Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Nordwestmecklenburg „Schietwetter 2013“ ließ Häuser einstürzen
Lokales Nordwestmecklenburg „Schietwetter 2013“ ließ Häuser einstürzen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:21 28.10.2013
Endlich haben Andre Wagner, Michel Paulike und Martin Mann vom THW Wolgast die „verletzte“ Sarah gefunden. Quelle: Fotos: Klaus Walter
Kägsdorf

Schietwetter: Orkanböen haben Häuser abgedeckt, Regenfälle Straßen und Bahndämme unterspült, Wohngebäude sind eingestürzt, es gibt Verletzte. Etliche Bewohner werden noch vermisst.

„Spätestens seit dem Starkregen 2011 wissen wir, dass solche Situationen real werden können“, sagt Thomas Krimm. Er ist Sprecher der Bundesbehörde Technisches Hilfswerk (THW) und führt in das Übungsszenario von „Schietwetter 2013“ ein. 300 Freiwillige Helfer — sie sind am Sonnabend aus dem ganzen Norden auf das THW-Übungsgelände Kägsdorf gekommen — werden in den nächsten 18 Stunden zeigen müssen, wie sie mit solchen Lagen klarkommen: Vermisste in Ruinen aufspüren, Verletzte versorgen, aus Trümmern bergen, über unwegsames Gelände transportieren.

„Wir haben das dutzende Male geübt“, sagt Finja-Marie Timmermann (24) vom THW Mölln. Heute ist es anders: Die Verletzten sind keine Dummys, keine Puppen. Es sind Verletztendarsteller. Ihre Wunden sind aus Theaterblut, doch sie schreien vor Schmerz. „Man weiß, dass sie nur schauspielern, aber es erzeugt Stress“, sagt Finja-Marie.

Arne Schleußner, Tom Klepper und Peter Burmeister vom THW Wismar bauen aus Baumstämmen und Seilen einen Dreibock. Auch sie machen das nicht zum ersten Mal, doch auch sie halten ab und an inne. Ob der Dreibock hält? Mit seiner Hilfe soll die Seilbahn entstehen, um Verletzte über die Trümmerlandschaft zu transportieren. „Das muss halten“, sagt Klepper.

Die Männer vom THW Wolgast suchen einen Weg in die Ruine. Sie hören die Mädchen wimmern. Sarah-Michelle (9) und Sarah (16) von der Rot-Kreuz-Jugend aus Rostock sind heute „Verletztendarsteller“.

Mutter Martina Tesche, selbst DRK-Mitarbeiterin, hat den Mädchen genau erklärt, wie sich Verletzte verhalten, wie sie schreien, auch leise werden oder bewusstlos.

„Helft mir doch“, fleht Sarah-Michelle. Immer wieder. Andre Wagner, Michel Paulike und Martin Mann vom THW Wolgast kämpfen sich kriechend mit einer Motorsäge durch die Holzbarriere, die sich im Tunnel auftürmt, ziehen die Trage an Seilen hinter sich her. Plötzlich ist das Sägeblatt hinüber, ein neues muss her. Dann ist das Seil an der Trage zu kurz. Endlich erreichen sie Sarah-Michelle.

Und ausgerechnet jetzt fehlen die Einweghandschuhe im Erste-Hilfe-Kasten.

„Alles Punkte, die wir auswerten müssen“, sagt Schiedsrichter Martin Jung. „Dinge, die die Jungs beim nächsten Mal besser machen“, ist er sich sicher.

Gut drei Stunden dauert der Einsatz für jeden der 18 Trupps. Dann ist Manfred Junge mit seinem Team dran: „Essen und Trinken sind das A und O bei einem solchen Einsatz“, sagt der Koch vom DRK-Versorgungszug, der regelmäßig bei den Übungen des THW dabei ist. Der Kesselgulasch, vorsorglich 400 Portionen, schmeckt den Helfern. Auch den Doberanern, die als Gastgeber dieses Mal die Übung „nur vorbereitet“ haben und nachher aufräumen werden. „Wir waren schon Donnerstag hier“, sagt THW-Helferin Wencke Kleine. „Und Sonntagabend machen wir hier das Licht aus.“

Klaus Walter

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Vorsorgevollmacht, Patientenverfügung — für viele böhmische Wälder. Der Betreuungsverein „Der Weg“ klärt kostenlos auf.

28.10.2013

Laden bleibt bis 18. November geschlossen. Verkauf im Außenbereich.

28.10.2013

Regionale Produkte sollen Gäste locken.

28.10.2013