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„Pyromide“ erinnert an Brand

Jamel „Pyromide“ erinnert an Brand

Am 13. August 2015 brannte in Jamel die Scheune der Lohmeyers / Jetzt gibt es ein Denkmal aus den Überresten.

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Aus den Überresten der abgebrannten Scheune ist die „Pyromide“ auf dem Grundstück der Familie Lohmeyer entstanden. Eine Baugenehmigung gibt es übrigens nicht, wie die Nachfrage beim Landkreis ergab. Es handele sich um ein Kunstwerk. Eine Baugenehmigung sei daher nicht notwendig, heißt es dazu aus der Behörde.

Quelle: Fotos: Daniel Heidmann/horst Lohmeyer

Jamel. Trauriges Jubiläum: Morgen vor einem Jahr ist die Scheune der Familie Lohmeyer in Jamel abgebrannt. Am 13. August 2015 zerstörte ein Feuer das Gebäude auf ihrem Grundstück. Das hat das Künstlerpaar zum Anlass genommen, morgen geladenen Gästen ein Denkmal zu präsentieren. An der Stelle der abgebrannten Scheune steht jetzt die „Pyromide“. „Das Denkmal soll dazu beitragen, nicht zu vergessen. Dieses Werk ist auch ein gutes Signal dafür, dass aus der Zerstörung etwas Neues geschaffen wurde“, sagt Birgit Lohmeyer.

LN-Bild

Am 13. August 2015 brannte in Jamel die Scheune der Lohmeyers / Jetzt gibt es ein Denkmal aus den Überresten.

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Angefertigt wurde die Holzinstallation vom Schweizer Künstler Harry Schaffer, der schon in Frankreich, Italien, Polen und den USA ausgestellt hat. Der Plastiker, Innenarchitekt, Landartist und Dozent hat einen Freund in Nordwestmecklenburg und machte in der Region schon häufig Urlaub. „Dieser Freund ist auch mit den Lohmeyers befreundet und hat mich angesprochen“, erzählt Schaffer. Die Nachricht über den Brand in Jamel erreichte ihn selbst in der Schweiz. „Ich war entsetzt, dass so etwas in einem zivilisierten Land wie Deutschland passieren kann.“ Und da er bereits zuvor mit verkohlten Materialien gearbeitet hatte, reifte die Idee, ein Mahnmal aus den Überresten der Scheune zu errichten. „Wir haben die insgesamt 50 Holzbalken zum großen Teil so verarbeitet, wie wir sie vor Ort vorgefunden haben“, erzählt Schaffer. Er und drei Helfer hätten sieben Tage durchgearbeitet, um das Werk gegen Intoleranz, Fremdenfeindlichkeit und Hass fertigzustellen.

Der Name für das etwa vier Meter hohe und rund 2,5 Tonnen schwere Denkmal stellt ein Wortspiel dar. Zum einen habe das Werk die Form einer Pyramide, zum anderen sei der Begriff „Pyro“ gewählt worden, um den mutmaßlichen Brandanschlag zu dokumentieren. „Uns gefällt die Umsetzung sehr gut. Die Verarbeitung des Materials hat eine Symbolik. Es ist ein monumentales Denkmal“, sagt Birgit Lohmeyer begeistert. Für Schaffer ist das Werk ein politisches Statement. „Wir wollen damit nicht nur gegen etwas, sondern auch für etwas stehen: Für Zivilcourage und Engagement“, meint der Baseler.

„Und vielleicht bildet die ,Pyromide’ auch eine Basis dafür, mit Akzeptanz im Dorf zusammenzuleben“, so der 53-Jährige weiter. Auch er wird morgen bei der Einweihung im kleinen Kreis dabei sein. Die „Pyromide“ steht auf einem Teil der ehemaligen Scheunenfläche. Eine öffentliche Einweihung wird es nicht geben, betont Birgit Lohmeyer. „Das Denkmal ist mit vier Metern von der Straße aus gut zu erkennen“, sagt die 57-Jährige. Dafür müsse noch nicht einmal das Grundstück von ihr und ihrem Mann Horst (59) betreten werden. „Es gibt keine Öffnungszeiten“, sagt sie. Jeder könne sich das Werk jederzeit anschauen.

Einen Täter haben die Behörden auch ein Jahr nach dem Brand noch nicht ermitteln können. „Das Verfahren wurde noch nicht eingestellt, aber die Ermittlungsgruppe ist mittlerweile aufgelöst worden“, berichtet Birgit Lohmeyer. Die Hoffnung, dass der Brandstifter noch gefunden wird, sterbe zuletzt, sagt sie.

Wann die geplante Kulturscheune, die an der Stelle des abgebrannten Baus errichtet werden soll, entstehen wird, sei laut Lohmeyers noch völlig offen. „Wir sind gedanklich in der Vorbereitung. Es läuft gerade eine Machbarkeitsstudie.“ Der Aufwand, den Neubau in die Wege zu leiten, sei für das Paar allein zu groß. Sie sind dabei, sich weitere Unterstützer ins Boot zu holen. Das Ziel ist eine öffentliche Einrichtung, die mit Kunst- und Kulturveranstaltungen die braune Monokultur im Dorf Jamel aufbricht. Dafür hatten die Lohmeyers in den vergangenen Monaten mehrere Spenden entgegennehmen können, unter anderem den mit 10000 Euro dotierten Georg-Leber-Preis 2015. „Die Spendensammlung war toll und hat uns sehr gerührt. Aber es ist noch nicht so viel Geld, um davon ein Gebäude zu errichten“, betont Birgit Lohmeyer. Sobald der Tag des Neubaus komme, werde die „Pyromide“ versetzt.

Das Forstrock-Festival

Am 26. und 27. August findet zum zehnten Mal das Forstrock-Festival in Jamel statt. Das Schweriner Bildungsministerium unterstützt die Veranstaltung in diesem Jahr mit 5000 Euro.

Nach Angaben der Familie Lohmeyer handelt es sich um ein nicht kommerzielles Festival, das sich aus Spenden finanziert. Auf der Bühne werden unter anderem namhafte Künstler wie Bela B. – seines Zeichens Schlagzeuger der Band „Die Ärzte“ – die Rockgruppe „Madsen“ oder Wolf Maahn und Band zu sehen sein.

Das Wochenendticket für beide Tage kostet 26 Euro, Einzeltickets jeweils 15 Euro. Kinder bis zwölf Jahre haben freien Eintritt. Für Jugendliche, 13 bis 15 Jahre, gibt es Tickets zum halben Preis.

Tickets: www.forstrock.de Sämtliche Spenden , die das Ehepaar Lohmeyer sammelt, werden auf das Konto des Vereins „Grünes Forum Selbstverwaltung e. V.“ eingezahlt. Der Verein ist im März 2013 gegründet worden und in Rostock angemeldet. Zum Vorstand gehört neben Horst und Birgit Lohmeyer noch Wolfram Nagel. Weitere Mitglieder im Verein sind Regina Groß, Tino Schwarzrock, Frank Fiedler und Susanne Wagner.

Daniel Heidmann

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