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Nordwestmecklenburg Schönberg: Streit um einen Einsatz für ein Kind in Not
Lokales Nordwestmecklenburg Schönberg: Streit um einen Einsatz für ein Kind in Not
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21:21 16.12.2015

Eine Mutter und ein Vater fürchten um ihre vierjährige Tochter. Das Fieber des Kindes steigt und steigt. Seit mehr als einem Tag. „Wir haben es nicht runtergekriegt. Auch nicht mit Medikamenten und Wadenwickeln“, berichtet Katja Krüger heute. In der Not rief sie am Abend die integrierte Leitstelle an, die alle Aufgaben des Rettungsdienstes in Westmecklenburg koordiniert und sich meldet, wenn ein Bürger in Schönberg, Schwerin, Wismar, Lübesse, Grabow und anderen Orten in der Region die 112 wählt. Mutter und Vater berichten übereinstimmend: „Man wollte uns keinen Rettungswagen schicken.“ Das empört die Eltern bis heute.

Katja und Karsten Krüger berichten, die Leitstelle habe gesagt, sie sollten den kassenärztlichen Notdienst anrufen. Dabei ließen es die Krügers im Interesse ihres Kindes aber nicht bewenden. Sie sahen weiter die Not der Vierjährigen, erkannten ihre eigene Fürsorgepflicht und riefen ein zweites Mal die Leitstelle an. Diesmal griff der Vater zum Hörer. Er berichtet: „Nach langen Diskussionen und Drohen haben sie endlich jemanden geschickt.“ Das Kind wurde in die Uniklinik in Lübeck eingeliefert. Dass der möglichst rasche Einsatz des Rettungswagens das Richtige war, das sehen die Eltern in der Reaktion der Lübecker Ärztin bestätigt. Sie habe gesagt: „Ihre Tochter bleibt sofort hier.“ Das sei wegen des Zustands des Kindes nötig gewesen. Das Mädchen litt nach Auskunft der Eltern nicht nur unter hohem Fieber, sondern bereits unter Schwindel und Gleichgewichtsstörungen. Die Vierjährige habe in der Uniklinik Antibiotika, schmerzstillende Mittel und Ohrentropfen bekommen und habe operiert werden müssen. Wenn das Mädchen noch später ins Krankenhaus eingeliefert worden wäre, dann hätte es für einen Eingriff in eine Spezialklinik gebracht werden müssen, sagen die Eltern nach Gesprächen mit Ärzten.

Das Kind ist wieder gesund. Karsten Krüger bedauert allerdings: „Wir haben bis heute keine Entschuldigung von der Leitstelle bekommen. Sie sind total uneinsichtig.“

Eine Entschuldigung oder Rechtfertigung kommt derzeit aus Sicht der Leitstelle nicht infrage, denn, so begründet es Leiter Edwin Mörer: „Das ganze Verfahren ist bei uns in einer Prüfung.“ Der Landkreis Nordwestmecklenburg sei als Träger des Rettungsdienstes in Kenntnis gesetzt worden. Es handele sich um ein schwebendes Verfahren, zu dem öffentlich keine näheren Auskünfte erteilt werden könnten. Edwin Mörer bestätigte auf Anfrage der LN, dass sich Familie Krüger mit einem Hilfeersuchen an die integrierte Leitstelle gewandt hat. Korrekt sei auch, dass es zwei Telefonate gab und das Mädchen zum Universitätsklinikum in Lübeck gefahren wurde. Mittlerweile habe der für den gesamten Bereich der integrierten Leitstelle Westmecklenburg zuständige ärztliche Leiter des Rettungsdienstes das Ehepaar angerufen, aber: „Es gab keine Einigung.“

Die junge Familie in Schönberg lässt die Angelegenheit nicht einfach auf sich beruhen. Katja und Karsten Krüger erklären: „Es ist wichtig auch für andere Menschen. Andere haben ähnliche Erfahrungen gemacht.“

Hilfe per Telefon
112 ist bei schweren Unfällen und lebensbedrohlichen Erkrankungen zu wählen.

116 117 vermittelt außerhalb der üblichen Praxissprechstunden bei allen nicht lebensbedrohlichen Krankheiten einen Bereitschaftsdienst, wenn jemand dringend ärztliche Hilfe braucht.

Jürgen Lenz

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