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Prozess um Schuss ins Auge neu aufgerollt

Schwerin/Klütz Prozess um Schuss ins Auge neu aufgerollt

Drei Klützer überfielen 2014 einen Bekannten und wurden verurteilt / Opfer und Trio legten Revision ein.

Marcel A., Christian B. und Steffen N. (v. l.) mit ihren Pflichtverteidigern (v. l.) Axel Schöwe, Volker Tiek und Ullrich Knye im Landgericht Schwerin.

Quelle: Cornelius Kettler

Schwerin/Klütz. „Ich war in meiner eigenen Welt. Ich kann mir nicht erklären, warum ich das getan habe und es tut mir leid.“ Zusammengesunken sitzt Marcel A. auf der Anklagebank. Er wirkt nervös. Mehr als ein Jahr nach seiner Verurteilung muss er sich erneut rechtfertigen, was in der Nacht vom 14. auf den 15. Juni 2014 geschehen war. Für den folgenschweren Überfall auf Peter N., der durch einen Schuss ins rechte Auge auf diesem erblindete, verurteilte das Landgericht den heute 25-Jährigen im Januar vergangenen Jahres zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und sechs Monaten. Tatbeteiligt waren auch Christian B., der zu zweieinhalb Jahren Freiheitsentzug verurteilt wurde, und Steffen N., der dreieinhalb Jahre absitzen muss. Einen Freispruch gab es damals für die Freundin von Christian B.

Ich kann nicht wiedergutmachen, was ich getan ha- be. Es tut mir leid.“Marcel A. (25), Angeklagter, der den Schuss abgegeben hat

Sowohl die drei Verurteilten als auch das Opfer Peter N. legten Revision ein. Der Bundesgerichtshof entschied: Eine andere Kammer des Landgerichts muss sich noch einmal mit dem Fall beschäftigen.

Verschiedene Punkte seien nicht ausreichend geprüft worden, heißt es. Und: Das Opfer Peter N. wirft Marcel A. und Steffen N. versuchten Totschlag vor. Der Richter schloss das damals aus.

Was war geschehen: Betrunken und unter Drogen machte sich das Klützer Trio Marcel A., Steffen N. und Christian B. mit dessen Freundin mit einem Taxi kurz nach Mitternacht auf den Weg nach Tarnewitzerhagen. Auf einem abgelegenen Grundstück stand der elterliche Wohnwagen des späteren Opfers, in dem er übernachtete. Alle Beteiligten kannten sich. Steffen N. wollte mit Peter N. etwas klären, hieß es gestern. Im Streit schlug Steffen N. mehrfach auf sein Opfer ein. Schließlich griff Marcel A. zu einem Luftdruckgewehr, das sich im Wohnwagen befand. Er bedrohte Peter N. mit einem Messer am Hals und wollte so die Herausgabe der Munition erzwingen — was ihm auch gelang. Am Ende schoss Marcel A. zunächst auf leere Flaschen im Wohnwagen, dann um sich und letztlich aus etwa 50 Zentimeter Entfernung auf Peter N. Ein Diabolo traf sein Auge. „Ich dachte, dass er spinnt. Dann habe ich aber Panik bekommen“, schildert A. gestern. Fluchtartig habe er mit Steffen N., dem bis zu diesem Zeitpunkt am Tisch schlafenden Christian B. und dessen draußen wartenden Freundin das Grundstück verlassen. „Ich habe sein Handy mitgenommen, dass er nicht die Polizei rufen kann, und die Waffe sowie die Munition. Alles habe ich später im See am Schloss Bothmer versenkt“, sagt Marcel A. aus.

Am Abend traf er auf eine Bekannte, die ihm erzählte, dass Peter N. im Krankenhaus liege und am Auge notoperiert werden musste. „Erst dann habe ich geschnallt, was wirklich passiert ist“, erklärt Marcel A. „Ich habe doch nicht gewusst, dass das alles so eskaliert. Das Auge sah okay aus. Es war etwas blau und ich habe gedacht, dass er nur ein Veilchen hat.“ Worum es in dem Streit zwischen Steffen N. und Peter N. ging, will Marcel A. erst auf dem Rückweg erfahren haben. Peter N. soll in einen Wohnwagen gekotet haben, der dem Vater des Angeklagten Steffen N. gehört.

Zur Sache äußerte sich gestern nur Marcel A., der in der Justizvollzugsanstalt in Bützow einsitzt. Der heute 23-jährige Christian B., der ebenfalls in der JVA ist, und der 25-jährige Steffen N.

lassen in der Fortsetzungsverhandlung am 29. April eine Erklärung durch ihre Pflichtverteidiger verlesen. Eine Vernehmung der beiden ist dadurch nicht möglich. Auch das Opfer soll gehört werden.

Von Jana Franke

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