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Männer und Frauen und Technik: Geschlechterkampf mit dem Schraubenschlüssel Schraube um Schraube

Das Autohaus Klütz bietet am 23. Juni einen Schnupperkurs für Frauen an. Unter dem Motto: Was (m)ein Mann kann, das kann ich schon lange! Aber stimmt das überhaupt? Haben Männer mehr Ahnung von Technik als Frauen? Ein Experiment.

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Redakteurin Jana Franke mit Meister Maik Rieckhoff.

Quelle: Foto: Michael Prochnow

Grevesmühlen. Maik Rieckhoff, Meister in der Werkstatt des Autocenters Klütz, nimmt sich Zeit, um die OZ-Redakteure Jana Franke und Michael Prochnow in die Geheimnisse der Kfz-Technik einzuweisen. Ein kleiner Vorgeschmack auf den Lady’s Day am kommenden Freitag, 23. Juni. Man muss ja wissen, worüber man schreibt. Also Ohren und Augen auf.

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Das Autohaus Klütz bietet am 23. Juni einen Schnupperkurs für Frauen an. Unter dem Motto: Was (m)ein Mann kann, das kann ich schon lange! Aber stimmt das überhaupt? Haben Männer mehr Ahnung von Technik als Frauen? Ein Experiment.

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Michael: Das hat er eben nicht wirklich gesagt?! Frauen, so Maik Rieckhoff, seien die besseren Zuhörer, wenn es um Technik gehe. Weil sie keine Ahnung hätten, würden sie aufmerksam zuhören. „Männer denken meistens: Das kann ich sowieso.“ Am meisten ärgert mich daran, dass er recht hat. Männer wollen mit ihrem Technikwissen prahlen. Ich bin da keine Ausnahme. Während ich beim Blick unter das Auto versuche, möglichst intelligente Fragen zu stellen, hört Jana einfach zu.

Jana: Und ich habe sogar einiges behalten; weiß, wie eine dringend zu wechselnde Bremsscheibe aussieht und wie der Auspuff aufgeteilt ist. Ich muss schon sagen, so ein Blick unters Auto ist wirklich interessant. Mädels, nicht scheuen, wagt es auch einmal.

Michael: Schrauberkurse für Frauen finde ich grundsätzlich gut. Aber warum gibt es keine für Männer? Denken etwa alle, wir können das quasi von Geburt an? Wer Mammuts gejagt hat, der kann auch den Vergaser eines Rasenmähers wechseln? Als Mann bist du immer dran, wenn es etwas Technisches gibt. Früher konnte angeblich nur einer in der Redaktion die Toner vom Drucker wechseln. Ich glaube, es lag einfach nur daran, dass man sich dabei meistens die Finger mit Toner eingesaut hat. Und das wollten die Frauen nicht.

Jana: Wir Frauen sind eben clever, und du clever genug, das zu erkennen. Nein, mal ehrlich, so ganz gehe ich mit deinem ersten Satz nicht mit. Habe ich ein technisches Problem, versuche ich es erst einmal selber – wie sicherlich viele Frauen. Und mir sind dreckige Toner-Hände lieber, als komische (Macho-)Sprüche von Männern.

Michael: Ein bisschen Spaß muss sein, und mit Humor geht vieles leichter von der Hand. Auch der Tonerwechsel im Redaktionsdrucker. Apropos Humor: Ich konnte es nicht fassen. Mein Nachbar hat tatsächlich noch um 3 Uhr nachts bei uns geklingelt. Mir wäre fast die Bohrmaschine aus der Hand gefallen. Schon komisch, den gibt’s nur als Männerwitz.

Jana: Männer sind wie Osterhasen: Intelligent, charmant, sexy. Aber wer glaubt schon an Osterhasen. Schon komisch, den gibt’s nur als Frauenwitz.

Michael: Das Antennenkabel für den Fernseher in meinem Büro habe ich selbst verlegt. Gut, es kommt mitten in der Wand aus einem ziemlich großen Loch und hängt seit fünf Jahren quer über die Wand. Aber es musste damals schnell gehen. Bis ein Elektriker kommt, wollte ich nicht warten. Es sieht nicht schön aus, aber es funktioniert.

Jana: Stimmt, einen Schönheitspreis kannst du damit in der Tat nicht gewinnen – und ja, darauf kam es in dem Moment auch nicht an. Aber mal ganz ehrlich, das Kabel ist schon die Wucht. Wir Frauen, und hier spreche ich jetzt für mindestens 99,9 Prozent aller Frauen in Deutschland, hätten zuvor den Schrank abgerückt und das Kabel dahinter versteckt (und übrigens auch gleich noch hinter dem Schrank gesaugt).

Michael: Mit 15 Jahren hatte ich zu DDR-Zeiten mein erstes Moped, eine S 51 Elektronik. Auf einen Werkstatttermin musste man damals vier Wochen warten und Ersatzteile gab es sowieso nicht. Also mussten wir selber schrauben. Das hat uns niemand gezeigt, das mussten wir lernen. Das hat Nerven und Zeit gekostet, im Werkunterricht haben wir Betonteile gegossen, dabei hätten wir andere Sachen viel dringender gebraucht. Später habe ich bei meinem Trabant selbst den Motor gewechselt, dreimal musste ich ihn wieder ausbauen, bis keine Schraube mehr übrig war. Das war frustrierend, aber seitdem weiß ich, wie es geht. So ein Trabantmotor wiegt übrigens sehr viel weniger als man denkt.

Jana: Ich hatte weder ein Moped noch einen Trabant. Da kann ich nicht mitreden. Aber ich habe mich auch schon an Dingen ausprobiert, die mir vorher niemand gezeigt hat – mal erfolgreich, mal weniger erfolgreich. Beim Bohren zum Beispiel war das Loch am Ende so groß, dass bequem eine ganze Vogelfamilie darin Platz gehabt hätte. Aber beim zweiten Mal klappte es viel besser. Was soll ich sagen: Das Bücherregal von meinem Sohn hängt jedenfalls noch.

Michael: Als ich unser Auto gekauft habe, einen VW, habe ich im Autohaus die Motorhaube geöffnet, als ich ihn abgeholt habe. Keine Ahnung, warum ich das gemacht habe. Außer dem Einfüllstutzen für das Wischwasser kann ich dort nichts zuordnen. Männer machen so was eben. Motorhaube auf, kurz nicken, Motorhaube zu. Das ist wie früher auf dem Pferdemarkt.

Jana: Und da sind wir beim Punkt: Ihr Männer tut oft so, als hättet ihr Ahnung. Wir Frauen geben eher zu, wenn dem nicht so ist.

Michael: Meine Frau fragt immer, wenn ich zu Hause etwas mache, ob das denn so richtig sei. Das macht mich irre. Und ob wir nicht lieber einen Fachmann fragen sollten. Das kann man machen, muss man aber nicht. Männer sind eben ehrgeizig. Die Benzinpumpe am Motorrad habe ich auch selbst auseinandergenommen, gereinigt und wieder zusammengesetzt. Eine neue sollte 300 Euro kosten, das war mir zu teuer. Bei YouTube gibt es jede Menge Videos, wo jeder Handgriff gezeigt wird. Das hilft ungemein. Man muss nicht alles können, man muss nur wissen, wo man nachschauen kann. Das hat mir mein alter Lehrmeister in der Ausbildung schon gesagt.

Jana: Also, um auf das Kabel im Redaktionsbüro zurückzukommen: Ich kann jetzt verstehen, dass deine Frau fragt, ob das denn alles so richtig sei, was du dort machst. Aber du hast recht, YouTube hat auch mir schon weitergeholfen. Albern finde ich nur Handwerkertipps von Frauen für Frauen. Vor allem dann, wenn sie noch schicke Blusen, neue weiße Turnschuhe, Super-Ausgeh-Frisuren und künstliche, angemalte Fingernägel beim Spachteln tragen. Völliger Schwachsinn, völlig unrealistisch.

Michael: Ich hätte nichts dagegen, wenn meine Frau den Rasenmäher auseinandernimmt und repariert. Vielleicht würde ich mich wundern, aber ich glaube, ich würde es gut finden.

Jana: Ich glaube, dass in uns Frauen viel mehr steckt als wir selbst ahnen. Wir müssen uns nur mehr zutrauen; einfach anpacken. Aus eigener Erfahrung weiß ich: Wenn man es will, dann klappt es auch. Gut, einen Rasenmäher kann ich (noch) nicht auseinandernehmen, aber wenn ich es wollte, dann würde ich auch das schaffen. Davon bin ich überzeugt. Nur das Zusammenbauen wird vielleicht etwas schwierig, aber dafür hole ich mir dann einen Fachmann, wenn YouTube nichts hergibt.

Michael: Jeder hat Vorurteile, bewusst oder unbewusst.

Jana: Hm, in diesem Zusammenhang hätte ich mal eine Frage: Warum hängen in Männer-Garagen oder in Werkstätten eigentlich immer Kalender mit nackten Frauen? Kein Wunder, dass die Reparaturen so lange dauern, wenn ihr Männer nur abgelenkt seid. Oder arbeitet es sich einfach besser mit blankem Busen vor Augen?

Michael: In meiner Werkstatt hängt auch so ein Teil. Meine Frau hat ihn sogar einmal abgenommen und hinter den Schrank gestellt. Jetzt hängt er wieder am Verteilerkasten. Ich habe keine Ahnung, warum Hersteller von Kettensägen und Autoersatzteilen halbnackte Frauen in den Wald und einen Fotografen davorstellen. Frauen sehen eben besser aus. Wenn ein Mann in Unterhosen Werbung für eine Kettensäge machen würde, sieht das wahrscheinlich ziemlich seltsam aus. Um es kurz zu machen: Der Pirelli-Kalender ist Kult. Und Kult kann man nicht erklären. Punkt.

Jana: Vor Beginn der Motorradsaison hättest du dein Motorrad in die Werkstatt gebracht, hast du mir erzählt. Soso, sagt der, der beim Autokauf klug nickend unter die Motorhaube schaut . . .

Michael: Sicher ist sicher. Vielleicht hätte ich es auch allein hinbekommen. Aber man muss wissen, wo die Grenzen sind. Und irgendwie fühle ich mich sicherer, wenn ich weiß, dass die Fachleute von Wandel und Partner die Schrauben angezogen haben. Es ist auch keine Schande, wenn man sich eingesteht, dass man mit seinem Latein am Ende ist. Das Motorrad muss sicher sein. Und dafür sind Werkstätten nunmal da.

Lady’s Day im Autocenter Klütz am 23. Juni

Freitag, 23. Juni: Von 17 bis 20 Uhr erklären die Experten im Autocenter Klütz (Boltenhagener Straße), worauf es beim Fahrzeug ankommt. „Es geht nicht darum, dass die Frauen anschließend ihr Auto reparieren, sie sollen nur lernen, was wichtig ist“, erklärt Meister Maik Rieckhoff. Dazu gehöre eine kurze Einführung, welche Lampe wohin gehört und wie man beziehungsweise Frau Glühlampen selbst wechselt. „Zumindest dort, wo es möglich ist. Bei vielen Autos muss die Werkstatt ran.“ Denn oftmals würden sich die Kunden wundern, weshalb das Auswechseln einer Glühlampen eine halbe Stunde dauert.

„Die Fahrzeuge werden immer kompakter und Reparaturen aufwendiger. Und auch das erklären wir an diesem Tag“, so Rieckhoff.

Es ist bereits die zweite Veranstaltung dieser Art im Autocenter Klütz. Die Resonanz bei der Premiere war so gut, dass jetzt der zweite Termin ansteht. Dabei geht es nicht in erster Linie um einen „Schrauberkurs“, sondern vielmehr um das Verständnis für die Technik. „Und da sind Frauen oft die besseren Zuhörerinnen“, betont der Kfz-Meister.

Anmeldungen: Teilnehmer/innen sollten sich vorher anmelden. Das

Autocenter Klütz ist zu erreichen

unter ☎ 038825 / 30 60

Jana Franke und Michael Prochnow

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