Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Nordwestmecklenburg Nähe zur Landesgrenze immer beliebter
Lokales Nordwestmecklenburg Nähe zur Landesgrenze immer beliebter
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:50 29.10.2013
Die Grafik spricht für sich: Die Leute zieht es aus der Stadt in die dörfliche Umgebung.
Grevesmühlen

schrumpft. Zwar in kleinen Schritten, aber die Einwohnerzahlen gingen im Vergleich von 2011 zu 2012 um fast 80 Einwohner zurück. 2013 ist die Zahl bisher nur um einen einzigen Einwohner gestiegen. Das geht aus der jüngst veröffentlichten Einwohnerstatistik des Statistischen Amtes Mecklenburg-Vorpommern hervor.

Gut 680 Menschen haben die ehemaligen Kreisstadt im Jahr 2012 verlassen oder sind gestorben, 2013 waren es bisher 560. Dennoch stehen dem auch durchschnittlich 75 Neugeborene und 545 Zuzüge gegenüber. Die Sterbefälle liegen jährlich bei 130.

Bürgermeister Jürgen Ditz (parteilos) macht dafür hauptsächlich eine Überalterung in der Stadt verantwortlich. „Im Pflegebereich haben wir viele Angebote. Leider ist die Sterberate dadurch deutlich höher als die Geburtenrate“, erklärte das Stadtoberhaupt.

10 694 Menschen wohnen derzeit in Grevesmühlen. Ist nach 2012 jetzt ein Aufwärtstrend erkennbar? „Nein. Ganz klar. Wir geben uns große Mühe, aber in den vergangenen Jahren waren es zum Jahresende immer weniger Einwohner als im Jahr zuvor. Sollte sich zum Jahresende eine Kehrtwende einstellen, würde mich das natürlich freuen“, so Bürgermeister Ditz. „An fehlender Arbeit oder der Infrastruktur liegt der Einwohnerrückgang nicht, denn wir haben mehr Ein- als Auspendler“, erklärte auch Grevesmühlens Pressesprecherin Regina Hacker. „Arbeit ist also vorhanden.“

Immer weniger Leute hingegen verlassen Schönberg. Waren es 2011 noch 271 Menschen, gingen 2012 nur noch 243 in andere Orte. In diesem Jahr waren es bisher erst 183. Trotzdem hat die Stadt bisher statistisch gesehen 14 Einwohner weniger als 2012 — resultierend aus der Tatsache, dass es weniger Zuzüge gab. 2011 wollten noch 245 Menschen nach Schönberg kommen. 2012 waren es 243. In diesem Jahr sind es bisher nur 171.

Ganz anders sieht es in Selmsdorf aus. Der Ort ist begehrt wie nie, kann kaum noch Menschen aufnehmen. Die Baugebiete sind bis auf das letzte Grundstück verkauft, im Gewerbegebiet ist kein freier Platz mehr zu haben. Dennoch wirbt Bürgermeister Detlef Hitzigrat (parteilos) für den Standort. „In unserem neuen Wohngebiet Am Mühlenbruch entstehen 70 neue Bauplätze. Außerdem wird es demnächst altersgerechtes Wohnen geben, eine neue Kita soll entstehen. Die Gespräche werden derzeit geführt “, freut sich der 61-Jährige auf ein erfreuliches Wachstum seiner Gemeinde und vor allem Selmsdorfs.

Jedes Jahr werden etwa 190 Zuzüge gezählt. 2012 waren es allerdings auch 202 Wegzüge. In diesem Jahr halbierte sich die Zahl bis Ende Oktober. Die jährlichen Geburtenzahlen pendeln um die 25, nur etwa zehn Menschen sterben hier pro Jahr.

Ähnlich erfreut ist auch Dassows Bürgermeister Jörg Ploen (SPD) über die Entwicklung seiner Stadt. „Unsere Einwohnerzahlen sind sehr stabil. Sie pendeln immer um die 4050. Die Nähe zu Lübeck und die Firmen im Gewerbegebiet locken doch den einen oder anderen in die Gemeinde“, erklärt Ploen. So soll demnächst das Baugebiet Schillerstraße II erschlossen werden. 15 neue Bauplätze entstehen, zwei sind bereits verkauft. Probleme gibt es in der Kinderbetreuung. „Die Kapazitäten reichen leider nicht aus. Wir haben jetzt schon eine Kita-Gruppe in den Hort ausgelagert. Wir hoffen, noch ein Objekt mieten zu können“, erzählt Jörg Ploen. Jährlich werden etwa 25 Babys in Dassow geboren, 2012 waren es sogar 41. Zu- und Wegzüge halten sich mit jeweils etwa 220 die Waage.

Auch Lüdersdorf erfreut sich ständigen Zuwachses. Um mehr als 100 Menschen ist die Einwohnerzahl seit 2011 gestiegen. Jährlich werden etwa 50 Kinder geboren. Grund des Bleibens ist die Nähe zu Lübeck und das Gewerbegebiet mit direkter Anbindung zur Autobahn 20. „Unser Wohnbaugebiet wächst stetig. Auf dem ehemaligen Flohmarktgelände sind jetzt 44 neue Bauplätze entstanden, 24 sind verkauft, zehn reserviert. Viele Einwohner holen ihre Eltern nach. Das macht sich bemerkbar“, erklärt Bürgermeister Erhard Huzel (CDU). Auch zukünftig sieht Huzel rosigen Zeiten entgegen. Eine Einrichtung für Demenzkranke, betreutes Wohnen und neue Bauplätze entstehen. „Außerdem haben wir den Neubau einer Kita in Angriff genommen“, weist Huzel auf die künftigen Vorhaben hin. Gesucht werden hingegen händeringend Tagesmütter. „Wir haben zwar schon einige, aber der Bedarf ist enorm“, erklärt Huzel.

Fazit: Der Trend, sich dort anzusiedeln, wo sich Arbeit und die Nähe zu großen Orten verbinden, ist unverkennbar. Kleine Gemeinden müssen deshalb jede Menge Infrastruktur schaffen, um die Einwohner zu halten.

Maik Freitag

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!