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Nordwestmecklenburg Salut für die Schottel-Kanonenbauer
Lokales Nordwestmecklenburg Salut für die Schottel-Kanonenbauer
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22:25 11.11.2013
Stehen stellvertretend für die Schottel-Kanonenbauer vor der Kamera: Hartmut Schmidt, Bernd Schnorr, Hartmut Schießer und Steffen Jerroma (v. l.). Fotos (3): Hans-Joachim Zeigert

Ordentlich gekracht hat es an der Kanalstraße, dem Wismarer Standort der Schottel GmbH. Der jüngste Ehrensalut aus einer der beiden 93 Millimeter-Salut-Kanonen war der bisher lautstärkste gewesen. Der Grund: Die Freunde der Arbeitsgemeinschaft Kanonenbau (AG) weihten vor Publikum zwei Vorderladerkanonen auf Schiffslafetten ein. Und so ließen sie aufgrund des lautstarken Spektakels keinen Zweifel an der Funktionstüchtigkeit der beiden „Donnerrohre“ aufkommen.

„Angefangen haben wir vor etwa drei Jahren. Der Enthusiasmus der Beteiligten, von der technischen Zeichnerin bis hin zum Schweißer war genauso groß, wie damals bei den Koggengeschützen“, weiß Hartmut Schießer noch genau. Und der darf als Geschützmeister im Ehrenamt als einer von wenigen damit umgehen, nachdem er bereits vor etlichen Jahren die Qualifikation erwarb. Schließlich kann niemand so einfach explosives Pulver erwerben, damit herumhantieren, geschweige denn Kanonen zum Abschuss bringen.

Nach der Fertigstellung von zwei Relinggeschützen, sogenannte Drehbassen, die seit 2006 als Geschenk auf der Kogge „Wissemara“ installiert sind, gelten die beiden jüngsten Exponate zweifelsfrei als bisheriges Meisterstück von engagierten und hoch qualifizierten Schottel-Mitarbeitern. Denn diejenigen, die „im richtigen Leben“ für die Herstellung modernster und international gefragter Schiffsantriebe zuständig sind, investierten dafür viel Freizeit. Doch ohne Unterstützung durch die Unternehmensleitung und weiterer Unternehmen wäre dies nicht möglich gewesen.

Allerdings kam den Hobby-Kanonenbauern ein besonderer Umstand zu Hilfe: eine nicht mehr verwendungsfähige, tonnenschwere Schiffsschraubenwelle mit bereits vorhandener Innenbohrung. Daraus resultiert letztendlich besagtes Kaliber. Mit dieser schwergewichtigen Basis war die Voraussetzung für den Bau zweier Schiffs-Lafettengeschütze gegeben.

„So wie einstige Originale aus frühesten Zeiten, wollten wir zunächst die Lafetten stilgerecht aus Holz fertigen lassen, doch das war vom Kostenfaktor für uns nicht erschwinglich“, erklärt Schießer weiter. Denn allein für diese Arbeit einer Fremdfirma waren für Material und Anfertigung gut 5000 Euro veranschlagt worden. Also haben sich die AG-Leute für eine Metall-Eigenausführung entschieden. Das allerdings machte die beiden Objekte mehr als eine halbe Gewichtstonne schwer, konkret jeweils 630 Kilogramm. Damit sind die Salutgeschütze auch ungeachtet ihrer vier Räder recht schwer zu bewegen. Für Mobilität kann da nur ein Gabelstapler sorgen. Die Kanone verbleibt als Präsentationsstück im Unternehmen.

Das zweite Geschütz soll dem öffentlichen Interesse der Hansestadt dienen. Gedanken dazu gibt es bereits. „Wir könnten uns zum Beispiel vorstellen, dass es in der Spitze des Alten Hafens den künftigen Kreuzfahrtschiffen und deren Gästen einen würdigen Willkommens- und Abschiedsalut entbietet“, so erste Ideen von Hartmut Schießer und seinen Freunden aus der Arbeitsgemeinschaft.

Auflagen
Auch Salutgeschütze gelten als Waffen. Wer Kanonen zu repräsentativen Zwecken für das Salutschießen baut, muss diese vom Staatlichen Beschussamt registrieren und zertifizieren lassen.


Bei laufender Nutzung ist nach fünf Jahren dort eine weitere technische Überprüfung fällig. Für den Umgang mit Sprengmitteln sind hohe Sicherheitsstandards einzuhalten. Für den Erwerb einer solchen Berechtigung ist ein spezieller Lehrgang zu absolvieren. Nur dies ermöglicht es überhaupt, Sprengmittel, in diesem Fall Schwarzpulver, zu erwerben.

Hans-Joachim Zeigert

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