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Ostsee statt Mittelmeer: Agave auf Poel blüht in voller Pracht

Kirchdorf Ostsee statt Mittelmeer: Agave auf Poel blüht in voller Pracht

Im Garten der Familie Skowronek blüht eine riesige subtropische Pflanze — erstmals nach 50 Jahren. Am Ende ihres Lebens ziert sie ein etwa sieben Meter hoher Blütenstiel.

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Die Agave im blühenden Endstadium. Bienen umschwirren in etwa sieben Metern Höhe die kopflastige Riesenblüte, die abgestützt ist.

Kirchdorf. Wöchentlich und dann täglich bangte Heinz Skowronek um seine Riesenagave. Denn die zeigte sich zum Ende ihres gut 50-jährigen Lebens in ihrem schönsten und gewiss ebenso ungewöhnlich prächtigen Blütenschmuck. Der ragt an einem stammartigen Stiel etwa sieben Meter in die Höhe.

Bleibt diese sensationelle Pflanze noch eine Weile stehen oder lässt das inzwischen enorme Eigengewicht oder gar eine Sturmbö das einmalige botanische Schaustück abbrechen? Das sind seit Wochen bange Fragen, die sich nicht nur die stolzen Besitzer stellen, sondern inzwischen ebenso Hunderte vorbeipilgernde Passanten und Besucher der Inselhauptstadt. Sie zücken Kameras und Camcorder, um dieses Erlebnis festzuhalten. Ist der Hausherr präsent, wird er immer wieder über diese besondere und nun absterbende Pflanze befragt. Ein unverkennbar sächsisch sprechendes Paar wollte genau wissen, was dann mit dem pflanzlichen Ungetüm passiert. „Kommen sie im Herbst wieder, dann wird daraus Tequila gemacht“, so der nicht ernst zu nehmende Hinweis vom Poeler Hobbybotaniker.

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Wir haben sehr gehofft, dass sich der blühende Stamm noch bis zur 850-Jahr-Feier der Insel hält und wurden nicht enttäuscht.“Heinz Skowronek (72), Pflanzenliebhaber aus Kirchdorf

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Richtig ist dennoch: Das Innere einer mindestens acht Jahre alten Agave wird zwischen 24 und 36 Stunden unter Dampf gegart. Das Ergebnis eines aufwendigen Verarbeitungsprozesses ist ein hochprozentiges Getränk. Das zu tun, käme dem gestandenen und weit gereisten Galeristen nebst seiner Ehefrau Hannelore kaum in den Sinn.

Reisen musste er allerdings auch, um den 1987 schon schweren und fast 25 Jahre alten Agaventopf aus dem thüringischen Lobenstein auf die Insel Poel zu holen. „Doch da ich damals noch einen Barkas B 1000 fuhr, war ein solcher Transport gerade noch möglich“, erinnert sich Heinz Skowronek.

Der Vorbesitzer war nicht nur der stetigen Gewichtszunahme überdrüssig, sondern des Umtopfens. Auch das ständige Einlagern des Subtropengewächses in frostfreie helle Räume wurde für ihn langsam zu aufwändig.

Pflanzenliebhaber Skowronek scheute sich davor nicht, fand ein geeignetes Winterlager und die erforderlichen Transportmöglichkeiten. Außerdem ließ er dem letzten Riesentopf eine Metallmanschette mit zwei Hülsen verpassen. Mit zwei Stangen schafften es vier sehr kräftige Leute, das Objekt hin und her zu bewegen. Doch am Ende half nur noch der Radlader oder die Krantechnik.

Dass es mit den Jahren für das Ehepaar zunehmend aufwändiger wurde, das schwergewichtige Objekt zu bewegen, daraus macht Hannelore Skowronek keinen Hehl. „Manchmal habe ich dieses Topfmonster schon verflucht“, gibt sie ehrlich zu. Doch als sich im Juni plötzlich etwas regte, ein Riesenspargel atemberaubend in die Höhe zu wachsen begann und dann einen ungewöhnlich massiven Schmuck von mehreren tausend Blüten entfaltete, war auch sie sehr von dieser Einmaligkeit angetan.

Jetzt ist das Ende der riesigen Pflanze ohnehin besiegelt. Längst haben sich die einst prallen, blaugrauen Blätter, teilweise mehr als zwei Meter lang, gelblich verfärbt. Schlapp und ausgelaugt hängen sie herunter. Denn alles, was die Pflanze an Speicherstoffen besaß, gelangte als letztes energievolles Aufbäumen in den Blütenstand. Doch auf dem kleinen botanischen Refugium der Skowroneks wächst bereits der nächste Agavenableger in die Höhe. Der ist inzwischen 20 Jahre alt und gedeiht wie sein großes Vorbild prächtig. Seinen künftigen Blütenschmuck, vielleicht wieder in 30 Jahren, werden allerdings die meisten der älteren Generation nicht mehr erleben.

Hans-Joachim Zeigert

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