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Nordwestmecklenburg Schloss Plüschow: Wechsel in der Chefetage
Lokales Nordwestmecklenburg Schloss Plüschow: Wechsel in der Chefetage
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21:30 18.12.2017
Die Leitung des Künstlerhauses teilen sich Miro Zahra und Udo Rathke. Quelle: Foto: Dirk Hoffmann
Plüschow

Das ist Tradition im Mecklenburgischen Künstlerhaus Schloss Plüschow – Miro Zahra und Udo Rathke – beide Künstler und Vorstandsmitglieder im Förderkreis Schloss Plüschow – wechseln sich mit der Leitung des Künstlerhauses ab. Drei Jahre hatte Miro Zahra das Sagen, ab 2018 ist Udo Rathke an der Reihe. Die Lübecker Nachrichten sprachen mit Zahra über die vergangenen drei Jahre, Herausforderungen und Erfolge.

Anfang Januar 2018 übergibt Miro Zahra regulär das Zepter an Udo Rathke.

Schloss Plüschow

Seit 1450 befand sich das Schloss im Besitz der Familie von Bülow. 1758 erwarb der Hamburger Kaufmann Philipp Heinrich Freiherr von Stenglin das Gut als Sommersitz. Seit den 1990er Jahren betreibt der Verein Förderkreis Schloss Plüschow dort das Mecklenburgische Künstlerhaus.

Herzlichen Glückwunsch zur deutschen Staatsbürgerschaft. Nach 38 Jahren nun ein deutscher Pass. Wie fühlt sich das an?

Miro Zahra: Gut. Seit dem 30. November bin ich offiziell auch deutsche Staatsbürgerin.

Sie haben den tschechischen Pass behalten?

Ja, ich habe jetzt eine doppelte Staatsbürgerschaft.

Drei Jahre hatten Sie im Künstlerhaus das Zepter in der Hand, Anfang des Jahres geht es an Udo Rathke. Wie lange wird er „regieren“?

Udo Rathke wird ab Januar 2018 die Leitung des Mecklenburgischen Künstlerhauses Schloss Plüschow übernehmen, für mindestens ein, wahrscheinlich aber zwei Jahre.

Eine bewegte Zeit als Künstlerhausleiterin liegt hinter Ihnen.

Die letzten drei Jahre sind einerseits schnell vergangen, andererseits ist viel passiert. 2015 haben wir zum Beispiel unser großes Jubiläum gefeiert – 25 Jahre Mecklenburgisches Künstlerhaus Schloss Plüschow. Das war bewegend. In dem gleichen Jahr habe ich den Kulturpreis des Landes Mecklenburg-Vorpommern verliehen bekommen. Als Künstlerin, aber auch für meine Aktivitäten und Verdienste um das Künstlerhaus.

Sie haben kürzlich auch eine Klippe umschifft.

Ja, wir haben im Jahr 2016 einen neuen Nutzungsvertrag mit der Gemeinde Plüschow abgeschlossen.

Das fühlte sich eine zeitlang für das Künstlerhaus bedrohlich an. Warum?

Der ganze Prozess um die Neugestaltung des Vertrages lief etwas unglücklich. Das lag vor allen Dingen an der mangelnden, zum Teil nicht offenen Kommunikation vonseiten der Gemeindevertretung beziehungsweise des Amtes Grevesmühlen-Land in Richtung des Künstlerhauses. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten wir immer das sichere Gefühl, das wir in der Gemeinde gern gesehen sind. Dass das, was wir im Künstlerhaus tun, direkte Anerkennung findet. Dass die Menschen, die hier leben, genau wissen, dass wir uns immer als ein Teil der Gemeinschaft empfunden haben. Das tun wir nach wie vor, aber eine kleine Ernüchterung hat die Art und Weise, wie das mit dem neuen Vertrag ablief, schon vorübergehend mit sich gebracht. Auch wenn alles letztlich ein gutes Ende genommen hat. Wir können mit der neuen Nutzungsvereinbarung und dem Geld, das wir mehr zahlen müssen, das aber zusätzlich in den Erhalt des Gebäudes fließt, leben. Und unser Verhältnis zum neuen Bürgermeister Christian Baumann ist jetzt einfach sehr gut.

Also rundherum alles gut im Künstlerhaus?

Ich bin mit dem Erreichten sehr zufrieden. Das Künstlerhaus ist bei Künstlern und beim Publikum sehr beliebt. Die letzte Ausstellung „Ressource Kunst – Nur die Kunst kann die Welt retten!“ war für mich ein besonderer Höhepunkt. Dass es mir gelungen ist amerikanische, israelische und iranische Künstler zusammenzubringen, macht mich wirklich stolz und glücklich. Aber was die Rahmenbedingungen betrifft, bleibt es schwierig. Kunst und Kultur haben es generell nicht leicht, nicht nur in Mecklenburg-Vorpommern. Es ist Jahr für Jahr eine große Herausforderung, die Finanzierung unserer Projekte sicherzustellen und das denkmalgeschützte Gebäude für die künstlerische Nutzung und für die Gemeinde als Eigentümerin zu erhalten.

Hat sich der Ministerwechsel im Kultusministerium diesbezüglich bemerkbar gemacht?

Matthias Brodkorb wurde für uns im Lauf der Zeit ein guter Partner, so habe ich ihn immer empfunden. Ein Minister, mit dem man auch auf kritische Weise umgehen konnte. In seiner Amtszeit konnten wir viel auf den Weg bringen, gerade was die künstlerische Nachwuchsförderung angeht. Das Talentcamp zum Beispiel ist eine Kooperation mit dem Künstlerbund MV. Das andere, große und wichtige Projekt ist der Nachwuchskünstlerpreis MV, der nun alle zwei Jahre verliehen wird.

Keine Angst, dass das unter Kultusministerin Birgit Hesse zurückgedreht werden könnte?

Nein. Mit Birgit Hesse haben wir eine Kultusministerin, die den Landkreis Nordwestmecklenburg gut kennt. Was nicht heißt, dass daraus irgendwelche Bevorzugungen entstehen. Aber sie kennt Schloss Plüschow und seine Ziele aus ihrer Zeit als Lokalpolitikerin und das ist zumindest kein Nachteil. Zudem weiß Birgit Hesse auch um die Bedeutung der Nachwuchskünstlerförderung im Land MV. Der nächste Nachwuchskünstlerpreis wird 2018 verliehen – in diesem Zusammenhang wird zusätzlich zur Ausstellung im Schloss Plüschow auch eine Präsentation in der Landesvertretung in Berlin geplant.

Muss nun Udo Rathke die Leitung all dieser Projekte übernehmen? Weil Sie sich in den kommenden Jahren nur Ihren eigenen künstlerischen Ambitionen widmen – die sicher zu kurz gekommen sind in den vergangenen drei Jahren?

Ich werde natürlich bedeutend mehr an meinen eigenen Kunstprojekten arbeiten als in den letzten drei Jahren. Aber, das bedeutet nicht, dass ich im Künstlerhaus keine Verantwortung mehr übernehme. Die beiden Nachwuchsprojekte zum Beispiel werden nach wie vor von mir betreut.

Gibt es noch andere Kunstprojekte in der Region, um die Sie sich kümmern werden?

In der Hansestadt Wismar existiert seit einigen Jahren der Kunstraum St. Georgen Kirche. Dieser Kunststandort soll noch mehr öffentliche Wirksamkeit erfahren als bisher. Ich werde als Kuratorin im Auftrag der Hansestadt Ausstellungen dort betreuen. Zwei Ausstellungen im Jahr soll es geben. Eine hochkarätige mit einem auswärtigen Künstler, eine weitere mit Künstlern aus MV. Und neue Kontakte zu Skandinavien sollen geknüpft werden. Zusätzlich werde ich auch die Leitung des landesweiten Projektes „Künstler für Schüler“ für den Künstlerbund MV übernehmen.

Interview: Annett Meinke

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