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Nordwestmecklenburg Parkgebühren: Überschuss in Straßen — Defizit auf Großplätzen
Lokales Nordwestmecklenburg Parkgebühren: Überschuss in Straßen — Defizit auf Großplätzen
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21:07 31.10.2013
Mit der reduzierten Tagesgebühr hofft die Stadt auf mehr Nutzer dieses kostenpflichtigen Parkplatzes am Schiffbauerdamm. Quelle: Haike Werfel
Wismar

Lübecker Nachrichten: Vor einem Jahr wurde das Parkraumkonzept für die Wismarer Altstadt umgesetzt. Welches Fazit ziehen Sie?

Udo Wäsch: Zunächst ist festzustellen, dass die Entscheidung der Bürgerschaft, eine Parkraumbewirtschaftung einzuführen, richtig war. Dabei war von vornherein klar, dass die Einführung eines solch umfassenden Konzeptes mit Anwohnerparken, bewirtschafteten Parken und ausgelagerten kostenfreien Flächen an der Peripherie nicht über Nacht umgesetzt werden kann. Dafür mussten die Akzeptanz und das Verständnis wachsen.

LN: Meinen Sie, dass jetzt ausreichend Akzeptanz vorhanden ist?

Wäsch: Dieser Prozess wird nie abgeschlossen werden können, da sich das Konzept immer weiterentwickelt. Aber wir haben jetzt einen Stand erreicht, wo wir davon ausgehen können, dass dieses Konzept positiv im Verständnis der Nutzer und der Verkehrsabläufe Platz gefunden hat.

LN: Welche positiven Aspekte erkennen Sie?

Wäsch: Da ist zunächst zu nennen, dass sich die Situation für die Anwohner deutlich verbessert hat. Nicht nur die konkret den Anwohnern zugeordneten 50 Prozent Stellflächen, sondern auch die zusätzlichen Rechte auf den bewirtschafteten Flächen haben zu einem sehr positiven Echo der Anwohner geführt.

LN: Dennoch gibt es Anwohner, die abends sehr lange nach einem Stellplatz suchen müssen und oftmals auch keinen finden.

Wäsch: Es gibt Straßenabschnitte, bei denen in der Auswertung festgestellt wurde, dass sie eher dem Bewohnerparken zugeordnet werden sollten. Wir werden mit dem Planer klären, wie wir dies lösen können, weil laut Gesetz nicht mehr als 50 Prozent vom öffentlichen Parkraum fürs Bewohnerparken genutzt werden darf.

LN: Die Kritik von Gewerbetreibenden ist zwar leiser geworden, aber noch nicht verstummt.

Wäsch: Einige Gewerbetreibenden waren zunächst sehr skeptisch. Jetzt mehren sich aber die Erfahrungsberichte, dass vor ihren Geschäften oder in unmittelbarer Nähe freie Parkplätze für die Kundschaft zur Verfügung stehen. In der Vergangenheit waren diese aufgrund der Kostenfreiheit durch Dauerparker ständig belegt. Insofern wird von den Gewerbetreibenden akzeptiert, dass diese Plätze richtigerweise den Kunden zur Verfügung gestellt und nicht den Gewerbetreibenden direkt zugeordnet werden.

LN: Wie zufrieden sind Sie mit der Auslastung der Großparkplätze?

Wäsch: Wir konnten erreichen, dass durch die veränderte Ausschilderung die Akzeptanz der Großraumparkplätze gewachsen ist, insbesondere auch bei den Beschäftigten. Dies hängt auch damit zusammen, dass einige Flächen durchgängig mit einem Euro pro Tag zur Verfügung stehen. Hier weiß der Beschäftigte, dass er für zwanzig Euro im Monat einen Stellplatz sicher nutzen kann. Im Sommer waren die großen Parkplätze vor allem durch Touristen recht gut besucht. Das wird es immer geben, eine Haupt- und eine Nebensaison. Deshalb versuchen wir, die Großparkplätze durch die Preisgestaltung attraktiver zu machen und erheben in der Nebensaison statt vier nur einen Euro Tagesgebühr.

LN: Wo muss noch nachgebessert werden?

Wäsch: Der bauliche Zustand der Großparkanlagen muss verbessert werden. Und es ist daran zu arbeiten, das Parkleitsystem zu verbessern, auch durch Hinweise auf weitere Parkflächen. Seitdem das Schild für den Parkplatz an der Volkshochschule besser sichtbar an der Dankwartstraße steht, wird er mehr genutzt.

LN: Wie hoch sind die bisher erzielten Einnahmen, wie hoch die Ausgaben?

Wäsch: Zu den Einnahmen kann ich so viel sagen, dass im Bereich der bewirtschafteten Straßenabschnitte ein Überschuss erzielt wird. Die großflächigen Parkplätze sind noch defizitär. Grundsätzlich kann ich aber sagen, dass diese Defizite ausgeglichen werden und dass noch Geld erwirtschaftet wird, um neue notwendige Parkflächen, wie zum Beispiel an der Turmstraße, aufzubereiten beziehungsweise zu erstellen.

LN: Wie hoch ist das Defizit?

Wäsch: Das möchte ich nicht sagen, um nicht der Information in der Bürgerschaft vorzugreifen. Die jetzt durchgeführte Auswertung wird zurzeit in der Verwaltung diskutiert, um sie dann mit sich daraus ergebenden Vorschlägen der Bürgerschaft vorzulegen.

Ab heute das Tagesticket für einen Euro Vom 1. November bis 30. April gilt auf zwei Bezahlparkplätzen der Nebensaisontarif.
Auf den Großparkplätzen mit Schrankenanlage am Schiffbauerdamm (ausgewiesen als Parkplatz Altstadt/Westhafen) und in der Kopenhagener Straße (PP Altstadt/Hafen) kostet das Tagesticket ab dem heutigen 1. November bis zum 30. April des Folgejahres einen statt vier Euro. Diesen Nebensaisontarif hat die Bürgerschaft jüngst beschlossen. Die Regelung, dass ab 19 bis 9
Uhr des darauffolgenden Tages unentgeltlich geparkt werden darf, bleibt bestehen.
„Mit dem Parkraumkonzept wurde unter anderem das Ziel verfolgt, den Touristen altstadtnahe Parkmöglichkeiten anzubieten, um die Altstadt vom Parksuchverkehr zu entlasten“, sagt EVB-Betriebsleiter Udo Wäsch. „Dieses Ziel ist mit dem Angebot auf den beiden Parkplätzen erreicht worden. Sie waren in der Sommersaison wie erwartet gut bis sehr gut ausgelastet.“ Da die Zahl der Touristen in der Nebensaison zurückgeht, schafft die Stadt durch die reduzierte Tagesgebühr für andere Nutzergruppen den Anreiz, ihr Auto auf diesen Plätzen abzustellen. Die Gebühr von einem Euro sei zur Deckung der Kosten für Instandhaltung und Reinigung der Parkplätze notwendig.hw

Interview von Haike Werfel

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