esche retten.

Käferart konnte sich nicht ausbreiten

Insgesamt war das vergangene Jahr laut Rabe ein gutes für den Wald in Nordwestmecklenburg. Der viele Regen habe das Ausbreiten des Borkenkäfers gestoppt. Der wiederum befällt Nadelbäume wie Kiefern und Fichten. „Andererseits mussten wir aufgrund der vielen Niederschläge die Holzernte unterbrechen“, sagt Rabe. Die schwere Technik würde im Boden versinken und unnötig Schäden anrichten. In Nordwestmecklenburg sind lediglich rund zwölf Prozent der Fläche mit Wald besetzt.

Rostocker Heide ist Landschaftsschutzgebiet

6000 Hektar ist die Rostocker Heide etwa groß. Die Flächen sind seit 1252 im Besitz der Hansestadt. Der Rat erwarb den Wald damals von Fürst Heinrich Borwin III. Heute gehört Rostock zu den fünf größten kommunalen Waldbesitzern in Deutschland. Das Stadtforstamt hat fünf Reviere: Schnatermann, Hinrichshagen, Torfbrücke, Wiethagen und Meyershausstelle. Seit 1996 ist die Rostocker Heide Landschaftsschutzgebiet. Das Hauptwegenetz für Wanderer und Radfahrer ist rund 61 Kilometer lang.

Nicole Buchmann, Lutz Werner und André Wornowski

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