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Nordwestmecklenburg Oberste Priorität haben die Schulbusse
Lokales Nordwestmecklenburg Oberste Priorität haben die Schulbusse
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15:06 05.02.2016
Der Anrufbus ist für uns ein Gradmesser.“Volker Wittke, Fahrdienstleiter

Seit einem Monat gilt das neue Nahverkehrskonzept in Nordwestmecklenburg und noch lange läuft nicht alles nach Fahrplan. Deshalb wird nachjustiert — besonders beim Schülerverkehr. „Im Großen und Ganzen ist der neue Nahverkehrsplan gut angelaufen und wird rege genutzt“, so die erste Bilanz von Landrätin Kerstin Weiss (SPD). Doch bei der Schülerbeförderung hakt es noch. „Das zu verbessern hat Priorität! Dafür haben wir gesetzliche Vorgaben. Diese geben an, wie lange der Schulweg maximal dauern darf.“ Ebenfalls auf der Agenda: das Tarifsystem und der Stadtverkehr Wismar.

Schülerbeförderung

Am letzten Schultag vor den Winterferien wurden die Schüler und ihre Eltern bereits per Brief darauf vorbereitet: Ab dem 15. Februar kann es zu Änderungen im Fahrplan kommen. Jörg Lettau, Geschäftsführer der Nahbus Nordwestmecklenburg GmbH, und seine Kollegen nutzen die zwei schulfreien Wochen, um die Probleme zu beheben. „Wir haben schnell gemerkt, dass wir nachjustieren müssen“, räumt Lettau ein. „Besonders im Bereich Wismar-Land läuft das noch nicht so, wie gewollt.“ Seine Erklärung: „Früher sind wir in Bereichen wie Poel oder im Amt Neuburg nicht täglich gefahren. Dadurch konnten wir bei der Planung wohl nicht alle Eventualitäten berücksichtigen.“ Das soll sich nun ändern. „Im laufenden Betrieb konnten wir das aber nicht stemmen, deshalb nutzen wir die Winterferien als Schnitt“, erklärt Lettau. „Denn kleinste Änderungen wirken sich auf das gesamte Flächennetz aus.“

Ein Problem, das beispielsweise behoben wird, verbessert die Situation für die Poeler Schüler. Bis zu 95 Minuten dauerte eine Fahrt ins Gymnasium Neukloster (die LN berichteten). Gesetzlich gar nicht zulässig. „Deshalb wird es einen neuen Verknüpfungspunkt in Groß Strömkendorf geben“, erklärt Fahrdienstleiter Volker Wittke. „Das dürfte das Problem lösen.“ An den Verknüpfungspunkten im Kreis, an denen die Schulkinder den Bus eventuell wechseln müssen, werden in den ersten Wochen Nahbus-Mitarbeiter stehen, die helfen.

Ein weiteres Problem soll in Proseken behoben werden (die LN berichteten). „Dort sind Schüler zu spät zum Unterricht gekommen“, erklärt Wittke. „Dafür haben wir nun die Linie 241 nachgebessert.“

Obwohl, so betont die Landrätin, das eigentlich nicht die Aufgabe des Landkreises sei. „Bei dem Problem in Proseken geht es um Kinder, die eine nicht örtlich zuständige Schule besuchen. Natürlich versuchen wir zu helfen, doch liegt die Beförderung zur Schule in so einem Fall in der Pflicht der Eltern.“

Für Jörg Lettau ist klar: „Wir müssen auf langfristige Sicht mit den Schulen sprechen, um in den kommenden Jahren eventuell die Schulanfangs- und Endzeiten zu verändern.“

Wichtig für die Schüler und Eltern ist nun, sich vor Schulstart am 15. Februar über mögliche Änderungen zu informieren. Ab dem 11. Februar finden sich die neuen Fahrpläne im Internet sowie an den Aushängen an den Haltestellen.

Änderungen im Fahrplan

Nicht nur die Probleme im Schülerverkehr wurden erkannt, auch an anderen Punkten wird nachgedreht. Alle 200er- und 400er-Linien sind davon betroffen, sowie die 240, die 145 und die 335. Letztere betrifft das Dreieck SchönbergDassow-Selmsdorf: „Durch die Fahrten durch das umliegende Gewerbegebiet, kam es zu Verspätungen. Das haben wir geändert“, erklärt Wittke. So wird die Linie 336 gestrichen, der Bus von Grevesmühlen fährt durchgängig bis nach Lübeck. „Das ist nun deutlicher gekennzeichnet“, berichtet Wittke. Der Verknüpfungspunkt mit der Linie aus Gadebusch wird zudem nach Selmsdorf verlegt. Bisher war er im Gewerbegebiet. Auch auf der Strecke zwischen Wismar und Schwerin wird nachgebessert. Die Praxis hat gezeigt, dass die Fahrzeit länger ist als geplant. An den Abfahrtszeiten in den beiden Städten wird sich aber nichts verändern.

Anrufbus

In den vergangenen zehn Tagen wurde dieser Service im gesamten Kreis 650 Mal genutzt. „Das ist eine vernünftige Auslastung“, meint Lettau. „Obwohl noch mehr möglich wäre. Die Servicehotline ist bisher nämlich noch zu 80 Prozent mit Fahrplan- und Tariffragen belastet.“

Die Nutzung variiert in den einzelnen Sektoren. „Um Schönberg läuft es beispielsweise noch schleppend“, sagt Wittke. „Doch dort sind die Fahrgäste durch die Taktlinien gut versorgt.“ Für ihn ist der Anrufbus auch ein Gradmesser. „Dadurch sehen wir, wo wir das Liniennetz noch verbessern können.“ So nutzen beispielsweise rund 20 Fahrgäste den Anrufbus von Klütz nach Dassow. „Das zeigt uns, dass es sich dort lohnt, eine Linie einzurichten“, erklärt der Fahrdienstleiter.

Die Idee des Anrufbusses gehe in vielen Fällen gut auf: „15 ältere Damen nutzen beispielsweise jeden Freitag den Anrufbus, um sich nach Ratzeburg zum Einkaufen fahren zu lassen“, erzählt Lettau. Ein ähnliches Beispiel gibt es in Warin.

Stadtverkehr Wismar

Hier sieht der Nahbus-Chef vor allem Nachholbedarf in der Informationspolitik. „Das System muss noch besser kommuniziert werden“, so seine Einschätzung. Es werde auch an den Fahrplänen kleine Veränderungen geben. „Den ZOB als zentraler Umsteigepunkt halte ich nach wir vor für eine wichtige Maßnahme“, sagt Lettau. „Auch wenn das besonders für die älteren Bürger noch gewöhnungsbedürftig sein mag.“ Die Beschilderung am ZOB soll deshalb verbessert werden. „Dafür brauchen wir allerdings noch Zeit.“ Auch Kerstin Weiss bittet um Geduld. „Dazu gibt es noch Beratungsbedarf.“

Viele Fahrgäste aus Proseken fühlen sich durch die Veränderungen benachteiligt, da die Linien 1 und 2 des Stadtverkehrs in Gägelow enden. „Dafür können die Prosekener die Linie 240 nach Wismar nutzen“, erklärt Wittke.

Tarifsystem

Auch hier räumen die Beteiligten ein, dass noch nicht alles ideal geregelt ist. Fahrgäste können für vier Euro von Selmsdorf nach Warin fahren, bezahlen aber denselben Preis für die Strecke von Boltenhagen in den Ortsteil Tarnewitz. „Es muss noch einmal über die Tarifstruktur beraten werden“, so die Landrätin. Im Kreistag werde dieses Thema bald auf der Tagesordnung stehen. „Um über den wirtschaftlichen Faktor zu sprechen, ist es noch zu früh“, sagt Lettau. „Nach sechs Monaten können wir frühestens eine Tendenz erkennen.“ Die Landrätin betont, die Kosten im Blick zu haben, um bei Problemen schnell reagieren zu können. „Eine Erhöhung der Ticketpreise wäre für mich keine Lösung. Damit bezweckt man eher das Gegenteil.“

Leserbrief zum Nahverkehr: Seite 10

Die Nahbus GmbH

110 Busse hat die Nahbus Nordwestmecklenburg GmbH im Einsatz. Das sind 41 Fahrzeuge mehr als bisher. Die Anzahl der Mitarbeiter ist von 89 auf 195 angestiegen . Die Standorte des Unternehmens sind Grevesmühlen, Gadebusch und — neu dabei — Wismar. 6 459 625 Fahrplankilometer werden durch das Liniennetz abgedeckt. Sieben Subunternehmen unterstützen Nahbus bei den Fahrten durch das Kreisgebiet und darüber hinaus.

Alle Informationen zu den Fahrplänen, den Änderungen, den Preisen und zum Anrufbus gibt es unter www.nahbus.de oder unter der kostenlosen Servicenummer ☎

08 00 /6 34 62 87.

Vanessa Kopp
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