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Nordwestmecklenburg Radeln gegen Vorurteile über Depression
Lokales Nordwestmecklenburg Radeln gegen Vorurteile über Depression
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18:15 20.08.2016

„Foto? Name? Nein, bitte nicht.“ Die Frau am Tisch der Wismarer Selbsthilfegruppe „Depression“ winkt ab. „Ich habe erlebt, wie ich ausgegrenzt, wie der Freundeskreis kleiner wurde“, begründet sie ihre Entscheidung. Das Stigma Depression – das ist es, was die Fahrradfahrer, auf die die Frau aus der Selbsthilfegruppe in der Lübschen Straße 44 in Wismar wartet, aufbrechen wollen. Das Team der „Mut-Tour 2016“ radelt quer durch Deutschland, um dieses Ziel zu erreichen. Auf den Tandems sitzen nicht depressive und depressive Menschen, die gemeinsam in die Pedale treten. Während ihrer dreimonatigen Staffelfahrt hat eines der Teams in Wismar haltgemacht.

„Alles, was man tun kann, um die Krankheit zu entstigmatisieren, ist gut“, sagt Hartmut Rudolph. Er wird sich bei den Tour-Radlern einreihen. Er hat das psychosoziale Zentrum „Das Boot“ in Wismar mitbegründet, jahrelang Menschen mit Depressionen therapiert.

„Man muss mit dieser Krankheit leben“, sagt der Mann, der die Selbsthilfegruppe in Wismar vor sechs Jahren gegründet hat. Name und Foto lehnt auch er ab. „Wer trägt so etwas schon gern vor sich her.

Da fallen schnell Sätze wie ,Der hat doch einen an der Waffel’.“ Genau deshalb treffen sie sich montags für zwei Stunden. Um sich wieder und wieder vor Augen zu führen, dass sie weder einen an der Waffel haben noch allein sind mit der Krankheit Depression, mit der Leere an den schlechten, der Energie an den guten Tagen.

Mittlerweile gebe es zwar mehr Beratungsangebote, der Stempel in der Gesellschaft aber bleibe, sagt Sebastian Burger, der die Etappe der Mut-Tour organisiert. Schlafen in der Natur, Wasser holen bei den Menschen in den Häusern drumherum. So kämen die Radler auch ins Gespräch über die Depression.

Der Mann von der Selbsthilfegruppe nickt. Sprechen sei wichtig. Die Therapieerfolge zu festigen, zu wissen, dass es einen Anlaufpunkt gibt. Nach einem Aufenthalt in einer Tagesklinik habe er sich gefragt, wie es für ihn nun weitergehen soll nach der Therapie. „Dann hab ich die Gruppe gegründet.“

Für sie sei es ein Glücksfall, dass es die Gruppe gibt, sagt die Frau neben ihm. Frauen, Männer, Junge, Ältere säßen dort montags beieinander. „Es fühlt sich authentisch an“, sagt sie.

Bevor sich die Mut-Tourfahrer – begleitet von ein paar Wismarern – auf den Weg nach Schwerin machen, lässt jeder einen Luftballon steigen. Daran hängt ein Zettel mit dem größten Wunsch.

Seit 2012 ist es die dritte Mut-Tour, organisiert von der Deutschen Depressionsliga. Sie ist die Patientenvertretung für Menschen, die an Depressionen leiden und deren Angehörige. 7300 Kilometer fahren 52 Teilnehmer durch Deutschland – auf Tandems, mit dem Kajak und sie reiten sogar auf Eseln. Sie wollen damit einen Beitrag leisten, dass Depressionen als Krankheit nicht stigmatisiert werden.

Oft werde Depression auch mit psychischer Erkrankung gleichgesetzt oder als Synonym für sie verwendet. Zu beobachten sei das zum Beispiel nach dem Amok-Lauf kürzlich in München gewesen. Es sei ungültig, einen Sinnzusammenhang zu den Attentaten mit Depression statt psychischer Probleme herzustellen, heißt es in einer Stellungnahme des Trägers der Tour. Mit den jüngsten Ereignissen habe die Mut-Tour neue Aktualität gewonnen.

Nicole Buchmann

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