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Nordwestmecklenburg Schüler erobern den Bürgermeister-Stuhl
Lokales Nordwestmecklenburg Schüler erobern den Bürgermeister-Stuhl
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20:17 30.08.2018
Bürgermeister-Schreibtisch statt Schulbank: Die Mädchen und Jungen der Klasse 4b der Grundschule „Am Ploggensee“ schauten gestern Lars Prahler über die Schulter und erfuhren viel über seine Arbeit. Quelle: Foto: Jana Franke
Grevesmühlen

Wenn Maximilian Welzer Fiona Koliwer heiratet, Julian Brand als Stadtpräsident um Ruhe unter den Stadtvertretern bittet und Luis Hasler als Bürgermeister auf einem Signaturpad unterschreibt – dann ist Sachkundeunterricht in der Klasse 4b der Grundschule „Am Ploggensee“ in Grevesmühlen. Unter der Überschrift „Lernen an einem anderen Ort“

ermöglichten Klassenlehrer Thomas Effenberger und Bürgermeister Lars Prahler den Schülern gestern Vormittag einen Einblick in das Rathaus-Leben. Wie sieht eigentlich das Büro des Bürgermeisters aus?

Was macht er so den ganzen Tag? Zockt er am Computer oder bearbeitet er doch Mails? Wie funktioniert eine Stadtvertretersitzung? Fragen über Fragen, die die Viertklässler im Gepäck hatten. Und große Ernüchterung bei einigen, dass der Bürgermeister am Computer doch nicht mit PC-Spielen die Zeit totschlägt.

Die Ploggenseeschule nennt es „Lernen an einem anderen Ort“, die Stadtverwaltung „Demokratie lernen“. Der Blick ins Rathaus soll keine Eintagsfliege gewesen sein. Insbesondere auch Jugendliche sollen angesprochen werden, die demnächst wählen dürfen. Das Gymnasium „Am Tannenberg“ und die Regionale Schule „Am Wasserturm“ signalisierten bereits Interesse an einer ähnlichen Veranstaltung für Jugendliche.

Erster Anlaufpunkt für die Grundschüler war gestern das Büro des Bürgermeisters. Akten waren keine zu finden, was den einen oder anderen verwunderte. Aber heute werde das meiste eben digital bearbeitet, begründete Lars Prahler. Auf dem Bürgermeisterstuhl Platz nehmen durfte Luis Hasler, der auf der Pole Position auch erfuhr, welche Musik der Bürgermeister gern hört, die manchmal aus der Bluetooth-Box klingt. Doch zunächst durften die Kinder raten. Vorschläge wie Helene Fischer, Ben Zucker, AC/DC, Justin Bieber und „Bibi und Tina“ kamen. Alles falsch. Unser Stadtoberhaupt holt sich Kraft für den Arbeitstag mit Songs der Band „Get Well Soon“.

Nächste Station war das Standesamt. Und zu diesem gehört auch ein Brautpaar, das Maximilian und Fiona mimen durften. Maximilian würde seine Mitschülerin später gern heiraten, verriet er. „Wir haben auch schon geknutscht, bestimmt 20-mal“, verriet er und bekam einen Zeithieb seiner „Partnerin“, die ihn darauf hinwies, dass das in der Zeitung stehen könnte. Der Standesbeamte Heinz Erich Karallus erklärte den Kindern seine Arbeit – und bat natürlich nicht um das Ja-Wort der beiden. Denn schließlich sind sie noch zu jung zum Heiraten. Mindestens neun Jahre muss der neunjährige Maximilian noch warten, bis er seine Fiona ehelichen darf.

Über das Bürgerbüro ging es zum Rathaussaal, in dem die Stadtvertretersitzungen stattfinden – die nächste übrigens am kommenden Montag. Die Klassensprecher Julian Brand und Lilly Podlech durften als Stadtpräsident beziehungsweise Stellvertreterin auftreten. Auf der Tagesordnung standen die Themen Schulessen, Spielplatz und Sportunterricht. Und schon ging die muntere Diskussion los – durcheinander. Aber Julian wurde als Leiter der Versammlung immer mutiger und brachte – mit Unterstützung des echten Bürgermeisters – Ruhe in den Saal. Abgestimmt wurde auch, nämlich einstimmig, dass das Essen im Hort reichhaltiger und manchmal auch leckerer sein soll. Wenn Politik doch immer so einfach sein würde . . .

Jana Franke

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