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Nordwestmecklenburg Nachbarstreit in Gallentin: Zaun ist erst mal weg
Lokales Nordwestmecklenburg Nachbarstreit in Gallentin: Zaun ist erst mal weg
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23:41 23.01.2016
Die Gemeinde änderte vor 15 Jahren die Anschrift der Fandrichs in Bahnhaus 2 und stellte ein Schild auf. Die strittige Zufahrt war die einzige zum öffentlichen Straßenraum.

Die Situation von Familie Fandrich, Bahnhaus 2 in Gallentin hat sich etwas entspannt. Die drei Erwachsenen und sieben Kinder — die Eltern mit Tochter und Enkeln — müssen sich nicht mehr auf dem schmalen Pfad zwischen Bahndamm und dem Zaun der Nachbarn entlanghangeln, um ins Dorf oder zu ihrem Anwesen zu kommen. Es befindet sich gut hundert Meter entfernt vom öffentlichen Straßenraum. Die Nachbarn mussten ihren im Herbst gesetzten Drahtzaun einreißen. Auf Anordnung der Bauaufsichtsbehörde des Landkreises.

Das hatte Fandrichs Anwalt Dennis Heidemann noch kurz vor Weihnachten erwirkt. „Laut Landesbauordnung muss eine Feuerwehrzufahrt zu bewohnten Gebäuden bestehen“, erklärt der Jurist. Die Nachbarn hatten ihr Grundstück im vorigen Jahr neu vermessen lassen. Mit der Folge, dass der Zaun versetzt wurde und die Fandrichs ihre Zufahrt verloren. Jetzt kommt die Großfamilie zwar zu Fuß

zu ihrem Wohnhaus, aber ihr Auto kann sie nicht nutzen. Auf dem ursprünglich intakten Weg türmen sich Grasnarben, liegen Stämme und Astwerk von der Baumreihe, die die Nachbarn gefällt haben.

Trotz dieser Atempause im Nachbarschaftsstreit droht den leidgeprüften Fandrichs neues Ungemach. Die Bauaufsicht des Landkreises hat der Großfamilie untersagt, in ihrem Haus zu wohnen. Die Behörde begründet dies mit dem baurechtlichen Außenbereich. Die Deutsche Bahn habe das Gebäude seinerzeit als Bahnanlage genutzt. Diesen Zweck erfülle es nicht mehr. Familie Fandrich nutze das ehemalige Bahnwärterhaus unrechtmäßig zu reinen Wohnzwecken. „Die Bauaufsicht hat meine Mandanten in einem Anhörungsschreiben zur Stellungnahme bis 2. Februar aufgefordert“, erklärt der Rechtsanwalt.

Ramona und Karl-Heinz Fandrich haben das Grundstück samt Haus 1996 von der Deutschen Bahn gekauft — laut Kaufurkunde zu Wohnzwecken. „Vorher haben hier mehrere Leute zur Miete gewohnt“, sagt der 60-Jährige. Auch das Kataster- und Vermessungsamt des Landkreises hat den Fandrichs 1999 als „tatsächliche Nutzung“ bescheinigt: „Gebäude- und Freifläche für Wohnzwecke“. „Meine Eltern zahlen seit Jahren Grundstückssteuer“, erklärt Doreen Stegemann. Die Tochter fragt: „Wenn wir hier illegal wohnen, dann die Familie in dem anderen Bahnwärterhaus auch?“

Den Vorwurf des „rechtswidrigen Bewohnens“ hat das Landgericht zum Anlass genommen, um die Berufungsklage der Fandrichs, ein Notwegerecht einzuräumen, abzuweisen. „Die Gegenseite hatte das Anhörungsschreiben des Landkreises, was ich für höchstproblematisch halte. Die Nachbarin ist als Mitarbeiterin in der Kreisverwaltung direkt betroffen“, berichtet Heidemann.

Wohnt die Familie in dem anderen Bahnwärterhaus auch illegal? Oder will man nur uns hier weghaben?“Doreen Stegemann, Tochter vom Ehepaar Fandrich

Haike Werfel

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