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Nordwestmecklenburg Neue Windräder immer wahrscheinlicher
Lokales Nordwestmecklenburg Neue Windräder immer wahrscheinlicher
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12:39 18.02.2016
Unweit von Selmsdorf drehen sich bereits Windräder. Die Anlagen ragen bis zu 140 Meter aus der Landschaft. Bürger kritisieren die Veränderung des Landschaftsbilds und klagen über Belästigungen. Quelle: Fotos: Jürgen Lenz

Obwohl sich die Gemeindevertretungen von Selmsdorf und Lüdersdorf im Mai 2015 entschieden dagegen ausgesprochen haben, gehört ein 243 Hektar großes Areal nahe der Ortsteile Palingen, Hof Selmsdorf, Lauen und Lockwisch nun zu 44 Eignungsgebieten für Windenergieanlagen, die der Planungsverband Westmecklenburg vorschlägt. Damit haben sich die Hoffnungen von Kommunalpolitikern nicht erfüllt, die eine „informelle Vorabbeteiligung“ von Gemeinden im vorigen Jahr dazu nutzten, gegen ein Windeignungsgebiet „Selmsdorf/Lüdersdorf/Lockwisch“ zu argumentieren.

Während von ursprünglich 55 angedachten Windeignungsgebieten nach der „informellen Vorabbeteiligung“ elf gestrichen wurden, weil sie Kriterien nicht entsprechen, gehen neben „Selmsdorf/Lüdersdorf/Lockwisch“ unter anderem auch die Gebiete „Dassow/Roggenstorf“ mit 72 Hektar, „Rieps/Thandorf/Schlagsdorf“mit 50 Hektar, „Grevesmühlen/Damshagen“ mit 46 Hektar und „Testorf-Steinfort/Bobitz“ mit 65 Hektar in ein Beteiligungs- und Genehmigungsverfahren, in dessen Verlauf sich Kommunen, Bürger und Behörden äußern dürfen.

Insgesamt umfassen die vorgeschlagenen Eignungsgebiete für Windenergieanlagen in Westmecklenburg 6477 Hektar. Das Gebiet „Selmsdorf/Lüdersdorf/Lockwisch“ ist eines der größten — für den Selmsdorfer Bürgermeister eine unangenehme Tatsache. „Dort könnten 24 Anlagen entstehen. Das ist ganz schön heftig“, sagt Marcus Kreft (SPD). Er bedauert, nachdem die Gemeinde mit ihrer Stellungnahme nicht den erwünschten Erfolg hatte: „Das Windeignungsgebiet wird wohl kommen.“ Es zu verhindern, sei für Selmsdorf die Priorität eins gewesen und seine Haltung sei: „Je weniger Anlagen in dem Bereich, desto besser.“ Doch einfach nur Nein zu sagen, sei nicht richtig.

„Jetzt müssen wir sehen, dass wir mit am Tisch sitzen und Einflussmöglichkeiten haben. Wir müssen das Heft des Handelns in der Hand halten“, erklärt Kreft. Es könne im Interesse von Bürgern und des Landschaftsbildes beispielsweise darum gehen, zu verhindern, dass unterschiedliche Anlagen errichtet werden, die in verschiedenen Abständen blinken. Vielleicht sei es auch möglich, Einnahmen für die Gemeinde zu generieren. Es werde weitere Gespräche mit Landeigentümern und Projektentwicklern geben. Klar sei: „Wir werden eine Einwohnerversammlung machen.“ Dazu werde die Gemeinde voraussichtlich im Frühjahr einladen.

15 Windräder drehen sich bereits in der Gemeinde Selmsdorf. Im „Windpark Selmsdorf/Sülsdorf“ ragen 13 Anlagen bis zu 140 Meter aus der Landschaft. Einwohner der Gemeinde fühlen sich zum Teil belästigt vom Anblick, der nächtlichen Beleuchtung, dem Schattenwurf und Geräuschen.

Wie reagiert jetzt die Gemeinde Lüdersdorf? Bürgermeister Erhard Huzel (CDU) sagt: „Eine erneute grundlegende Befassung mit dem Thema ist in der Gemeindevertretung noch nicht erfolgt.“ Das müsse noch geschehen — auch mit Blick auf Positionen in Selmsdorf. Huzel erklärt, er könne verstehen, dass, wenn ein Windeignungsgebiet kommt, eine Gemeinde versucht, das Beste daraus zu machen. Fest stehe: „Wir werden von der Gelegenheit, uns im Beteiligungsverfahren zu äußern, Gebrauch machen.“ Das wird auch Selmsdorf.

Jürgen Lenz

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