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Nordwestmecklenburg Regionale Wendegeschichte
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20:51 05.10.2017
Die Kirche in Proseken. Hier fand am 18. Oktober 1989 eine vielbesuchte Gesprächsrunde statt, auf Einladung des Neuen Forums. Quelle: Foto: Nicole Hollatz
Proseken

Ein Teil der regionalen Wendegeschichte wurde in der Prosekener Kirche geschrieben. Am 18. Oktober 1989 folgten 2000 Menschen dem ersten Aufruf des Neuen Forums in Wismar zu einer Großveranstaltung in der Kirche in Proseken. Die erste öffentliche und offene Diskussion über die Missstände in der DDR in der Region, über die Möglichkeit eines Sozialismus mit menschlichen Antlitz. 1000 Menschen standen dicht gedrängt in der Kirche. 1000 weitere lauschten auf dem Friedhof den Reden aus den Lautsprechern.

Im Buch „Wismarer Wendegeschichte(n)“, inzwischen zweiter Auflage in der Reihe des Wismarer Archivvereins erschienen, erinnert der damalige Pastor Manfred Harloff an die Ereignisse: „Für uns in Wismar und Umgebung war der 18. Oktober der entscheidende Tag. Diesen Tag haben wir als Befreiung empfunden. Keine Angst mehr haben, aufrecht gehen können, nicht mehr verdummen lassen von der SED und ihren Helfern. Wir sind damals andere Menschen geworden. Und es begann in unserer Kirche.“

Wie die Menschen sich damals gefühlt haben, bleibt heute nur noch erahnbar. Man rechnete mit 300 Menschen in der Kirche. Vor Beginn des Gottesdienstes waren es schon 1000. Niemand durfte mehr rein.

Aus Angst wurde selbst der Stromanschluss überwacht, damit im Kircheninneren nicht plötzliche Dunkelheit für Panik sorgen konnte. Die erste Aktion des Neuen Forums in Wismar sprach sich in der Region schnell rum. „Man konnte damals ja keine Pressekonferenz machen und öffentlich über die Zeitung zu so einer Veranstaltung einladen“, erinnert Manfred Harloff an die Zeit, als die SED mit ihrem Überwachungsapparat noch allmächtig war. Und in der man überwacht, vorgeladen, verhört und im Zweifelsfall auch inhaftiert wurde, wenn man sich mehr oder weniger öffentlich als Systemkritiker äußerte. Schon Tage vor der Veranstaltung riefen Menschen bei ihm an, die Angst vor einer Verhaftung hatten.

Tage vorher kam es in Berlin zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Volkspolizei sowie Mitarbeitern der Staatssicherheit in Zivil.

Mit diesem Wissen blickten die Menschen sorgenvoll auf den Abend des 18. Oktobers 1989 in Proseken. Die, die am kühlen Oktoberabend 1989 in der Kirche dabei waren, beschreiben Gefühle zwischen Angst und Euphorie. Die Volkspolizei stand auf der Kreuzung von Gägelow nach Proseken und sollte eigentlich im Auftrag der Staatssicherheit die Nummernschilder derer aufschreiben, die Richtung Proseken fuhren. Angesichts der Massen gaben die Polizisten auf und regelten stattdessen den Verkehr.

Nicole Hollatz

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