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Nordwestmecklenburg Neuer Chefarzt, neue Behandlungsmethoden
Lokales Nordwestmecklenburg Neuer Chefarzt, neue Behandlungsmethoden
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18:24 23.09.2017
Das Krankenhaus in Grevesmühlen verfügt über 122 Patientenbetten. Es befindet sich seit 1992 in Trägerschaft des Deutschen Roten Kreuzes.
Grevesmühlen

Eigentlich wollte Dr. Jörn Bogun Meeresbiologie studieren. Doch kurz vor dem Abitur ein Umdenken. „Meine damalige Freundin arbeitete als Physiotherapeutin, und ich begann, mich für Orthopädie zu interessieren. Handwerklich begabt war ich auch, es passte also alles“, erklärt der 45-Jährige lächelnd. Studiert hat er in Dresden und nach mehreren Ausbildungsstationen in Dresden, Paderborn und Lübeck ist er heute Chefarzt der Unfallchirurgie und Orthopädie im DRK-Krankenhaus in Grevesmühlen – und quasi der Nachfolger von Dr. Dirk Steffen, der die Klinik im Februar verlassen hatte. „Er hat hier eine tolle Klinik aufgebaut und mir den letzten Schliff verpasst“, resümiert Dr. Jörn Bogun, der bei Dr. Steffen als Oberarzt angefangen hatte. „In seinem Sinne führe ich die Klinik fort.“

Dr. Jörn Bogun – Spezialist für Wirbelbrüche und Kniegelenke – tritt in die Fußstapfen von Dr. Dirk Steffen.

Doch auch Neuerungen gibt es mit Dr. Jörn Bogun – unter anderem die sogenannte dorsale Stabilisierung bei Patienten, die sich an der Wirbelsäule verletzt haben. Einfach erklärt: Oberhalb und unterhalb eines Bruchs werden Titanschrauben eingebracht. Durch eine Verbindung mit Stäben kann die Wirbelsäule stabilisiert werden. „In der Vergangenheit mussten Patienten mit einem Wirbelsäulenbruch nach Lübeck oder Schwerin verlegt werden“, weiß der Chefarzt. Mittlerweile hat er in Grevesmühlen schon zwölf solcher Eingriffe vorgenommen. Ist der Bruch geheilt, werden die Schrauben etwa ein halbes Jahr nach der Operation entfernt. Mit ihm ebenso neu in der Klinik: die stabilisierende Bandplastik an der Kniescheibe, die eingesetzt wird, wenn durch das Herausspringen der Kniescheibe schwere Schäden an Bändern, am Knochen oder am Kniegelenkknorpel verursacht worden sind.

In seiner Facharztausbildung hat Dr. Jörn Bogun viel gesehen, wie er sagt. Die längste OP, bei der er als Assistent dabei war, dauerte elf Stunden – und die schaffte es sogar in die Presse. Damals arbeitete er an der Klinik für Orthopädie in Paderborn. Bei einem kleinen Jungen aus Eritrea wurde ein Tumor im Kniegelenk festgestellt. Die sogenannte Borggreve Umkehrplastik, benannt nach einem Arzt in den 1920er Jahren, rettete ihm das Leben und machte sein Leben wieder lebenswert. „Bei dieser Methode wird der Fuß um 180 Grad verdreht am Oberschenkel fixiert“, erklärt er. Der Fuß zeigt also nach hinten, und das obere Sprunggelenk übernimmt in der Prothese die Funktion des Kniegelenks. Weltweit ist diese Umkehrplastik erst einige hundert Male durchgeführt worden.

Auch an seine erste eigene Operation kann sich der Chefarzt, der seine Freizeit gern mit Sportklettern, Windsurfen und einmal in der Woche im Fitnessstudio verbringt, noch gut erinnern: eine Materialentfernung. Heute zählt Dr. Jörn Bogun im Durchschnitt zehn Operationen in der Woche – manchmal assistiert ihm Dr. Steffen noch.

jf

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