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Nordwestmecklenburg Neuer Fischpass in Wismar eingeweiht
Lokales Nordwestmecklenburg Neuer Fischpass in Wismar eingeweiht
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18:27 26.10.2013
Der Fischpass an der Rostocker Straße — hier der untere Teil — stößt auf großes Interesse. Fotos (3): Heiko Hoffmann
Wismar

Das erste und gleich richtig große Hindernis ist Geschichte. Stattdessen gibt es an der Rostocker Straße in Wismar jetzt einen modernen Fischpass. Mit dessen Hilfe können Fische die Höhe von rund 3,70 Metern zum Mühlenteich überwinden. Am Freitag wurde das Kombinationsbauwerk „Fischaufstieg und Hochwasserentlastung Mühlenteichwehr“ feierlich im Beisein vieler Interessierter und am Bau Beteiligter eingeweiht.

Umweltminister Till Backhaus (SPD) war zwar angekündigt, kam aber nicht, weil er zeitgleich an einer Trauerfeier teilnahm. Dennoch meldete sich der Minister aus der Ferne zur neuen Anlage zu Wort:

„Damit wird nicht nur das ,Eingangstor' von der Ostsee in den Wallensteingraben für wanderwillige Fische und andere Lebewesen als Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung der Fischerei geöffnet, sondern gleichzeitig auch ein großer Schritt getan zur Umsetzung der europäischen Wasserrahmenrichtlinie, die die Herstellung des ökologisch guten Zustandes der Gewässer fordert.“

Über Jahrhunderte wurden entlang des Wallensteingrabens und auch des Mühlengrabens zahlreiche Wehre zur Regulierung des Wasserstandes gebaut. Dadurch wurde eine Wanderung von Fischen unterbunden.

Das neue Prioritätenkonzept sieht vor, dass Forellen, Lachse, Aale, Stinte und Flussneunaugen wieder vermehrt durch den Wallensteingraben schwimmen. Das Ministerium, das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt Schwerin und der Landesanglerverband geben sich optimistisch, dass das gelingt. Noch im Jahr 2008 war das Artenaufkommen als unbefriedigend eingeschätzt worden.

In den vergangenen Jahren sind mehrere Wehre zwischen Ostsee und Schweriner See durch Fischtreppen ersetzt werden. Doch oberhalb von Grönings in Wismar gibt es noch unüberwindbare Hindernisse, legte Karl-Heinz Brillowski, Präsident des Landesanglerverbandes, den Finger in die Wunde.

Dennoch lobte auch er die Anlage. Für Wismars Bausenator Michael Berkhahn (CDU) wird die Stadt dadurch nicht nur ein Stück attraktiver, sondern vor allem sicherer vor Hochwasser. Experten versicherten gestern, dass die Anlage für ein Jahrhunderthochwasser ausgelegt ist. Dafür sollen im Ernstfall der Fischpass, eine zusätzliche Hochwasserentlastung (Rohr mit 1,40 Metern Durchmesser) und das alte Mühlenwehr sorgen.

Die Baukosten für die vollautomatisch gesteuerte Anlage belaufen sich auf knapp zwei Millionen Euro. 75 Prozent kommen aus dem Europäischen Fischereifonds, 25 Prozent sind Landesmittel.

Der Fischpass umfasst 22 Becken, die durch vertikale Schlitze miteinander verbunden sind. Die Anlage — insgesamt 56 Meter lang — hat bei Niedrigwasser einen Höhenunterschied vom Unterwasser zum Oberwasser von rund 3,70 Meter zu überwinden. Im Normalfall fließt das Wasser vom Mühlenteich durch den Fischpass in den Wallensteingraben. 240 bis 300 Liter pro Sekunde fließen so ab.

Erfolgskontrollen
Mitte der 1990er-Jahre wurde der Mäander-Fischpass entwickelt. Das System wird aus Faserzement-Fertigteilen errichtet. Zwei Reihen von Mäanderbeckenringen werden so aufgestellt, dass die Segmentausschnitte ineinandergreifen. Ähnlich dem natürlichen Vorbild entsteht in der Anlage eine Mäanderströmung mit höheren Fließgeschwindigkeiten und ruhigen Zonen. Die kompakte Bauweise gilt als platzsparend.


Kontrollen zur Funktion des Fischpasses gab es von Instituten an mehreren Flüssen in Deutschland. So wurden in Drakenburg an der Weser im Jahr 2002/03 bei 337 Reusenabfischungen 83 897 Fische aus 24 Arten erfasst. Hans Wilhelm Peters, Experte auf dem Gebiet, kommt zu dem Schluss: „Die Fische haben mit ihrem Wanderverhalten für den Mäander-Fischpass gestimmt.“ Auch für den Fischpass in Wismar soll es im nächsten Jahr Erfolgskontrollen geben. Denn neben den Befürwortern gibt es auch starke Kritiker.

Heiko Hoffmann

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