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Nordwestmecklenburg „Schuss ins Auge hätte tödlich enden können“ Am zweiten Tag
Lokales Nordwestmecklenburg „Schuss ins Auge hätte tödlich enden können“ Am zweiten Tag
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19:12 03.05.2016

„Die Verletzung am Auge war nicht lebensgefährlich, aber es hätte durchaus tödlich enden können.“ Diese Feststellung von Dr. Ivana Gerling, Fachärztin an der Universitätsklinik Lübeck, hallte gestern im Saal 11 des Landgerichts in Schwerin noch lange nach.

Die 59-Jährige hatte im Sommer 2014 Peter N. behandelt, der in der Nacht zuvor im Wohnwagen seines Vaters, der in Tarnewitzerhagen abgestellt war, von drei Bekannten überfallen und durch einen Schuss mit einem Luftgewehr am rechten Auge schwer verletzt worden war. In der Folge erblindete der damals 19-Jährige auf dem Auge. Für ihre Tat wurden die Angeklagten Marcel A., Christian B. und Steffen N.

aus Klütz, die zum Zeitpunkt des Vorfalls stark alkoholisiert waren und unter Drogen standen, zu viereinhalb, dreieinhalb und zweieinhalb Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Das Opfer und die Angeklagten legten Revision gegen das Urteil ein. Der Bundesgerichtshof entschied, dass der Fall wegen Verfahrensfehlern noch einmal aufgerollt wird. Zudem wirft das Opfer den beiden Angeklagten Marcel A. und Steffen N. versuchten Totschlag vor.

Geschossen hatte Marcel A. In der Augenklinik in Lübeck, in die Peter N. nach dem Vorfall stationär aufgenommen worden war, wurde das Projektil operativ entfernt. Durch den Schuss, so sagte die Ärztin gestern aus, wurde die Augenlinse zerstört und die Netzhaut löste sich. In ihrer Laufbahn als Ärztin habe sie zweimal erlebt, dass eine solche Tat tödlich endete. „Das Diabolo ist im Augapfel stecken geblieben. Es hätte aber auch ins Schädelinnere gelangen können.“ Das könnte den Tod bedeuten. Der hätte auch eintreten können, wenn es durch das verwundete Auge zu Komplikationen gekommen wäre, hieß es. „Eine Entzündung des Gehirns zum Beispiel“, erläuterte Dr. Ivana Gerling.

Neben der Verletzung am Auge hatte sie zwei Schnittverletzungen am Hals festgestellt. Auch die soll Marcel A. dem Opfer zugefügt haben, um die Herausgabe der Munition zu erzwingen. Zudem wurden Verletzungen am Finger, an den Schultern und am Unterarm auf Fotos festgehalten. N. sei „schmerzgeplagt gewesen“, so die Ärztin.

Marcel A. sagte bereits vor zwei Wochen aus, Christian B. und Steffen N. ließen gestern von ihren Verteidigern eine Erklärung verlesen. Eine weitere Vernehmung durch die Richter und die Staatsanwältin wurde darin ausgeschlossen. Christian B. habe von der Tat nicht viel mitgekommen, weil er die meiste Zeit mit dem Kopf auf dem Tisch liegend geschlafen habe, hieß es in dem Schriftstück. Erst durch die Schmerzensschreie von Peter N. sei er erwacht und letztlich schlaftrunken und halb orientierungslos abgehauen. Steffen N., so ließ er gestern verlesen, wollte Peter N.

nur Angst machen, weil der zuvor den Lkw seines Vaters mit Fäkalien beschmiert hatte. Mit einer Sturmmaske auf dem Kopf habe der Angeklagte das Opfer getreten und geschlagen. Als er zum Verschnaufen im Freien war, habe er einen Schuss gehört.

Gegen sechs Uhr morgens klingelte es an der Haustür von Carola W. aus Tarnewitzerhagen Sturm. Peter N. suchte nach der Tat bei ihr Hilfe. „Ich habe sofort den Rettungswagen gerufen“, sagte die 48-Jährige gestern aus. Blutüberströmt sei er nicht gewesen, erzählte sie. Vielmehr sprach sie von einem dunklen Auge und Schnittverletzungen am Hals. Namen der Täter habe sie nicht von ihm erfahren.

Marcel A. scheint ein Waffennarr zu sein. Das sagte gestern auch die Ex-Freundin von Christian B. aus, die bei der Tat zugegen war, aber in der ersten Verhandlung freigesprochen wurde. „Er hatte immer eine Sporttasche mit Waffen dabei“, erzählte sie. Zur Tatnacht selbst machte die 19-Jährige von ihrem Auskunftsverweigerungsrecht Gebrauch.

Von Jana Franke

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