Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Nordwestmecklenburg Rücken- statt Gegenwind
Lokales Nordwestmecklenburg Rücken- statt Gegenwind
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:01 08.10.2018
Theresa Timm (22) und Peter Jacob Wartmann (26) vom „Lindenhof“ in Börzow sind die nächste Generation Bauern auf dem Hof. Die Familie Wartmann besitzt auch in Volkenshagen einen Hof. Dort ist auch die Firma ansässig, die die der Jung-Biolandwirt vor einiger Zeit mit seinen Geschwistern und Partnern gegründet hat – die Windpark GmbH & Co. Bürgerwind Volkenshagen KG. Sie soll vier Windkraftanlagen im Dorf betreiben. Quelle: Annett Meinke
Börzow

Das Thema Windkraft sorgt seit Monaten für heftige Debatten in Nordwestmecklenburg, der Widerstand gegen weitere Anlagen wächst, die Diskussionen um neue Eignungsgebiete schlägt in Widerstand um. In Volkenshagen bei Questin wagt ein Landwirtschaftsbetrieb den Schritt in die Offensive. Das „Pro“ Windkraft für den Bau von insgesamt vier Anlagen hat verschiedene Gründe.

Auf dem Land von Anke Wartmann, geborene Jacobs (54) soll der Windpark entstehen. Die Firma, die den Windpark betreiben wird, heißt „Windpark GmbH & Co. Bürgerwind Volkenshagen KG“. Gegründet haben sie die Kinder und deren Partner von Anke und Jörg Wartmann (58). Sie haben zwei Töchter und einen Sohn. Sohn Peter Jacob ist ebenfalls selbstständiger Landwirt wie seine Eltern und führt seit letztem Jahr seinen eigenen Biobetrieb. Der Familienbetrieb betreibt seit 1990 auf den Höfen der Vorfahren (Peter Jacobs, Volkenshagen und Wilhelm Weck, Börzow) selbstständige Landwirtschaft und hat 2007 auf zertifizierte Biolandwirtschaft umgestellt.

Einvernehmen mit der Gemeinde erzielen

Anke Wartmann habe sich die Entscheidung „pro Windkraft“ nicht einfach gemacht, sagt sie. Letztlich haben ihre Kinder sie überzeugt. Vielleicht auch der Fakt, dass der Ururgroßvater einmal Windmüller in der Region war. Sohn Peter Jacob interessiere sich jedenfalls schon lange für Windkraft, wie er erzählt, genau wie sein Vater. Wartmann junior weiß, dass beim Thema Windkraft die Gemüter hoch schlagen. Ein Windeignungsgebiet ist für Volkenshagen aktuell nicht mehr vorgesehen, –war es aber einmal –, nun ist vielleicht eines für Menzendorf vorgesehen. Doch solange es keinen gültigen Plan für Westmecklenburg gibt, in dem die Eignungsgebiete ausgewiesen werden, das Regionale Raumordnungsprogramm ist aktuell in Planung, kann jeder Investor einen Bauantrag stellen. Solange die Kriterien aus dem Baugesetzbuch eingehalten werden, kann das Stalu die Anlagen genehmigen.

Peter Jacob Wartmann ist wichtig, dass die Gemeinde mit dem geplanten Windpark der Familie leben kann. Deshalb lädt er jeden in der Gemeinde ein, mit ihm darüber zu sprechen. „Jeder kann uns hier auf dem Lindenhof besuchen und mit mir reden. Ich bin von hier und ich werde hier bleiben“, sagt er. „Unserer Familie liegt viel an Gemeinschaft.“ Doch er ist davon überzeugt, dass kein vernünftiger Weg an der Windenergie vorbeiführt, – so wie der Meinung der Familie nach auch kein vernünftiger Weg an biologischer Landwirtschaft vorbeiführt. „Dass wir insgesamt an unserer Art zu denken, zu arbeiten und zu wirtschaften, etwas ändern müssen, das sollte jedem nach diesem ungewöhnlich trockenen Sommer klar sein“, sagt der junge Landwirt.

Die Vorteile eines in der Region von Menschen aus der Region betriebenen Windparks liegen auf der Hand, erklärt Wartmann junior. „Die Erträge aus Steuern, die irgendwann kommen, gehen direkt hier in die Gemeinde. Zudem kann jeder investieren, ab einem Beitrag von 100 Euro.“ Dass es die Familie Wartmann ist, die den Windpark betreibt, ist den Wartmanns wichtig, „auch, wenn Enercon (der größte deutsche Hersteller von Windenergieanlagen, Anm. der Red.) mit im Boot ist.“

Gewinn zum Wohle aller

Die Einnahmen, die der Windpark erzielt, sollen auch dazu dienen, Anwohner zu unterstützen, die im direkten Umfeld der Windkraftanlagen leben.  „Das betrifft im Grunde nur wenige Familien, am dichtesten an den Windkrafträdern dran sind wir auf unserem Hof in Volkenshagen.“, sagt Peter Jacob Wartmann und fügt an: „Wir wollen den Gewinn, den wir erzielen, auch direkt in das Dorfleben investieren, in Vereine, in die Feuerwehr. Wir planen zum Beispiel, ein Windfest zu veranstalten“, so der junge Landwirt. Es gehe seiner Familie generell, sagt er dann, darum, in all ihren Unternehmungen eine Balance zwischen Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit zu erreichen und ihren Betrieb auf verschiedene Standbeine zu stellen. „Nur so können wir flexibel bleiben und müssen nicht auf intensive Nutzung unserer Ressourcen setzen.“, erklärt der Junglandwirt. „Gibt es Mindererträge in dem einen Segment, können die Erträge im anderen die Verluste ausgleichen.“

Die Windkraft wäre dann das fünfte Standbein der Wartmanns, die Ackerbau betreiben, Grünland zur Heuvermarktung bewirtschaften, eine Mutterkuhherde halten und zur Auslastung ihrer Maschinen im Auftrag auch Flächen anderer Landwirte bewirtschaften.

Annett Meinke

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Nordwestmecklenburg Grevesmühlener Senioren engagieren sich - Natur und Kultur

Der Seniorenbeirat der Stadt Grevesmühlen sorgt mit seinen Projekten für neue Ideen.

08.10.2018

Rund 160 Katzen wurden am Wochenende in der Markthalle Wismar ausgestellt. Züchter und Katzenliebhaber sind dafür aus ganz Norddeutschland angereist. Bewertet wurden die Katzen von mehreren – auch internationalen – Richtern.

09.10.2018

Eine 79-Jährige hat offenbar beim Linksabbiegen ein anderes Auto übersehen und so einen Unfall mit vier Verletzten ausgelöst. In der Folge kam es zu Staus.

06.10.2018