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Schloss Bothmer schwebt auf Eisenträgern

Kellergewoelbe Schloss Bothmer schwebt auf Eisenträgern

Ein Anbau wird als künftiger Fahrstuhlschacht unterkellert. Das Kellergewölbe ist fast fertig, und die Sanierung der Dächer über den Häusern kommt gut voran.

Nordwestmecklenburg. Klütz – Stabil sieht anders aus. Der Anbau, in den im 19. Jahrhundert die Grafen von Bothmer ihre ersten Toiletten mit Wasserspülung einbauen ließen, schwebt auf Eisenträgern über dem Boden. Ein Ende der Träger liegt fest auf der Erde, das andere ragt durch Löcher in der Kellerwand und findet Halt auf einer Betonplatte. „Sehen Sie mal hier“, sagt Steffen Siefert vom Betrieb Bau und Liegenschaften des Landes M-V und weist auf einen durch Druck entstandenen Riss in der Betonplatte. „Da erahnt man, welche Kräfte durch den Anbau erzeugt werden“, erklärt der Projektleiter der Sanierungsarbeiten an Schloss Bothmer in Klütz.Der Grund für das ungewöhnliche Baumanöver: Der Anbau, der künftige Fahrstuhlschacht, bekommt einen Keller. „Nur dann können alle Stockwerke barrierefrei besucht werden“, sagt Steffen Siefert. Der 44-Jährige steht vor der Baugrube und lächelt: „So ein nachträgliches Bauteil kann also durchaus etwas Gutes haben. Es erspart uns einen noch aufwendigeren Neubau.“Unübersehbar sind schon von außen die Fortschritte bei der Dachsanierung. Von der ehemaligen Reithalle und dem Pferdestall wurden die Ziegel abgenommen und lagern säuberlich sortiert und vor Regen geschützt im Hof. „Wir hoffen, dass wir etwa 60 Prozent der alten Dachsteine wieder verwenden können“, sagt Steffen Siefert. 60 Prozent – das ist die Erfahrung vom östlichen Eckpavillon. Auch dort mussten die Ziegel abgenommen werden. „Die Dachdeckerfirma arbeitet sehr sorgfältig“, lobt der Projektleiter. Die Ziegel würden sogar nach den Himmelsrichtungen der Dachflächen sortiert. „Was auf der Nordseite lag, kommt dort auch wieder hin, und was nach Süden lag wieder nach Süden.“Während die Dachsteine auf ihren erneuten Einsatz warten, sanieren die Handwerker den Dachstuhl über dem alten Pferdestall. Denn der sieht gar nicht mehr gut aus. „Hier hat es zu DDR-Zeiten große Eingriffe gegeben“, sagt Steffen Siefert. Um mehr Höhe und Platz zu gewinnen seien Dachbinder und Stiele entfernt worden. Die Löcher sind noch zu sehen. Und der gekachelte Boden ist für ein Dach eher ungewöhnlich. „Hier war die Intensivpflege des Feierabendheims ,Clara Zetkin’ untergebracht“, weiß der Projektleiter. Jetzt tauschen dort die Zimmerleute fast alle Balkenköpfe aus. Braunfäule hatte das Holz befallen. Vom Dach in den Keller: Noch vor Jahresfrist standen Bauhistoriker, Architekten und Handwerker bis zu den Knöcheln in Wasser. Nur über hölzerne Stege ging es von Raum zu Raum. Wie hat sich das Bild geändert: Das Kellergewölbe ist verputzt. Nicht ohne Stolz zeigt Steffen Siefert auf neue Kabel und glänzende Leitungen. „Ich weiß nicht, wie viele Meter wir verlegt haben, aber es sieht doch schon gut aus“, freut er sich.Die nächste Station ist der zukünftige Eingangsbereich. Der Projektleiter stellt sich zwischen zwei Gewölbepfeiler: „Hier kommt einmal die Kasse hin. Ich finde, man bekommt jetzt schon eine Vorstellung davon, wie es einmal aussehen wird.“Insgesamt hat das Land als Eigentümer für die Sanierung des von 1726 bis 1732 erbauten Schlosses in Klütz bis jetzt 20,7 Millionen Euro ausgegeben. Allein in diesem Jahr wurden Arbeiten im Wert von rund zehn Millionen Euro in Auftrag gegeben und sieben Millionen Euro für Bauarbeiten und Honorare bereits bezahlt. „Obwohl wir nun vier Jahre mit dem Schloss zubringen, hat es immer noch Überraschungen“, sagt Steffen Siefert. Eine der jüngsten ist eine Wandmalerei aus dem 19. Jahrhundert, entdeckt in einer der so genannten Cornichen, die das Haupthaus mit den Seitenflügeln verbinden. Ursprünglich war der Raum für Haustechnik vorgesehen. „Dann haben die Konservatoren die Malerei entdeckt, die Weinlaub und eine Stoffdraperie zeigt“, beschreibt der 44-Jährige. Die Laubranke setzt sich in einem Kachelfries fort, das eine gekachelte Wand abschließt. Der Raum war vermutlich einmal das gräfliche Badezimmer. „Wegen der Wandmalerei haben wir beschlossen, auch diesen Raum den Besuchern zu zeigen“, erklärt Steffen Sievert und ist gespannt, welche Überraschungen Schloss Bothmer noch birgt.

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