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Nordwestmecklenburg Schülerverkehr: Eltern hoffen auf Entlastung
Lokales Nordwestmecklenburg Schülerverkehr: Eltern hoffen auf Entlastung
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01:09 13.01.2016
Zur Ent- lastung der Eltern muss ein neues Ticket eingeführt werden.“Simone Oldenburg (Linke), Bildungs- und Kulturausschuss des Kreistages

Der neue Nahverkehrsplan ist eine Herausforderung — eine logistische für die Nahbus Nordwestmecklenburg GmbH und eine finanzielle für Eltern, deren Kinder eine für sie örtlich nicht zuständige Schule besuchen. 1360 sind es an der Zahl. Für ein schon reduziertes Busticket müssen Eltern 75 Euro im Monat zahlen, für das zweite Kind noch einmal 60 Euro.

Eine finanzielle Härte, findet Dagmar Rogall, stellvertretende Schulleiterin der Regionalen Schule in Lüdersdorf.

Neues Ticket für Schüler

42 Schüler aus der Gemeinde Selmsdorf würden die für sie örtlich nicht zuständige Schule in Lüdersdorf besuchen. Ein Recht, das das Land eingeräumt hat — nicht aber das Recht, kostenfrei zu fahren.

Das wäre der Fall, wenn diese Schüler in der eigenen Gemeinde zur Schule gehen würden. „Wenn die Kosten für Eltern ins Unermessliche steigen, hat das für mich mit Schulwahlrecht nicht mehr viel zu tun“, erklärte Dagmar Rogall. Für das Ticket für 75 Euro könnten die Schüler zwar auch bis Wismar fahren, „aber das wollen sie doch gar nicht. Sie wollen nur zur Schule. Der Preis des Tickets sollte gesenkt werden“, argumentiert sie auf der Sitzung des Bildungs- und Kulturausschusses des Kreistages am Montagabend.

Diese Meinung teilt auch Simone Oldenburg (Linke), Ausschussmitglied. „Wenn der Wohnort der Schüler dichter an der örtlich nicht zuständigen Schule ist als an der örtlich zuständigen, sollten die Eltern weniger zahlen. Ein kürzerer Schulweg bedeutet einen kürzeren Tag für die Kinder. Es muss ein neues Ticket eingeführt werden“, fordert sie. In ihren Augen sei auch an die Schüler aus dem Landkreis, die Berufsschulen im Landkreis besuchen, zu denken. „Alle Auszubildenden im ersten und zweiten Lehrjahr, die weniger als 750 Euro Ausbildungsvergütung bekommen, müssten bezuschusst werden, und wenn es nur 15 Euro sind“, so Simone Oldenburg. Das sei schon eine Pflicht, um „den Berufsschulstandort zu stärken“.

Buszeiten verschoben

Verärgert sind auch viele Eltern, so Dagmar Rogall, weil Busfahrzeiten teilweise gestrichen oder nach hinten verschoben worden sind. Von vielen ungeklärten Dingen spricht auch Heidrun Teichmann, Bürgermeisterin in der Gemeinde Neuburg. Simone Oldenburg machte mit ihrem Sohn, der das Grevesmühlener Gymnasium besucht, die Erfahrung, dass er, wenn er nach der siebten Stunde Unterrichtsschluss hat, zum Busbahnhof regelrecht rennen muss, um den Bus noch zu erreichen. Am Gymnasium fahren die Busse nur nach der sechsten und achten Stunde ab. „Der Fahrplan steckt noch in den Kinderschuhen. Es wird daran gefeilt und wir gehen auf Anfragen der Eltern, die an die Kreisverwaltung herangetragen werden, ein“, verspricht Karla Krüger, Beigeordnete der Landrätin Kerstin Weiss.

Wunsch nach Bedarfshaltestelle

Ein ganz anderes Problem beschäftigt Frank Vogt aus Wohlenhagen — nicht erst mit dem neuen Nahverkehrsplan. Seine Tochter (13) und sein Sohn (16) besuchen das Gymnasium in Grevesmühlen. Der Bus fährt vom 1,5 Kilometer entfernten Niendorf Richtung Schule. „Die Straße dorthin ist schmal, unbeleuchtet und führt an einem Waldstück vorbei. Im Winter ist der Bereich glatt. Ich finde, dass das für die Kinder gefährlich und unzumutbar ist“, meint er. An die Kreisverwaltung wandte er sich mit der Bitte, eine Bedarfshaltestelle in Wohlenhagen einzurichten. „Der Bus würde von Niendorf nur zwei Minuten brauchen, kann wenden und fährt zurück“, führt er aus. Frank Vogt fährt seine Kinder jeden Morgen zur Haltestelle in den Nachbarort und holte sie nachmittags wieder ab. „Ich sehe hier Handlungsbedarf seitens der Kreisverwaltung.“ Er würde auch für den sogenannten Anrufbus zahlen, der die Kinder täglich zur Haltestelle bringt, „aber auch der kann hier nicht halten, weil bei uns im Ort keine Haltestelle ist“, erläutert er.

Das Problem von Frank Vogt ist dem Landkreis bekannt. Aber: „Weitere Auskünfte sind leider nicht möglich, da es laufende Gerichtsverfahren gibt“, heißt es in einer Stellungnahme.

Eine gemeinsame Sitzung des Bildungausschusses mit Vertretern des Wirtschaftsausschusses und der Nahbus GmbH zur Klärung einiger Fragen findet am 29. Februar im Kreistagssaal der Malzfabrik Grevesmühlen statt.

Zahlen und Fakten

1360 Schüler im Landkreis besuchen eine örtlich nicht zuständige Schule, sprich: eine Schule außerhalb ihrer Gemeinde. Der Landkreis gewährt keinen Zuschuss für die Busfahrten zur Schule.
Knapp 400000 Euro müsste der Landkreis aufbringen, wenn er die Fahrten oben genannter Schüler mit 50 Prozent bezuschusst.


Die Gemeinde Insel Poel gewährt als einzige im näheren Umkreis Schülern aus Wismar, die die Schule auf der Insel besuchen, einen Zuschuss. Für Eltern ein Segen, für die Gemeinde ein Mittel zur Standortsicherung der Schule.
Die Kosten sind für die Eltern ins Unermessliche gestiegen.“Dagmar Rogall, stellvertretende Schulleiterin der Regionalschule in Lüdersdorf

Jana Franke

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