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Nordwestmecklenburg Per Tauchfahrt auf den Getreideacker
Lokales Nordwestmecklenburg Per Tauchfahrt auf den Getreideacker
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21:12 10.08.2017
Bis zu einem Meter hoch stand das Wasser laut Landwirt Frank Timm unter der Autobahnbrücke. Quelle: Foto: Karl-Ernst Schmidt

Der viele Regen macht den Landwirten in Nordwestmecklenburg zu schaffen. Frank Timm aus Jeese ist zuletzt nur unter erschwerten Bedingungen auf seinen Acker gekommen. Auf dem Weg dorthin hat er an mehreren Tagen eine Autobahnunterführung durchqueren müssen, die nach dem Regenwetter völlig unter Wasser stand. „Und niemand fühlte sich dafür verantwortlich“, klagt der 48-Jährige.

Landwirt aus Jeese kämpft mit unter Wasser stehender Unterführung.

Es geht um den Wirtschaftsweg zwischen dem Bernstorfer Ortsteil Jeese und dem zu Grevesmühlen gehörenden Questin. Die Autobahn 20 kreuzt die Strecke. Eine Unterführung ermöglicht Frank Timm auf seinen Weizenacker zu kommen, aber auch viele Radfahrer nutzen den Weg. Doch nach den starken Regenfällen glich die Stelle unter der Autobahnbrücke einem kleinen Tümpel. „Ich fragte mich: Wie soll ich auf meine Felder kommen?“, erzählt Frank Timm.

Ein Grund für die Überflutung: Die umliegenden Flächen waren durch den permanenten Regen gesättigt und konnten kein Wasser mehr aufnehmen. Auch das Entwässerungssystem der Unterführung erfülle seine Funktion nicht ausreichend, wie Grevesmühlens Bauamtsleiter Holger Janke erklärt. „Die Unterführung bildet einen Tiefpunkt“, sagt er. Die Folge: Das Wasser sammelte sich unter der Brücke und stand dort tagelang. Vorhandene Gullys und Schächte waren aufgrund von Verunreinigungen nicht in der Lage, das Wasser abfließen zu lassen.

„Mein Sohn ist mit dem Fahrrad durchgefahren – das Vorderrad war verschwunden“, berichtet Timm. Nach seinen Schätzungen stand das Wasser bis zu einen Meter hoch. Mit seinem Traktor konnte er die Überflutung durchfahren. Allerdings nicht ganz ohne Sorge: „Die Gefahr eines Motorschadens durch eindringendes Wasser war groß“, so Timm.

Der Landwirt wandte sich an die Kreisstraßenmeisterei in Grevesmühlen und die Autobahnmeisterei in Upahl. Von beiden kam die Antwort: nicht zuständig. „Die Autobahnmeisterei meinte, sie sei nur für Angelegenheiten auf, aber nicht unter der Brücke verantwortlich“, erzählt der Landwirt. Grevesmühlens Bauamtsleiter bestätigt die Aussage der Autobahnmeisterei: „Die Unterführung unter der A 20 wurde durch die Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH in die Baulast und damit Verantwortung der Gemeinde Bernstorf übergeben“, so Janke. Allerdings sei nicht allein die Kommune für den Weg verantwortlich. Da es sich beim Abschnitt von Jeese bis zur Unterführung um einen sogenannten Feld- und Waldweg handelt, seien für dessen Unterhaltung nach Straßen- und Wegegesetz des Landes die Eigentümer der Grundstücke verantwortlich, die über diesen Weg bewirtschaftet werden. In diesem Fall also Frank Timm selbst.

„Doch das wollen die Bauern immer nicht hören“, kritisiert Bernstorfs Bürgermeister Günther Cords. Dabei habe auch der viele Dreck, den die Landwirte hinterlassen, zu der Verstopfung der Abflüsse beigetragen. Cords unterstützte den Jeeser Landwirt dennoch: Anfang dieser Woche hat die Gemeinde Bernstorf die Unterführung abpumpen lassen. Der Weg ist wieder passierbar. Zudem soll die Bankette so hergestellt werden, dass ein Teil der künftigen Niederschläge zunächst in die Seitengräben abfließen kann. „Da wurden damals Millionen beim Autobahnbau ausgegeben und uns als Gemeinde holen jetzt diese Dinge ein. Das kostet uns viel Geld“, bemängelt Cords.

Frank Timm kann jetzt wieder problemlos auf seinen Acker. Doch dass er für die Unterhaltung des Weges verantwortlich ist, kann er nicht ganz nachvollziehen. „Der Weg ist auch als Radweg ausgeschildert. Wenn ich als Nutzer verantwortlich bin, müsste ich ihn auch sperren können.“

Daniel Heidmann

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