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Nordwestmecklenburg Neue Straßennamen mit meist positivem Echo
Lokales Nordwestmecklenburg Neue Straßennamen mit meist positivem Echo
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21:08 31.10.2013

„So ein Quatsch! Was hat‘s gebracht?“ Anett Jenner aus Redewisch hält nicht viel davon, dass die Gemeinde Boltenhagen drei Straßen umbenannt hat. In den drei Ortsteilen Redewisch, Tarnewitz und Wichmannsdorf gab es jeweils eine Dorfstraße. Stattdessen gibt es jetzt eine Redewischer Straße, eine Tarnewitzer Straße und eine Wichmannsdorfer Straße. Die Gemeindevertreter hatten im Dezember 2012 den entsprechenden Beschluss einstimmig gefasst, seit Sommer ist die Änderung offiziell. „Jeder Dritte hält mich an und fragt mich, wo die Dorfstraße ist“, berichtet sie von ihren eigenen Erfahrungen mit Ortsunkundigen, die noch mit veralteten Unterlagen unterwegs sind. „Das einzige, was es gebracht hat, ist, dass das Ummelden einen Haufen Geld kostet.“

Der amtierende Bürgermeister Christian Schmiedeberg (CDU) hingegen zieht eine positive Bilanz. In der Vergangenheit hätten Rettungsfahrzeuge, die in die Dorfstraße gerufen wurden, nicht gewusst, welche Dorfstraße gemeint sei. Dieses sicherheitsrelevante Ausgangsproblem sei nun gelöst. Für manche Unternehmen biete die Änderung sogar einen Imagegewinn, meint er. Vorher mussten sie bei ihrer Anschrift den Ortsteil mitangeben, nunmehr könnten sie sich besser mit dem Ostseebad Boltenhagen identifizieren. Schmiedeberg, der mit seiner Privatanschrift auch betroffen ist, fügt aber hinzu, dass die neuen Straßennamen in den Navigationsgeräten vieler Autofahrer noch nicht aufgeführt seien. Grundsätzlich hält er die Straßenumbenennungen aber für alternativlos: „Wenn die Rettungskräfte berichten, dass es Irritationen gibt, muss man darauf reagieren.“

Christiane Kühnemann-Springmann, Inhaberin des Hotels „Tarnewitzer Hof“, sieht auch Vorteile. Jetzt erhielten ihre Gäste von ihrem Navi wenigstens konkrete Angaben, sagt sie — jedenfalls solche Urlauber, die mit aktuellem Datenmaterial unterwegs sind. Das Hotel liegt nun an der Tarnewitzer Straße, ein Name, der der Chefin durchaus gefällt. „Dorfstraße hört sich so vertrottelt an“, findet sie. Der neue Name ist für sie aber durchaus mit Mühen und Kosten verbunden. Auf den Werbeflyern des Hauses werde die alte Anschrift von Hand überklebt, die Briefbögen müssten aber neu gedruckt werden. Und für die Änderungen auf den diversen Hotel-Auftritten im Internet, um die sich spezielle Firmen kümmern, müsse ebenfalls gezahlt werden. „Jede Änderung kostet Geld. Auch die Anfahrtskizze musste ja geändert werden“, sagt Christiane Kühnemann-Springman. Sie beziffert die Gesamtkosten in Folge der Namensänderung mit „rund 2500 Euro“.

Maria Schultz, Fachbereichsleiterin Bau- und Ordnungswesen im Amt Klützer Winkel, berichtet, dass die Straßenumbenennungen nur noch vereinzelt kritisiert würden. Das Amt habe für die betroffenen Bürger eigene Leistungen kostenlos erbracht, etwa Änderungen im Personalausweis oder Reisepass. Hier gebe es eigentlich eine Verpflichtung, die Änderung binnen zehn Tagen vornehmen zu lassen. Auch Energie- oder Wasserversorger sowie das Finanzamt seien durch das Amt informiert worden.

uo

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