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Nach der Schule in Wismar kommt die fürs Leben

Tel Aviv Nach der Schule in Wismar kommt die fürs Leben

Von der Hansestadt zum Okavangodelta: Nick Hoffmann gibt an einer Schule in Botswana Unterricht in Mathe und schwärmt von der Wildnis.

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Nora Ahn (18) und Julius Brosig (18) vor dem Panorama Jerusalems.

Tel Aviv. Gewitter, Sonne, 30 Grad — Weihnachtsstimmung kommt nicht auf. Nick Hoffmann verbringt erstmals seit 18 Jahren den Jahreswechsel fern der Heimat. Seit vier Monaten ist der Wismarer an der Bana Ba Metsi Schule im Norden Botswanas, direkt am Okavangodelta. Für den 19-Jährigen heißt es: Nach der Schule ist vor der Schule. „Nach zwölf Jahren Schule wollte ich unbedingt etwas anderes machen, bevor ich an ein Studium denke. Das Schulprojekt hat mich von Anfang an gereizt.“

Derzeit sind wie in Deutschland Schulferien. Weihnachten war Nick in Malawi unterwegs, Silvester feiert er in Sambia. Am 4. Januar geht der Alltag wieder los.

Die Schule liegt im afrikanischen Busch. Zum nächsten Supermarkt sind es 50 Kilometer Sandpiste, wobei man mit der Fähre den Okavango-Fluss überqueren muss. „Ich finde es super, so abgeschieden in der Natur zu sein. Man hört fast jede Nacht Elefanten um das Schulgelände durch den Busch gehen, einige Dickhäuter habe ich aus der Nähe gesehen, vor einigen bin ich weggelaufen.“

Doch es sind nicht nur die Elefanten, die den weißen Afrikaner faszinieren. „Die idyllische Lage am Okavangodelta, dem größten Binnendelta der Erde, ist mit das Beste am Projekt. Die Sonnenuntergänge sind der Wahnsinn. Doch mindestens genau so gut sind die Jungen an der Schule. Es sind Jungs, die früh die Schule abgebrochen haben und von da an durch die Straßen gezogen sind. An der Schule holen sie drei Schuljahre bis zur 7. Klasse nach und schreiben eine Abschlussprüfung, um dann die weiterführende Schule zu besuchen“, beschreibt Nick das Projekt.

Die Jungs, erzählt er, sind nicht immer ganz einfach und kommen aus zum Teil schwierigen Familienverhältnissen. „Okay, es gibt viele kleine Raufereien, aber an sich sind sie echt klasse. Fast alle sind sportbegeistert. Wir spielen viel Fußball, Rugby, mit einigen gehe ich laufen, und wir würden auch Volleyball spielen, hätten wir einen Ball. Fußbälle leben auch nicht länger als drei, vier Tage bei all den Dornen. Aber man kann erstaunlich gut mit platten Bällen spielen. So ist das eben.“

Da die Jungen wie die Freiwilligen — zwei Engländer und zwei Deutsche — auch auf dem Schulgelände leben, ist man kaum eine Minute allein. „Mir gefällt das. Das Unterrichten ist dagegen eine Herausforderung. Als Mathe-Lehrer muss ich eine ,Horde‘ von 18 Jungen bändigen, die zum ganz großen Teil keine Lust auf Schule haben. Da das Hauptproblem die Leistungsunterschiede sind, habe ich ein Drei-Gruppen-System eingeführt. Das soll jeden nach seiner Leistung ansprechen. Denn, wenn man sie über- oder unterfordert, stellen sie das Lernen ein, laufen umher und machen sonst was. Aber es klappt recht gut und macht in den meisten Fällen auch echt Spaß.“

Am Nachmittag wird viel gewerkelt. Im Schulgarten, in der Werkstatt, es wird Sand und Feuerholz geholt, Steine werden selber hergestellt und in neuen Häusern verbaut. Das praktische Wissen soll den Jungen im späterem Leben helfen — „und mir bestimmt auch“, sagt Nick und berichtet weiter: „Super ist, dass ich öfter Auto fahren kann. Im Gelände auf Sandpisten ist das echt krass.“

Obwohl die Schule klein und abgelegen ist, hat sie mindestens einen großen Vorteil: „Wir sind die einzige Schule in Botswana mit Pool. Und wenn es schon gegen 8 Uhr auf die 40 Grad zugeht, weiß

man den Pool echt zu schätzen.“

Als ein ganz besonderes Erlebnis empfindet der ehemalige Schüler der Großen Stadtschule den Besuch von Ian Khama, dem Präsidenten von Botswana, an der Schule. Er gesellte sich zwischen die Jungs, die mit einmal ganz still waren, erzählte mit ihnen und dem Schulleiter. Das Beste war, als er fragte, ob die Schule denn etwas bräuchte. Da gab es natürlich einiges aufzuzählen. Nick berichtet:

„Der Präsident deutete einem seiner Männer an, alles zu notieren und bestätigte dann nur, dass er alles besorgen will. Als Abschluss konnten wir noch ein Foto mit ihm machen. Dann fuhr er los, eskortiert von mindestens fünf Allradwagen mit Soldaten, die das Maschinengewehr im Anschlag hatten.“

Blog: www.nick-botswana.blogspot.de

Weltwärts
Nach der Schulzeit gehen viele Jugendliche über „weltwärts“, den entwicklungspolitischen Freiwilligendienst des deutschen Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), ins Ausland. „Weltwärts“ ist ein Lerndienst, der sich an junge Menschen im Alter von 18 bis 28 Jahren richtet. Die „weltwärts“-Projekte werden zusammen mit Entsendeorganisationen realisiert, bei denen sich Jugendliche bewerben.
Internet: www.weltwaerts.de
Weihnachten in Bethlehem
Hinter Nora Ahn und Julius Brosig liegt ein ganz besonderes Weihnachtserlebnis: Die Poelerin und der Wismarer hatten das Glück, am 24. Dezember an der Mitternachtsmesse in der Geburtskirche Jesu Christi in Bethlehem teilnehmen zu können. Die Stadt im palästinensischen Westjordanland ist durch eine Mauer von Israel getrennt. Die Sicherheitsvorkehrungen sind riesig. Um 23.45 Uhr betrat — von vielen Sicherheitsleuten umgeben — Mahmoud Abbas, der Präsident der Palästinensischen Autonomiebehörde, die Kirche. Nach der Messe meinten Nora und Julius: „Die Stimmung und der Ort geben einem alles, was man sich zu Weihnachten wünscht.“
Julius und Nora haben sich nach dem Abitur an der Großen Stadtschule in Wismar für ein Jahr Israel entschieden, ehe im Herbst das Studium beginnt. Ihren Freiwilligendienst absolvieren sie in einem Altenpflegeheim in Tel Aviv. Auch wenn die Kommunikation nicht so einfach ist — Hebräisch, Russisch und bestimmen den Alltag — gefällt ihnen die Arbeit. Da schon um 13.15 Uhr Feierabend ist, bleibt Zeit, um zum Beispiel Hebräisch zu lernen, das Strandleben zu genießen oder wie Julius bei Hapoel Tel Aviv Handball zu spielen. „Tel Aviv ist bezaubernd“, sagt Nora. Der 4000 Jahre alte Stadtteil Jaffa, Glasfassaden, Hochhäuser, Strand, orientalische Märkte und das arabische Viertel bilden eine bemerkenswerte Mischung. Julius: „Wir leben in dem altarabischen Viertel Jaffa. Es ist überwiegend muslimisch bevölkert, jedoch sehr bunt, also auch mit arabischen Christen und Juden. Diese Mischung ist der Grund, warum hier immer was los ist.“ An Shabbat haben die muslimischen Läden auf, die christlichen Läden verkaufen Weihnachtsdeko und an den Straßen ist seit Mitte November Weihnachtsbeleuchtung. Nora: „Der Muezzin singt fünfmal am Tag die Gebete der Muslime. Es ist jedes mal ein tolles Gefühl und einem wird klar, dass man im Mittleren Osten ist.“
Politisch gesehen ist Israel spannend, aber leider auch nicht ungefährlich. Die Sicherheitslage ist davon abhängig, wo man sich aufhält. Julius: „In Tel Aviv bekommt man nicht besonders viel mit. In Jerusalem, nur 60 Kilometer von Tel Aviv entfernt, sieht das ganz anders aus.“ Deutlich mehr Militär ist zu sehen, der Konflikt zwischen Israel und Palästina sorgt für eine angespannte Stimmung in der Altstadt. „Im Westjordanland sieht das noch anders aus. Hier kann man den Konflikt nicht nur spüren, sondern auch sehen. Seit Beginn der neuerlichen Proteste im September 2015 hat keiner meiner Bekannten mehr das Westjordanland bereist. Es ist schlicht zu gefährlich. Messerattacken, gewaltsame Demonstrationen und Schießereien“, schildert Julius seine Erfahrungen.
Als Zwischenfazit meinen Nora und Julius nach vier Monaten Aufenthalt in Israel: „Es war die richtige Entscheidung, ins Ausland zu gehen. Man macht Erfahrungen, die unbezahlbar sind und bekommt Abstand von der Lernerei und dem Leistungsdruck. Man kann nur gewinnen und dazulernen. Israel ist Zeitgeschichte, egal wann man hier ist, und das macht alles so spannend.“
Blog: www.nora-und-julius-in-tel-aviv.blogspot.de

LN

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