Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Nordwestmecklenburg Nelly Khouri möchte einmal Kranke pflegen
Lokales Nordwestmecklenburg Nelly Khouri möchte einmal Kranke pflegen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:15 22.06.2013
Herrnburg

Für „Hand in Hand“ ist die 17-jährige Nelly Khouri ein echtes Novum. Das erste Mal konnte der Wohltätigkeitsverein einer jungen Palästinenserin ein Freiwillies Soziales Jahr in Deutschland ermöglichen. Seit zehn Monaten wohnt Nelly nun in Herrnburg und arbeitet in der Universitätsklinik Lübeck.

„Ich musste fast 20 Dokumente anfordern und erstellen. Von vielen hatte ich bis dato noch nie gehört“, berichtet Sebastian Schneider, erster Vorsitzender von „Hand in Hand“, über den Verwaltungsaufwand. Nelly stammt ursprünglich aus Aboud. Die Ortschaft liegt 22 Kilometer nordwestlich von Ramallah und 30 Kilometer nördlich von Jerusalem. Christen und Moslems leben dort friedlich nebeneinander — Nelly ist Christin.

Die Zeit in Deutschland war beiderseits nicht frei von Kulturschocks. „Ich musste mich erstmal daran gewöhnen, dass Nelly so konditioniert ist, nie Bedürfnisse oder Missfallen auszudrücken. Je älter die Mädchen dort werden desto mehr werden sie in ihrer Persönlichkeit eingeschränkt“, erläutert Andrea Schumann (52), Nellys Herrnburger Gastmutter. „Ich genieße meine Freiheiten schon. Hier darf ich machen, was ich will“, bestätigt Nelly. Ihre größten Probleme sind einfacherer Natur: „Bei jedem Essen sind Kartoffeln und Gemüse dabei“, klagt die 17-Jährige schüchtern über die kulinarischen Gepflogenheiten in der Gastfamilie. Bei ihr zu Hause gebe es auch viel öfter Hühnchen. Mit Heimweh habe sie hingegen weniger zu kämpfen — via Skype meldet sie sich viermal wöchentlich bei ihren Eltern. Das muss sie allerdings bis 19 Uhr getan haben, weshalb sie auch einmal völlig überstürzt einen Grillabend verlassen habe. Solcherlei feste patriarchische Strukturen kennt man in Deutschland mittlerweile kaum noch.

Die Arbeit in der Kinderklinik mache ihr Spaß und sei sehr lehrreich, nachdem die Verständigungsprobleme nachgelassen hätten, erklärt die junge Palästinenserin. Nelly möchte später gerne Krankenschwester werden. „Die Ärzte verstehe ich aber immer noch nicht“, ergänzt sie und meint dabei besonders medizinische Fachtermini. Anfänglich habe Nelly trotz vieler Unterrichtsstunden und intensiver Lernphasen sehr wenig und ausschließlich englisch gesprochen, berichtet Andrea Schumann, doch auf einmal habe sie dann unvermittelt losgelegt. Und nicht mehr aufgehört.

Die Gastmutter ist außerdem sehr froh darüber, dass Nelly ein „gutes Händchen“ bei Kindern besitzt, denn im Hause Schumann ist immer etwas los. Neben einem Hund wuseln auch noch die Pflegekinder Florian (1), Akoshua (8) und Sally-Anne (9) umher. Der eigene Nachwuchs der Schumanns ist erwachsen und wohnt nicht mehr zu Hause. Auch die 26-jährige Kerstin, die ursprünglich als eine Mittlerin der Familien agierte, ist einmal mehr am Ausziehen.

Auf die Frage, was ihr an Deutschland am wenigsten gefalle, antwortet Nelly blitzschnell: „Das Wetter. Schnee zu Ostern kannte ich noch nicht“. Bevor es wieder nach Palästina geht, kann sie dem deutschen Klima jedoch früher als gedacht entfliehen: Mit der Gastfamilie verreist sie in den Sommerferien für drei Wochen auf die kroatischen Insel Ciovo.

In Aboud ist vor zwei Monaten ein junger Mann getötet worden. Israelische Soldaten schlugen eine Demonstration mit scharfer Munition nieder. „Davon zu hören ist schlimmer, als persönlich vor Ort anwesend zu sein“, sagt Sebastian Schneider abschließend bedrückt.

Chris-Julian Beeck

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Der Tenor singt Ende Juli Lieder der Sehnsucht in der Sankt-Nikolai-Kirche.

22.06.2013

Hundekot und frei laufende Hunde in den Grünanlagen der Hansestadt sorgen seit Jahren für Ärger. Das Anzeigen der Ordnungswidrigkeiten gestaltet sich aber schwierig, da es oft keine Zeugen gibt oder die Identität des Hundebesitzers nicht bekannt ist.

22.06.2013

Wismarer Schüler beteiligen sich an einem Mechatronik-Projekt. Es ist Teil eines breit angelegten Kurses.

22.06.2013