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Nordwestmecklenburg Nachbarschaftsstreit vor Gericht: „Du Schwein, ich töte dich!“
Lokales Nordwestmecklenburg Nachbarschaftsstreit vor Gericht: „Du Schwein, ich töte dich!“
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10:56 30.10.2012
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Nordwestmecklenburg

Wie Streitigkeiten zwischen Nachbarn ausarten können, das zeigte sich gestern im Grevesmühlener Amtsgericht. In der Verhandlung gegen den 44-jährigen Peter P. aus Herrnburg, dem von seinem Nachbarn Christian A. gefährliche Körperverletzung vorgeworfen wird, blieben jedoch am Schluss viele Fragen offen.

„Die Aussagen stehen sich diametral gegenüber“, sagte Richter Hinrich Dimpker am Ende der Verhandlung. Letztlich wurde das Verfahren eingestellt. Denn Vorwürfe gibt es nach wie vor jede Menge, nur keine Beweise. Wie das Gericht betonte, könne dem Angeklagten keine schwere Körperverletzung nachgewiesen werden. „Wir können nicht sagen, wer im Recht ist“, begründete Dimpker die Entscheidung. „Im Zweifel entscheidet das Gericht für den Angeklagten.“

Und Zweifel gab es viele in dieser Verhandlung. Fest steht: Christian A. wurde im März dieses Jahres verletzt. Ein ärztliches Gutachten bescheinigt dem 48-Jährigen Prellungen und Schürfwunden sowie eine Bisswunde an der Hand. „Der Jack Russel-Terrier von Herrn P. hat mich gebissen“, so das vermeintliche Opfer Christian A. vor Gericht. „Und getreten wurde ich auch, als ich am Boden lag.“

Peter P. bestreitet sämtliche Vorwürfe. Seiner Aussage zufolge hat sich der Vorfall nämlich ganz anders zugetragen. Ruhig, die Hände auf dem Tisch gefaltet, trug er seine Sicht der Dinge vor. Er war an jenem Vormittag mit seinen beiden Hunden unterwegs. „Plötzlich hat der nicht angeleinte Hund gewinselt und schoss nach vorne“, so der 44-Jährige. Dann erst habe er Christian A. gesehen, der offenbar seinen Hund getreten hatte und sofort ohne Vorwarnung auf ihn losgegangen sei. Er habe die Arme hochgerissen und ihn von sich weggestoßen. Dabei habe er ihn eventuell mit der Hundeleine am Kopf getroffen. „Aber ich habe ihn weder getreten, noch hat der Hund ihn gebissen.“ Außerdem habe ihn sein Kontrahent zuerst angegriffen.

Christian A., der, wie er sagt, ein Soziologie- und BWL-Studium abgeschlossen hat und als Betriebsleiter in Lübeck tätig ist, ist in der Nachbarschaft offenbar nicht sonderlich beliebt. Mehrere Strafverfahren hat es im Zusammenhang mit Auseinandersetzungen in dem Wohngebiet gegeben. Im Mittelpunkt des Streits: Christian A. Der zweifache Vater hat ein Faible für Zahlen und Fakten. Vor allem, wenn es um seine Nachbarn geht. Die Zahl der Vorfälle, Uhrzeiten, Namen – er bringt alles vor Gericht zur Sprache. Detailliert beschreibt er den Vorfall vom 26. März. Wie er dort aus dem Wagen gestiegen sei, der Hund von P. ihn erst „gegnupst“ und dann gebissen habe. Wie der Angeklagte ihn angebrüllt („Du Schwein, ich töte dich!“) und geschlagen habe.

Immer wieder blätterte Christian A. in einem dicken Aktenstapel, den er mitgebracht hatte, stand wiederholt auf, um dem Richter Dokumente vorzulegen, die seiner Meinung nach die Schuld des Angeklagten unterstrichen. Die Frage, die das Gericht sich stellte, war: Welches Motiv der Angeklagte gehabt habe, ihn anzugreifen? „Er wollte sich dafür rächen, dass ich seinen Hund drei Wochen vorher weggeschubst habe.“

Eine umstrittene Rolle spielt auch die Frau des Opfers. Vera A. (45), saß blass und angespannt, mit Schatten unter den Augen im Zeugenstand. Sie habe durchs Küchenfenster gesehen, wie Peter P. ihren Mann gegen einen Zaun stieß, berichtete sie. „Ich habe meinen Mann ins Haus gebracht, zahlreiche Verletzungen bei ihm festgestellt und die Polizei gerufen.“ Mehr könne sie dazu nicht sagen. Ob sie wirklich etwas beobachtet habe, bezweifelt Peter P. jedoch.

„Ich denke, das hat sich etwas hochgeschaukelt“, so Richter Dimpker. Wie es sich genau zugetragen hat, wird wohl das Geheimnis von Peter P. und Christian A. bleiben. Fest steht nur soviel: Ein Ende des Streits ist nicht abzusehen. Bereits während der fast zwei Stunden dauernden Verhandlung wurde deutlich, wie tief der Graben zwischen den Nachbarn ist. So berichtete Peter P. unter anderem davon, dass A. einem Anwohner, der in Jugoslawien in einer Panzereinheit gedient hatte, als Völkermörder beschimpft hatte. „Und dann hat er damit gedroht, dass er ein paar Neonazis holen würde, die sich der Sachen annehmen würden.“ Und das sei noch längst nicht alles gewesen.

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