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Nordwestmecklenburg Pflegeheim: Klütz kontra Boltenhagen Die Stadtvertreter aus Klütz wehren sich gegen die Pläne im Ostseebad
Lokales Nordwestmecklenburg Pflegeheim: Klütz kontra Boltenhagen Die Stadtvertreter aus Klütz wehren sich gegen die Pläne im Ostseebad
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10:18 11.01.2017

Der geplante Bau eines Pflegeheims im Ortskern von Boltenhagen wird von der Stadt Klütz ausgebremst. Mehrere Klützer Ausschüsse haben sich bereits gegen die geplante Einrichtung mit 90 Pflegeplätzen in der Nachbargemeinde ausgesprochen. Bei der kommenden Sitzung der Stadtvertreter am Montag ist demnach fest mit einem negativen Votum zu rechnen. „Wir wollen unseren Status als Grundzentrum wahren“, begründet Guntram Jung, Bürgermeister von Klütz, die Entscheidung.

Die Pläne

Boltenhagen könnte ein Pflegeheim beziehungsweise eine entsprechende Wohnanlage mit Betreuung auf dem ehemaligen Sportplatz im Zentrum des Ortes umsetzen. so zumindest lauten die Pläne.

Da Klütz als Grundzentrum eingestuft ist und Boltenhagen als Siedlungsschwerpunkt, ist eine Abstimmung zwischen den Kommunen über die zukünftige Entwicklung notwendig. Als Grundzentrum hat Klütz die Möglichkeit, beim geplanten Pflegeheimbau Veto einzulegen. Denn nach dem aktuellen Landesraumentwicklungsplan sind altengerechte Wohn- und Pflegeeinrichtungen mit überörtlicher Bedeutung in den zentralen Orten anzusiedeln. Das Amt für Raumordnung und Landesplanung Westmecklenburg hatte der Klützer Verwaltung bereits im Oktober in einem Schreiben mitgeteilt, dass die geplante Anlage mit 90 Plätzen in Boltenhagen über die örtliche Nachfrage hinausgeht.

Die Gemeinde Ostseebad Boltenhagen war nun an die Stadt Klütz mit der Bitte herangetreten, der Errichtung der Pflegeeinrichtung als sinnvolle Ergänzung im Ortsgefüge trotzdem zuzustimmen – ohne Erfolg. „Wir müssten die geplanten 90 Plätze an Boltenhagen abgeben“, erklärt Jung. Sie könnten dann nicht mehr in Klütz geschaffen werden. Aus dem integrierten ländlichen Entwicklungskonzept des Landkreises Nordwestmecklenburg ist für den Amtsbereich aktuell ein Bedarf von 114 Pflegeplätzen angegeben. Das Heim in Boltenhagen würde einen Großteil davon in Anspruch nehmen. „Wir haben aber selbst eine gut funktionierende Einrichtung des DRK in der Stadt. In Hinblick auf die künftige Altersstruktur ist eine Erweiterung nicht unrealistisch. Oder ein neuer Träger eröffnet vielleicht irgendwann eine zweite Einrichtung“, erklärt Jung. Das sei mit einem Pflegeheim in Boltenhagen nicht mehr machbar. „Mir ist klar, dass unsere Nachbargemeinde nicht begeistert sein wird. Wir haben lange diskutiert und uns die Entscheidung nicht einfach gemacht“, so der Klützer Bürgermeister. Denn die Ausschussmitglieder könnten sich sehr gut ein Pflegeheim in Boltenhagen vorstellen. „Doch leider ist kein ,sowohl, als auch' möglich. Es gibt nur ein ,entweder oder'“, bedauert Jung, der mit der Entscheidung auch die Chance wahren will, weitere Arbeitsplätze in Klütz schaffen zu können.

Boltenhagens Bürgermeister Christian Schmiedeberg (CDU) ist enttäuscht, kann die Entscheidung aber auch nachvollziehen. „Es ist das gute Recht der Stadt Klütz. Jeder hat seine eigenen Interessen.“

Allerdings zeigte er sich leicht irritiert, dass die Klützer sich so spät positioniert hätten. Denn die Stadt sei von Beginn an an den Planungen des Ostseebades beteiligt worden. Auch die Zahl von 90 Pflegeplätzen sei deutlich kommuniziert worden. „Nun müssen wir schauen, ob eine Planung auch ohne Klütz möglich ist“, so Schmiedeberg. Denn nach wie vor ist der Bürgermeister überzeugt, dass in Boltenhagen Bedarf besteht. „Welche Auswirkungen die Klützer Entscheidung haben wird, müssen wir sehen. Aber ich bin nach wie vor zuversichtlich, dass wir unsere Planungen umsetzen können“, sagt Schmiedeberg.

 Daniel Heidmann

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