Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Nordwestmecklenburg Neues Gesetz: 700 Anträge für mehr Unterhalt eingereicht Fast 1300 Kinder brauchen Hilfe vom Kreis / Alleinerziehende hoffen auf höheren Vorschuss / Amt wartet auf Inkrafttreten der Novelle
Lokales Nordwestmecklenburg Neues Gesetz: 700 Anträge für mehr Unterhalt eingereicht Fast 1300 Kinder brauchen Hilfe vom Kreis / Alleinerziehende hoffen auf höheren Vorschuss / Amt wartet auf Inkrafttreten der Novelle
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:13 15.08.2017
Fast 1300 Kinder in Nordwestmecklenburg bekommen von einem Elternteil keinen oder zu wenig Unterhalt. Sie hoffen nun auf mehr Unterhaltsvorschuss vom Staat. Quelle: Foto: Marcel Kusch

„Er sagt, dass er keinen Unterhalt zahlen kann, weil er keine Arbeit hat. Aber er bemüht sich ja auch um keine, seitdem wir getrennt sind.“ Melanie R. aus Grevesmühlen hat bereits mehrere Gänge zum Jugendamt und zu ihrem Rechtsanwalt hinter sich, nachdem ihr Ex-Partner nach der Trennung für ihren gemeinsamen Sohn den vorgeschriebenen monatlichen Betrag nicht überweisen kann. Sie selbst arbeitet sechs Stunden, könnte auf acht erhöhen, „aber ich brauche ja auch noch Zeit für meinen Sohn, mit dem ich seit drei Jahren den Alltag allein meistern muss“, beklagt sie sich.

Das Problem hat nicht nur sie allein. Tausende Kinder im Landkreis Nordwestmecklenburg, die bei Alleinerziehenden leben, bekommen keinen oder zu wenig Unterhalt. Bisher hatten daher Kinder, die das zwölfte Lebensjahr noch nicht erreicht hatten, Anspruch auf den sogenannten Unterhaltsvorschuss. Der wurde allerdings maximal 72 Monate, also sechs Jahre, gezahlt. Nun soll ein neues Gesetz es ermöglichen, diese Hilfe langfristig zu beantragen – bis zum 18. Lebensjahr.

1000 Euro für Wohnkosten

„Auf den Unterhaltsvorschuss warte ich schon sehr gespannt. Der Antrag liegt längst vor. 536 Euro mehr im Monat würden meine finanzielle Situation um einiges entspannen“, berichtet eine andere Mutter aus der Region, die für ihre beiden jugendlichen Kinder keinen Unterhalt vom Vater bekommt. „Meine Kinder sind 13 und 15 Jahre alt. Seit zweieinhalb Jahren bin ich alleinerziehende Mutter und inzwischen geschieden. Wir wohnen in einem kleinen Häuschen, und um das Zuhause der Kinder zu halten, muss ich jeden Monat 1000 Euro für Wohnkosten aufbringen“, beschreibt die Mutter, die Vollzeit im sozialen Bereich arbeitet, ihre Situation. Nach Feierabend sei sie erschöpft und könne sich nicht vorstellen, noch einen Nebenjob zu haben. „Meine Kinder brauchen mich schließlich ja auch noch.“

Warten auf Gesetzesänderung

Mehr als 700 Neuanträge sind beim Fachdienst Jugend des Landkreises schon eingegangen. Das Problem: Die Gesetzesänderung steht noch in der Warteschleife. Dabei sollte sie bereits am 1. Juli in Kraft treten. Bundesrat und Bundestag hatten bereits Anfang Juni zugestimmt. Vermutet wird, dass die Finanzierung zwischen Bund und Ländern noch nicht endgültig geklärt ist. Fakt ist aber: Wer bis Ende August den Antrag einreicht, bekommt den Vorschuss rückwirkend zum 1. Juli gezahlt, wenn das Gesetz dann gilt.

1294 Kinder bekommen Hilfe

„Zurzeit erhalten 1294 Kinder im Landkreis Nordwestmecklenburg monatliche Leistungen nach dem Unterhaltsvorschussgesetz“, bestätigt Frauke Kablau, stellvertretende Fachdienstleiterin Jugend beim Kreis. Künftig werden es jedoch mehr werden – sobald das Gesetz gilt. Immerhin: Mehr als 24000 Kinder und Jugendliche leben in Nordwestmecklenburg.

Kablau kommentiert aber auch: „Eltern sind ihren Kindern gegenüber grundsätzlich unterhaltsverpflichtet. Kommen sie ihrer Verpflichtung nicht nach, haben die Kinder unter bestimmten Voraussetzungen Anspruch auf den Unterhaltsvorschuss.“

Kreis zahlt 210000 Euro

Bisher zahlt der Kreis durchschnittlich 210000 Euro im Monat an Unterhaltsleistungen. „Von diesem Betrag ist ein Anteil von einem Zwölftel durch Kreismittel abzudecken“, erklärt Frauke Kablau.

Das heißt: 17 500 Euro kommen derzeit monatlich Kindern von Alleinerziehenden zugute.

Tritt das neue Gesetz in Kraft, wird sich dieser Betrag schlagartig erhöhen, weil dann auch ältere Kinder und Jugendliche davon profitieren werden. Bislang konnten Kinder bis fünf Jahren 150 Euro monatlich vom Staat bekommen, Kinder von sechs bis elf Jahren bekamen 201 Euro und Kinder von 12 bis 17 Jahren 268 Euro.

Auch beim Fachdienst Jugend in Schwerin liegen schon mehr als 430 Anträge, die auf ihre Bearbeitung warten. Beim Landkreis Vorpommern-Rügen sind es sogar mehr als 1300 Anträge.

Michaela Krohn und Jana Franke

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Stadt will Immobilie verkaufen / Vorschlag der Kirchengemeinde: Haus für Begegnungen öffnen.

15.08.2017

Ein 73-jähriger Lübecker wurde am Montagabend bei einem Zusammenstoß mit einem Autofahrer schwer verletzt.

15.08.2017

Immer mehr Menschen wenden sich dem schönen und nützlichen Hobby der Imkerei zu. Vielen ist jedoch nicht bekannt, dass sie ihre Bienenhaltung beim zuständigen Veterinäramt ...

15.08.2017
Anzeige