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Nordwestmecklenburg Restaurant verbannt Hunde
Lokales Nordwestmecklenburg Restaurant verbannt Hunde
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10:11 29.06.2017
Ein Mops wartet unter dem Tisch eines Cafés: In den meisten Lokalen im Landkreis sind Hunde erlaubt. Quelle: Foto: Rainer Jensen/dpa
Grevesmühlen/Selmsdorf

Der Hund ist des Menschen liebstes Haustier. Wenn es um den Vierbeiner geht, zeigen Herrchen und Frauchen schon mal vollen Einsatz. Da schrecken sie auch vor Auseinandersetzungen in der Öffentlichkeit nicht zurück – so geschehen vor einigen Tagen in Selmsdorf.

Am Eingang des Restaurants „Hitzegrad“ weist ein Schild deutlich darauf hin: Hunde müssen draußen bleiben. Eine Frau aus Lübeck wollte das aber nicht akzeptieren. Sie forderte, ihr Tier mit ins Lokal nehmen zu dürfen. Es kam zu einer hitzigen Diskussion. Robert Götte, Geschäftsführer vom „Hitzegrad“, blieb jedoch hart. Die Frau durfte sein Restaurant mit Hund nicht betreten. „Tiere kommen hier nicht rein. Ich möchte das als Betreiber nicht. Das ist an der Tür gekennzeichnet“, erklärt er.

Am selben Tag habe es eine ähnliche Situation mit einer Frau aus Hamburg gegeben. Es seien die ersten Vorfälle dieser Art überhaupt gewesen, die Götte in den drei Jahren erlebt hat, in denen er Chef des Hauses ist. „Es waren kleine Hunde. Aber es geht ums Prinzip. Meine Gäste legen darauf wert“, verteidigt der 34-Jährige seine Reaktion und ergänzt: „Wenn Hunde hier reinkommen, kommen auch die Katzenbesitzer und wollen ihre Tiere ebenfalls mit an den Tisch nehmen.“

Für den Restaurant-Betreiber gibt es gute Gründe, Hunden den Zutritt zu verwehren. Nicht zuletzt die Hygiene spielt für ihn eine wichtige Rolle. An Orten, wo Menschen gepflegt speisen möchten, wolle nicht jeder Gast Tiere um sich herum haben – selbst wenn diese ruhig unter den Tischen liegen. „Die Hunde erleben in einem vollen Restaurant eine Reizüberflutung. Sind dann noch mehrere Tiere im Lokal, kann das gefährlich werden“, meint Götte. Auch am Geruch, den vor allem nasse Hunde abgeben, würden sich Gäste stören.

Beim Thema Hund gebe es gravierende Unterschiede zwischen Gästen aus Ost und West, hat der Geschäftsführer des „Hitzegrad“ festgestellt. In den alten Bundesländern sei es gang und gäbe, die Vierbeiner mit in Restaurants und Gaststätten zu nehmen. Anders im Osten: Zu DDR-Zeiten seien Hunde längst nicht in allen Lokalitäten gestattet gewesen, erklärt Götte. So handhabt er es auch heute.

Die Verärgerung der Besitzer kann er verstehen. „Doch die Art und Weise, wie sich die Frau aus Lübeck echauffiert hat, ist unterste Schublade“, meint der Chef des Selmsdorfer Lokals. „Letzten Endes ist diese Frau hier nur Gast.“

Eine gesetzliche Regelung, ob Hunde in Restaurants mitgenommen werden dürfen oder nicht, gibt es nicht. „In den öffentlichen Bereichen, also den Gasträumen, sind Hunde erlaubt. Doch letztlich ist es die Entscheidung des Eigentümers oder Betreibers, ob er Hunden Zutritt gewährt“, teilt Petra Rappen, Sprecherin des Landkreises Nordwestmecklenburg, mit. In den nichtöffentlichen Arealen, wie der Küche, sind die Vierbeiner dagegen strikt verboten.

Das ausgesprochene Verbot in Selmsdorf stellt allerdings eine der wenigen Ausnahmen in der Region dar. Die meisten Restaurants in Nordwestmecklenburg heißen Gäste mit Hunden willkommen.

„Wir würden sonst einen Haufen Gäste verlieren“, sagt Rico Stroll, Mitarbeiter im Restaurant „Zur Seebrücke“ in Boltenhagen. Doch mehr als drei Tiere auf einmal lasse man nicht ins Lokal. „Sie müssen sich vertragen und dürfen nicht nass vom Strand kommen“, nennt Stroll die Bedingungen.

Auch bei Nicole Henoch, Betreiberin des Lokals „Zur Poeler Kogge“ auf der Insel, sind Hunde erlaubt. „Egal, welche Größe und Rasse. Hauptsache sie sind lieb und fressen die Kellner nicht auf“, sagt sie mit einem Schmunzeln. Sie hat allerdings auch Verständnis für ein generelles Verbot. „Nasse Tiere auf Teppichen würde ich auch nicht wollen“, erklärt sie. In ihrem Restaurant gebe es auch schon mal Beschwerden über kläffende Hunde. Doch die meisten Besitzer könnten ihre Tiere schnell beruhigen.

Im Brauhaus am Lohberg in Wismar stehen für Hunde sogar Wassernäpfe bereit. „Die Tiere dürfen mit rein, wenn sie friedlich sind. Bisher haben wir auch noch nie Probleme gehabt“, sagt Inhaber Herbert Wenzel. Und auch ins Hotel-Restaurant „Altes Rathaus“ in Grevesmühlen dürfen Vierbeiner mitgebracht werden. „Die Halter sind für das Handeln der Tiere verantwortlich. Bisher haben wir gute Erfahrungen gemacht“, sagt Kellner Florian Düsing. Das gelte ebenso für die Lesehalle im Ostseebad Boltenhagen, die den gleichen Betreiber hat.

 Daniel Heidmann

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