Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Nordwestmecklenburg Nordwestmecklenburger Arzt beim Ironman auf Hawaii
Lokales Nordwestmecklenburg Nordwestmecklenburger Arzt beim Ironman auf Hawaii
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:10 16.10.2015
180 Kilometer mit dem Rad: Cornelius Wermann hat sie genossen, der Ironman auf Hawaii war sein Lebenstraum. Quelle: Fotos: Kopp (1), Privat (2), Omori/dpa (1)
Hamberge

Eine Medaille ist der Beweis: Cornelius Wermann ist eisenhart. Der Athlet, der als Oberarzt im Wismarer Sana Hanse-Klinikum arbeitet und viele Jahre in Hamberge gelebt und trainiert hat, hat den Ironman auf Hawaii absolviert, die Königsklasse des Triathlons. Damit hat er sich seinen Lebenstraum erfüllt. Auf diesen Wettkampf hat Wermann 13 Jahre lang hingearbeitet — und musste auf dem Weg einige herbe Rückschläge einstecken. Auch dieses Mal stand die Teilnahme bei der Ironman-Weltmeisterschaft im Frühjahr noch auf der Kippe.

Inspiriert von Thomas Hellriegels Sieg als erster Deutscher beim Ironman Weltcup 1997 begann Wermanns Karriere als Triathlet. Als Student in Halle trat er bei seinen ersten Wettkämpfen an und stieg schnell in die erste Bundesliga auf. „Das Laufen und Radfahren ist mir recht leicht gefallen“, sagt der 39-Jährige. „Schwimmen konnte ich damals noch gar nicht gut.“ 2001 zog der zweifache Familienvater nach Hamberge, 2002 trat er auf Lanzarote zu seinem ersten Ironman an. „Das war eine absolute Katastrophe“, erinnert er sich. „Ich habe mehr als 13 Stunden gebraucht. Und dafür hatte ich extra ein Semester pausiert, um richtig trainieren zu können.“ Doch davon ließ sich der Arzt für Gastroenterologie nicht demotivieren. Zu insgesamt 16 Ironmans ist er bisher angetreten — stets die Teilnahme auf Hawaii vor Augen.

„Um sich für die Weltmeisterschaft zu qualifizieren, muss man es bei einem der Ironmans in seiner Alterskasse unter die besten Fünf schaffen“, erklärt Wermann. „Das war bei mir oft richtig knapp.“ So beispielsweise 2003 in Nizza: 40 Sekunden fehlten ihm, um das Ticket auf die Pazifikinsel zu lösen. Wermann trat in zahlreichen europäischen Ländern an, versuchte in Kanada, Mexiko und Florida sein Glück. „Dann wurde die Regel eingeführt, dass man mit Beendigung des zwölften Ironmans nach Hawaii darf.“ Dadurch schaffte es der Wahl-Mecklenburger eines der 2300 Tickets zu ergattern, um das sich jährlich bis zu 200 000 Menschen bemühen.

Im März 2015 kam die Zusage — zwei Wochen später ein erneuter Rückschlag. Während eines Urlaubs in Italien wurde Wermann ins Krankenhaus eingeliefert. Herz-Rhythmus-Störungen. Doch er rappelte sich wieder auf. „Hawaii war mein Lebenstraum! Natürlich wollte ich bei dem Wettbewerb nicht sterben, doch ich wusste: Diese Chance habe ich nur einmal.“

Deshalb ließ er es beim Wettbewerb ruhig angehen. „Normalerweise liegt meine Zeit bei neun Stunden 30. Jetzt habe ich zwölf Stunden 36 gebraucht. Ich hatte eine Ausrede dafür, so langsam zu sein“, sagt er grinsend. Er ärgert sich nicht darüber. „Dadurch konnte ich den Wettkampf richtig genießen. Beim Schwimmen habe ich zum Beispiel die bunten Fische gesehen, beim Laufen den Sonnenuntergang“, erzählt Wermann. „Auch mit anderen Läufern bin ich währenddessen in Kontakt gekommen. Das war bei anderen Wettkämpfen nie so, da war ich stets auf die Zeit fixiert.“ Im Ziel erwarteten ihn seine Familie und Freunde, die mit ihm nach Hawaii gereist sind. „Das war eine riesengroße Freude und Erleichterung, als ich über die Ziellinie gelaufen bin“, beschreibt er den Moment. „Aber ich wusste schon nach drei Kilometern der Marathonstrecke, dass ich mir das nicht mehr nehmen lasse.“ Wermann weiß: Auf Hawaii gibt keiner freiwillig auf. „93 Prozent der Teilnehmer kommen über die Linie, in welchem Zustand auch immer.“ Er selbst war noch fit und ließ sich von den tausenden Zuschauern in Kailua-Kona bejubeln.

Und was kommt nach der Erfüllung des Lebenstraums? „Das lasse ich jetzt auf mich zukommen“, sagt er entspannt. „Ich spiele zum Beispiel Gitarre, dafür hätte ich jetzt wieder mehr Zeit.“ 20 Stunden pro Woche hat er bisher trainiert. Mit dem Fahrrad fuhr er von Schwerin nach Wismar zur Arbeit, zog nach Feierabend dann noch die Laufschuhe an. „Meine Frau und meine große Tochter teilen mein Hobby.

Das nutze ich zum Abtrainieren.“ Sein Rennrad wird er an die Wand hängen, die Laufschuhe kommen in den Müll. Denn Wermann ist sich sicher: Das war sein letzter Ironman — ein perfekter Abschluss.

Der Ironman
Der Ironman Hawaii ist der älteste Triathlon über die Langdistanz mit 3,86 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42,2 Kilometer Laufen. Zum ersten Mal wurde der Wettkampf 1978 ausgetragen. Seit Mitte der 1980er Jahre ist sowohl für Amateure als auch Profi-Triathleten eine Qualifikation erforderlich.

Vanessa Kopp

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Zum ersten Mal treffen sich an heute und morgen 35 ausgesuchte Künstler, Kunsthandwerker und Anbieter mit einem besonderen Warenangebot zu einem Kunsthandwerkermarkt auf dem Ratzeburger Marktplatz.

16.10.2015

Kultournacht startet heute erstmal in Klütz / Sieben Stationen machen mit.

16.10.2015

Morgen dreht sich am Informationszentrum Pahlhuus in Zarrentin wieder alles um den Apfel. Zu Gast ist der Sortenexperte Jens Meyer aus Kuhlrade.

16.10.2015
Anzeige