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Nordwestmecklenburg Neue Tarifzonen im Nordwestkreis: Busfahren fast überall billiger
Lokales Nordwestmecklenburg Neue Tarifzonen im Nordwestkreis: Busfahren fast überall billiger
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20:31 06.04.2017
Durch den neuen Zonentarif soll Nahbus höhere Fahrgastzahlen verzeichnen. So soll das Defizit, das 2016 bei 2,2 Millionen Euro lag, verringert werden. Quelle: Foto: Ln-Archiv

Gute Nachricht für viele Nahbus-Kunden: Busfahren in Nordwestmecklenburg soll ab dem 4. September billiger werden. Im neu erarbeiteten ÖPNV-Tarifsystem ist der aktuell geltende und umstrittene Einheitspreis von vier Euro für eine Fahrt nicht mehr vorgesehen. Stattdessen sollen sich die Beförderungspreise künftig danach richten, welche Distanz der Fahrgast zurücklegen will. So sind Kurzstrecken innerhalb von zwei Zonen bald für zwei Euro möglich. Je mehr Zonen durchfahren werden, desto höher ist der Preis. Eine Deckelung sorgt jedoch dafür, dass eine Fahrt maximal sechs Euro kostet. Änderungen gibt es auch bei Wochen- und Monatskarten.

Bislang kostet eine Fahrkarte vier Euro – ab September zwischen zwei und sechs Euro.

Hintergrund: Der Kreistag hatte die Erarbeitung eines neuen Zonentarifs beschlossen. Nachdem zum 1. Januar 2016 das neue Nahverkehrskonzept in Kraft getreten war, verzeichnete Nahbus wegen zu geringer Fahrgastzahlen ein Defizit von 2,2 Millionen Euro. Der Kreis musste zweimal Geld nachpumpen. Die Neugestaltung soll dafür sorgen, dass dieses Defizit nicht weiter zunimmt.

Michael Klier von „Probst und Consorten“ hat das neue Konzept in dieser Woche im Ausschuss für Wirtschaft und Tourismus des Landkreises vorgestellt. Das Gremium hat der Vorlage mit großer Mehrheit zugestimmt. „Ich denke, dass das neue System wesentlich gerechter ist als der Vorgänger“, fasste der Ausschussvorsitzende Heiner Wilms (SPD) zusammen. Denn aktuell herrsche ein großes Ungerechtigkeitsgefühl. Wer derzeit beispielsweise von Wismar nach Lübeck fährt, zahlt genauso viel wie für die Strecke von Wismar nach Grevesmühlen. Am Donnerstag, 4. Mai, muss nun noch der Kreistag der Einführung des neuen Zonentarifs zustimmen.

Die Sitzung in der Malzfabrik verlief jedoch nicht ohne Diskussionen. Gremiumsmitglied Reinhard Sieg (Die Linke) lehnte den neuen Zonentarif ab. Grund: Er sieht die Wismarer Fahrgäste benachteiligt.

„Die Tarifungerechtigkeit wird vom Landkreis in die Stadt verlagert“, monierte er. Aktuell könnten die Menschen in der Hansestadt über das Flexticket für 1,60 Euro mit dem Bus fahren. Ab September wären zwei Euro fällig, denn das Flexticket soll künftig entfallen. „Das ist innerhalb kurzer Zeit die dritte Preiserhöhung für die Wismarer. Für die Leute, die den Bus regelmäßig nutzen, sind diese 40 Cent mehr viel Geld“, kritisierte Sieg. Sein Antrag, das Flexticket für das Stadtgebiet Wismar zu erhalten, fand keine Zustimmung.

Die Kreisverwaltung verteidigte das neue Konzept und die Preiserhöhung in Wismar. Man wolle ein „Preistableau aus einem Guss haben“, meinte Roland Finke, Leiter der Stabsstelle Wirtschaftsförderung.

Auch Tino Waldraff, Aufgabenträger ÖPNV, entgegnete auf die Kritik von Sieg: „Wie soll ich den Menschen im Umland erklären, dass sie mehr Geld für weniger Leistung zahlen?“ Waldraff spielte auf die Taktung an, die in der Stadt deutlich höher sei als in den ländlichen Gebieten. Zudem sei künftig ein Hin- und Rückfahrticket für 3,60 Euro geplant. Die Erhöhung würde sich so nur auf 20 Cent belaufen. Das sei ein Anstieg, der vertretbar sei, findet Finke.

„Eine totale Gerechtigkeit wird es nicht geben. Aber die vorliegende Lösung ist eine, die für den Landkreis so gerecht wie möglich ist“, betonte Ausschusschef Heiner Wilms. Den Vorwurf, 40000 Wismarer würden durch den neuen Zonentarif benachteiligt werden, entkräftigte er mit einer Gegenfrage: „Was ist mit den anderen 120000 Einwohnern im Landkreis?“ Ein Großteil der Fahrgäste würde unter dem Strich sparen.

Auch andere Ausschussmitglieder forderten die Solidarität der Hansestadt ein. „Ich glaube, dass dieses Tarifsystem ein Schritt in die richtige Richtung ist“, meinte Erhard Huzel (CDU). Er betonte, dass Wismar mit der Erhöhung seinen Anteil dazu beitrage, dass sich die Situation für alle im Kreisgebiet bessere. Huzel sprach sich dafür aus, dem neuen Konzept eine Chance zu geben. Und auch Michael Klier vom beauftragten Marketingbüro merkte an: „Es ist in Deutschland nicht unüblich, dass in Städten mit höherer Verkehrsdichte mehr gezahlt wird.“

Die geplanten Änderungen kommen auch bei vielen Fahrgästen im Landkreis gut an. „Es wird ja auch Zeit, dass sich etwas an den Preisen tut“, meint Martin Gehrke aus Mallentin. Er fährt etwa dreimal pro Woche nach Grevesmühlen. „Dafür bald zwei Euro pro Fahrt weniger zu zahlen, ist schon ein gewaltiger Unterschied“, so der 36-Jährige.

Der neue Tarif

Fürs neue Tarifsystem, das ab dem 4. September 2017 gelten soll, ist eine neue Zonenstruktur eingeführt worden. Zudem gibt es insgesamt fünf Preisstufen. Wer sich innerhalb

von zwei Zonen bewegt, zahlt zwei Euro für ein Einzelticket,

innerhalb von drei

Zonen drei Euro usw.

Der Maximalbetrag

für eine Fahrt beträgt sechs Euro.

Beispiele: Die Fahrt von Grevesmühlen nach Wismar durchläuft drei Zonen und kostet demnach künftig drei statt vier Euro.

Für den Bus von Grevesmühlen nach Boltenhagen sind weiterhin vier Euro zu zahlen. Wer von Wismar nach Lübeck will, durchquert mehr als sechs Zonen, zahlt dennoch nur sechs Euro.

Daniel Heidmann

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