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Nordwestmecklenburg Rasten, wo Schliemann Latein lernte
Lokales Nordwestmecklenburg Rasten, wo Schliemann Latein lernte
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20:14 19.04.2017

Der Überlieferung nach saß Heinrich Schliemann in den Jahren 1832 und 1833 oft im Pavillon im Pfarrgarten seines Onkels in Kalkhorst und hat Lateinvokabeln gebüffelt. Besagter Pavillon wurde seit dem vergangenen Jahr saniert und gestern für die Öffentlichkeit eröffnet. Etwas mehr als 70000 Euro wurden für die Sanierung des achteckigen Fachwerkgebäudes benötigt, 67000 Euro kamen aus Fördergeldern der EU, die über die Leader-Aktionsgruppe Westmecklenburgische Ostseeküste ausgegeben wurden.

Zur Eröffnung des Schliemann-Pavillons war auch Dr. Reinhard Witte, Leiter des Heinrich-Schliemann-Museums in Ankershagen, gekommen. Er möchte künftig eng mit Kalkhorst kooperieren und auch Gäste aus dem Geburtsort des Troja-Entdeckers ins westliche Mecklenburg schicken. „Wir hatten lange gezweifelt, ob das hier wirklich Schliemanns Pavillon ist. Durch wissenschaftliche Untersuchungen haben wir jetzt mehr Beweise“, sagte Witte gestern.

Im Roman „Der Traum von Troja“ von Heinrich Alexander Stoll wurde beschrieben, dass der zehnjährige Heinrich bei seinem Onkel in Kalkhorst lebte und im Gartenhäuschen büffelte. „Durch den Roman wurde der Name Schliemann-Pavillon überhaupt erst geprägt“, erklärte Kirchengemeinderat und Hobbyhistoriker Volker Jakobs, der zur Geschichte des kleinen Bauwerks recherchiert hat.

Reinhard Wittes Zweifel an der Geschichte des Bauwerks im Kalkhorster Pfarrgarten konnten von Architektin Konstanze Guhr zerstreut werden. Sie berichtete von einer dendrochronologischen Untersuchung.

Dabei wurden die ältesten Balken analysiert, die im Pavillon verbaut waren. „Die Untersuchung hat ergeben, dass das Holz 1805 und 1806 geschlagen wurde. Das dürfte auch die Zeit des Baus gewesen sein. Allerdings ist über die Jahre immer wieder viel repariert oder verändert worden, sodass nicht mehr viel Originales vorhanden ist“, erklärte sie.

Kalkhorsts Bürgermeister Dietrich Neick gratulierte Pastorin Claudia Steinbrück sowie Dirk Jacoby, der die Sanierung mit initiiert hatte. „Dieses Schmuckstück hat viel Geld gekostet, aber es hat sich gelohnt“, sagte er. „Der Pavillon mit den Informationen über Heinrich Schliemann, die wir auch im Freizeitpark Minimare aufnehmen wollen, wird sicher eine Attraktion für Kalkhorst.“ Bislang wurde auf einem Gedenkstein nur an der Einmündung der Schliemann-Straße über den Archäologen informiert.

Auch Pastorin Claudia Steinbrück hofft, bald regelmäßig Radfahrer oder Ausflügler in ihrem Pfarrgarten begrüßen zu können. Der Pavillon hat dafür extra einen gesonderten Zugang von der Schliemann-Straße aus bekommen. Ein kleiner Pfad aus Kieselsteinen führt dorthin. „Wir haben die Idee, im Pavillon vielleicht kleine Kammerkonzerte im Sommer zu veranstalten“, so Steinbrück, die mit dem Posaunenchor gestern einen Vorgeschmack gab, wie solche Konzerte gestaltet werden könnten.

Bereits im vergangenen Herbst hatte die Kirchengemeinde mit vielen Helfern den weitläufigen Pfarrgarten für künftige Besucher hergerichtet. Rund um den kleinen Teich sind die Büsche und Bäume beschnitten worden, sodass der Schliemann-Pavillon jetzt wieder als ein Schmuckstück präsentiert wird, das sich sogar im Wasser spiegelt. Claudia Steinbrück dankte bei der gestrigen Eröffnung nicht nur den Handwerkern aus der Region, die das Fachwerk, die Mauern und das Schieferdach erneuert hatten, sondern auch für die Fördergelder der EU und die vielen kleinen Beträge von Spendern, die die Sanierung möglich gemacht haben.

Malte Behnk

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