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Nordwestmecklenburg Nachbarn wollen keine Ferienhäuser
Lokales Nordwestmecklenburg Nachbarn wollen keine Ferienhäuser
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22:28 07.11.2013
Bürgermeister Dietrich Neick vor der Fläche, auf der Ferienhäuser entstehen sollen. Rechts daneben das Wohngebiet „Am Park“. Quelle: Ulrike Oehlers
Groß Schwansee

Gegen das geplante neue Ferienhausgebiet in Groß Schwansee formiert sich Widerstand. Vier Besitzer von Eigenheimen im angrenzenden Wohngebiet „Am Park“ haben sich einen Rechtsanwalt genommen, um ihre Bedenken gegenüber der vorgesehen Änderung des Flächennutzungsplanes vorzutragen. Sie befürchten eine Beeinträchtigung des Ortsbildes sowie der Ruhe. Auch drei Anwohner aus dem Ahornweg haben innerhalb des öffentlichen Beteiligungsverfahrens ihre Bedenken zu Papier gebracht.

„Charme und Charakter der Ortschaft sollen irreparabel geschädigt werden“, sagt Dr. Sebastian Retzlaff (50), der eine Radiologie-Praxis in Schwerin führt und gemeinsam mit seiner Frau ein Haus im Wohngebiet „Am Park“ als Zweitwohnsitz nutzt. Seine Frau Siegrun führt weiter aus: „Prinzipiell haben wir nichts dagegen, wenn sich Groß Schwansee weiterentwickelt — aber nicht mit dieser Massenbebauung. Die Gemeinde hat uns über vier Jahre lang erzählt, dass 15 bis 20 Häuser gebaut werden. Seit diesem Frühjahr heißt es plötzlich: 80 Häuser.“ Das sei zu viel für den Ort, der auch gar nicht die entsprechende Infrastruktur aufweise. „Es gibt nichts weiter dort als den Strand“, macht sie deutlich.

Der kürzeste Fußweg vom geplanten Ferienhausgebiet zum Strand führt außerdem noch durch das Wohngebiet „Am Park“, also entlang an den Häusern der Retzlaffs und deren Mitstreitern, die im Klützer Winkel auch nur ihren Zweitwohnsitz haben: Rolf Brodbeck aus Köln und Andreas Schlüter aus dem Landkreis Lüneburg. „Wir haben das Haus in Groß Schwansee auch mit der Option eines Alterswohnsitzes gekauft“, sagt Siegrun Retzlaff. „Aber wenn wir mit Ferienhäusern eingebaut werden, ist es vorbei mit der Ruhe. Dabei wollen die Leute, die in den Ort gekommen sind, genau diese Ruhe haben.“

Die 46-Jährige bezweifelt, dass es überhaupt einen Bedarf für derart viele weitere Ferienhäuser gibt. „Es gibt schon ein Gebiet mit 79 Ferienhäusern in Groß Schwansee. Davon stehen viele zum Verkauf. In Klein Schwansee gibt es ein kleines Ferienhausgebiet, in dem fast nichts verkauft ist. Daran sieht man doch, dass der Bedarf nicht da ist.“ Landwirtschaftliche Nutzflächen dürften aber nur dann für eine Bebauung umgenutzt werden, wenn ein entsprechender Bedarf nachgewiesen sei, fügt sie hinzu. „Wir wissen, dass sich eine Region entwickeln muss. Letztlich haben auch wir davon profitiert“, räumt ihr Mann ein. „Aber hier gibt es kein vernünftiges Konzept, was aus diesem Ort werden soll.“ Er befürchtet, dass aus Groß Schwansee ein „Mega Schwansee“ wird, sieht dabei jedoch nicht einmal einen langfristigen finanziellen Nutzen für die Gemeinde. „Es geht nur darum, dass schnell viel Geld fließt“, vermutet er. „Ich weiß nicht, wodurch die Gemeinde damit nachhaltig Geld erwirtschaften will.“

Bürgermeister Dietrich Neick (FWK) sieht keine Beeinträchtigung für die Eigentümer „Am Park“, da zwischen den Wohnhäusern und den geplanten Ferienhäusern ein Grünstreifen als Pufferzone diene. „Wir haben das Projekt über anderthalb Jahre in Bauausschuss und Gemeindevertretung beraten und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass die Beeinträchtigungen für die Anwohner nicht so stark sind, um das Projekt nicht umzusetzen.“ Dabei müssten die Einwendungen Einzelner gegen das öffentliche Interesse abgewogen werden.

„Der Bedarf ist da und die Gemeinde profitiert auch finanziell davon“, sagt er über das in den Bebauungsplänen 17.1 und 17.2 umrissene Vorhaben. Seinen Angaben zufolge sollen 80 bis 90 Häuser entstehen, die Parzellierung sei noch nicht erfolgt. Neick verweist auf das Raumordnungsprogramm, das das Areal als Feriengebiet ausweise. „Die Frage ist doch: Was wollen wir in Mecklenburg-Vorpommern? Irgendwas müssen wir anbieten.“

Das geplante Ferienhausgebiet sei so groß wie das schon vorhandene im Ahornweg, das ebenfalls neben einem Wohngebiet liegt. „Dort gibt es auch keine Beeinträchtigungen und keine großen Konflikte“, so der Bürgermeister.

Drei Anwohner aus dem Ahornweg sehen die Pläne der Gemeinde allerdings ebenfalls kritisch. Pia und Martin Schröder bitten in ihrer Stellungnahme den Bürgermeister, „dass Sie und die Gemeindevertreter die Ausmaße der Planungen kritisch überdenken“. Und Ursel Lünsmann-Pielke weist auf „absehbare Beeinträchtigungen von Natur und Landschaft“ hin. Außerdem fehlt ihr ein Konzept. „Im gesamten Küstenabschnitt zwischen Priwall und Wismar sind umfangreiche Ferienhausgebiete entstanden oder in Planung.“ Dabei berufe sich jede Gemeinde auf ihre Planungshoheit, es fehle „ein übergemeindliches Konzept zur touristischen Entwicklung der mecklenburgischen Ostseeküste“.

Es gibt kein Konzept, was aus diesem Ort werden soll.“Dr. Sebastian Retzlaff, Nachbar

Ulrike Oehlers

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