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Schuss ins Auge: Sechseinhalb Jahre Haft für den Haupttäter

Klütz/Schwerin Schuss ins Auge: Sechseinhalb Jahre Haft für den Haupttäter

Mehr als zwei Jahre nach einem Überfall auf einen 19-Jährigen in Klütz endete gestern der mittlerweile zweite Prozess mit hohen Haftstrafen für die drei Angeklagte.

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Zwei der drei Angeklagten auf dem Weg in den Verhandlungssaal: Christian B. (vorn) und der Haupttäter Marcel A.

Quelle: Cornelius Kettler

Klütz/Schwerin. Mehr als zwei Jahre nach einem folgenschweren Überfall auf einen 19-Jährigen in Klütz sind gestern drei Männer zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden. Das Landgericht Schwerin sah es in dem neu aufgerollten Verfahren erneut als erwiesen an, dass die unter Alkohol- und Drogeneinfluss stehenden Angeklagten in der Nacht zum 24. Juni 2014 in den Wohnwagen des Opfers einfielen, den jungen Mann körperlich misshandelten und Munition für ein dort gefundenes Luftgewehr von ihm mit einem Messer erpressten. Einer von ihnen schoss dann mehrfach mit der Waffe auf den heute 22-Jährigen, der dabei ein Auge verlor.

Ohne ihn wäre es nie zu dieser Eskalation der Gewalt gekommen.“ Otmar Fandel, Richter am Landgericht Schwerin, über die Rolle des Haupttäters

„Alle Beteiligten hatten Glück, dass die Kugel nicht ein paar Zentimeter weiter hinten im Hirn gelandet ist“, sagte der Vorsitzende Richter bei der Urteilsbegründung. Der Schuss hätte tödlich sein können. Der 26 Jahre alte Schütze Marcel A. wurde von der Strafkammer unter anderem wegen schwerer und gefährlicher Körperverletzung zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt. Eine belegbare Tötungsabsicht sah die Kammer aber nicht.

Die beiden anderen 24 und 26 Jahre alten Angeklagten, Christian B. und Steffen N., wurden jeweils zu zweieinhalb und viereinhalb Jahren Haft verurteilt. Die Verteidiger hatten für Freispruch, eine Bewährungsstrafe und nicht mehr als viereinhalb Jahre Haft plädiert. Mit dem Urteil folgte die Strafkammer zum großen Teil den Forderungen der Staatsanwaltschaft. Bei der Urteilsfindung sei die Aussage des Opfers ausschlaggebend gewesen.

Im Januar 2015 hatten Richter am Landgericht in erster Instanz bereits Haftstrafen von zweieinhalb, dreieinhalb und viereinhalb Jahren verhängt. Gegen das Urteil legten die Angeklagten und auch das Opfer Revision ein. Die ließ der Bundesgerichtshof zu und hob das Urteil wieder auf. Die Strafkammer habe einige Punkte, etwa den möglichen Tötungsvorsatz, nicht ausreichend geprüft, hieß es zur Begründung.

Unklar ist trotz der erneuten Verhandlung, weshalb die drei jungen Männer das Opfer derart misshandelten. In der Verhandlung hieß es dazu, dass die drei Angeklagten vergeblich den Schlüssel für einen Opel Corsa vom Opfer gefordert hatten. Das 22-jährige Opfer hatte vor Gericht mehrfach deutlich gemacht, dass es damals große Angst vor den Tätern gehabt habe. Die Brutalität der Männer, die den jungen Mann in seinem Wohnwagen mit Schlägen, Tritten, einem Messer und schließlich mit einem Luftgewehr schwer verletzten, hatte auch die Ermittler schockiert. Richter Otmar Fandel stellte in seiner zweistündigen Urteilsbegründung die besondere Rolle des Haupttäters Marcel A. fest: „Ohne ihn wäre es nie zu dieser Eskalation gekommen.“ Daher sei hier auch der minderschwere Fall bei der Bemessung der Haftstrafe ausgeschlossen worden. Die drei Angeklagten hatten ausgesagt, dass sie durch den Konsum von Alkohol und Kokain erheblich beeinflusst gewesen seien. Das allerdings wertete das Gericht als Schutzbehauptung. Richter Fandel: „Die Dauer der Misshandlungen, das gezielte Vorgehen und das Beseitigen von Beweismitteln spricht dafür, dass sie wussten, was sie taten.“ So hatten die Angeklagten, als sie erkannt hatten, dass das Opfer durch das Projektil im Auge schwer verletzt war, das Luftgewehr und das Telefon des 22-Jährigen mitgenommen. Zudem hatten sie ihm gedroht, dass sie wiederkommen würde, wenn er die Polizei rufen würde.

Das Opfer lief, nachdem die drei jungen Männer den Wohnwagen verlassen hatten, zu den Nachbarn, die schließlich den Notarzt alarmierten. In der Lübecker Uniklinik wurde das Projektil entfernt, das Auge allerdings war nicht mehr zu retten. Der Schuss war laut den Ermittlungsergebnissen aus einer Entfernung von etwa 20 Zentimetern auf den Kopf des jungen Mannes abgegeben worden.

Aleksandra Bakmaz und Michael Prochnow

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