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Nordwestmecklenburg Großer Andrang zur Einwohnerversammlung in Grevesmühlen
Lokales Nordwestmecklenburg Großer Andrang zur Einwohnerversammlung in Grevesmühlen
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18:03 20.02.2019
Mehr als 250 Einwohner kamen zur Infoveranstaltung in Sachen Breitband ins Rathaus von Grevesmühlen, ein Teil passte nicht mehr in den Saal und musste draußen warten. Quelle: Michael Prochnow
Grevesmühlen

So viel Interesse gab es lange nicht an Veranstaltungen im Grevesmühlener Rathaus. Im Rahmen der Einwohnerversammlung zum Thema Breitband mussten Bürgermeister Lars Prahler und die Mitarbeiter der Wemag, die dazu eingeladen hatten, bereits am Dienstagabend kurz vor 19 Uhr die ersten Gäste vertrösten. Der Rathaussaal war mit rund 250 Personen zu diesem Zeitpunkt bereits so voll, dass niemand mehr hineingelassen wurde, ein Teil der Besucher musste sich ohnehin mit Stehplätzen begnügen. Zu hören bekamen sie einen Vortrag, der bei vielen Grevesmühlenern allerdings mehr Fragen als Antworten beinhaltete. Deshalb gibt es hier die wichtigsten Punkte rund um das Thema Glasfaser in Grevesmühlen:

Wer bekommt einen Glasfaseranschluss? 3799 Haushalte sind laut Wemacom, dem Tochterunternehmen der Wemag, förderfähig. Das bedeutet, sie haben Anspruch auf einen – unter bestimmten Bedingungen – kostenfreien Glasfaseranschluss. Das sind etwas mehr als zwei Drittel der Grevesmühlener Haushalte.

Wann ist der Anschluss kostenfrei? Wenn sich die Kunden in Grevesmühlen in der Planungsphase, das heißt bis zum 30. Juni 2019, für einen Vertrag mit der Wemag/Wemacom entscheiden und einen Zwei-Jahres-Vertrag abschließen. Ohne Vertragsbindung erhöhen sich stufenweise die Kosten. Der reguläre Betrag ohne Förderung für einen einzelnen Hausanschluss beträgt laut Wemacom rund 2500 Euro.

Was passiert, wenn sich jemand nach der Planungsphase, also über den 30. Juni hinaus, für einen Anschluss entscheidet? In der Bauphase gibt es ebenfalls noch die Möglichkeit, sich anschließen zu lassen. Allerdings steigt der Preis dann deutlich an.

Woran erkennt ein Haushalt, ob er im Fördergebiet liegt? Auf der Internetseite der Wemacom gibt es die Möglichkeit, die Adresse einzugeben. Dort werden die einzelnen Haushalte aufgeführt. Aufgrund der Förderrichtlinien kann es passieren, dass innerhalb einer Straße oder eines Wohngebietes bestimmte Haushalte förderfähig sind und andere nicht. In Grevesmühlen ist das beispielsweise im Wohngebiet „An der Trift“ der Fall.

Woran liegt das? 2015 wurden die einzelnen Gebiete bewertet, wer zu diesem Zeitpunkt bereits eine Übertragungsrate von 30 Mbit/s hatte, gilt als ausreichend versorgt. Ebenso wurden Straßen, Häuser und Wohngebiete von der Förderung ausgeschlossen, wo private Unternehmen wie die Telekom einen Ausbau der Internetverbindungen angekündigt hatten. Ganz gleich, ob diese Ankündigung bis heute umgesetzt wurde.

Haben diese Haushalte die Chance, in eine künftige Förderung zu kommen? Unklar, der Landkreis hat zugesichert, sich für weitere Fördermittel starkzumachen. Bislang gibt es allerdings keine konkreten Zusagen.

Bis wann soll das Glasfasernetz fertig sein? Die Wemag/Wemacom hat sich verpflichtet, bis zum 31. Dezember 2020 in Nordwestmecklenburg – ausgenommen die Kreis- und Hansestadt Wismar – das Netz von rund 2000 Kilometern Glasfaser fertigzustellen. Ab Januar 2021 sollen die Anschlüsse dann spätestens laufen.

Was ist, wenn das Netz bis dahin nicht fertig wird? Das, so ein Sprecher der Wemacom auf der Einwohnerversammlung in Grevesmühlen, dürfe und werde nicht passieren. Was mit bis dahin abgeschlossenen Verträgen passiert, ob sie gegebenenfalls gekündigt werden können, dazu gab es keine klare Aussage.

Wie viele Unternehmen realisieren den Ausbau in Nordwestmecklenburg? Laut Wemacom sind acht Tiefbauunternehmen ab Ende April im Landkreis im Einsatz, aufgeteilt in 85 Kolonnen mit insgesamt 300 Mitarbeitern. Die Firmen kommen unter anderem aus Deutschland, Polen, Lettland und Portugal.

Kann ich das alte Telefonnetz im Haus an den neuen Glasfaseranschluss anschließen? Nein, die Wemacom verlegt einen komplett neuen Hausanschluss, die alten Kupferleitungen werden nicht angefasst. Zudem brauchen die Nutzer von Glasfaserleitungen ein Zusatzgerät im Haus, das entweder gemietet (4,99 Euro pro Monat) oder für 299 Euro gekauft werden kann. Die weitere Verlegung der Telefonanlage im Gebäude muss dann ein Fachmann realisieren.

Wie läuft die Beratung vor Ort? Jeder, der einen Vertrag unterzeichnet, bekommt einen Vor-Ort-Termin. Erst wenn dabei die individuellen Details geklärt seien und der Kunde das Protokoll der Begehung unterzeichne, so ein Sprecher der Wemacom, gelte der neue Vertrag.

Was ist mit den alten Telekom-Verträgen? Die müssen die Kunden entweder selbst kündigen oder, wenn die Nummer gleich bleiben soll, übernimmt die Wemacom das. Wer seinen alten Telekom-Vertrag behalten möchte und trotzdem einen Glasfaseranschluss beantragt, muss den neuen Anschluss bezahlen.

Dürfen andere Anbieter die Glasfaserleitungen ebenfalls nutzen? Beziehungsweise, kann ich einen alternativen Anbieter über die neue Leitung empfangen? Jein, theoretisch muss die Wemacom jeden Konkurrenten das Netz nutzen lassen. Aber bislang haben sich noch keine anderen Anbieter mit der Wemacom oder der Wemag in Verbindung gesetzt. Das ist jedoch die Grundvoraussetzung dafür.

Was passiert, wenn sich Haushalte nicht für einen Glasfaseranschluss entscheiden? Nichts, die Telekom hat inzwischen angekündigt, bei den bestehenden Anschlüssen nachzubessern. Übertragungsraten wie beim Glasfaser werden mit den Kupferleitungen zwar nicht möglich sein. Die Frage ist jedoch, wer tatsächlich was braucht.

Und wenn ich einen Glasfaseranschluss haben möchte, aber keinen Vertrag mit der Wemacom abschließen will? Auch das geht, dann kostet der Anschluss 599 Euro bei rechtzeitiger Anmeldung innerhalb der Planungsphase bis zum 30. Juni.

Und wenn ich erst in ein paar Jahren einen Glasfaseranschluss haben möchte? Dann gelten die normalen Sätze für Hausanschlüsse, die liegen aktuell bei rund 2500 Euro.

Michael Prochnow

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