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Nordwestmecklenburg Schwansee hat seine eigene Chronik
Lokales Nordwestmecklenburg Schwansee hat seine eigene Chronik
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18:23 22.04.2017
Hobby-Historiker Manfred Rohde zeigt sein neues Werk: Die Chronik zu Schwansee. Das Buch ist 204 Seiten dick. Quelle: Foto: Daniel Heidmann

Stellen Sie sich vor: Sie feiern einen runden Geburtstag und keiner bekommt es mit. Dieses Schicksal ereilte im vergangenen Jahr Schwansee. Das 700-jährige Jubiläum des am 1. August 1316 erstmals in einer Urkunde erwähnten Ortes war allen Verantwortlichen durchgerutscht – auch Hobbyhistoriker Manfred Rohde. So einen Fauxpas wird es künftig aber wohl nicht mehr geben. Denn der 65-Jährige hat jetzt eine Chronik über Schwansee veröffentlicht. „So etwas wie ein nachträgliches Jubiläumsgeschenk“, meint Rohde.

Hier ist das Buch erhältlich

Die Chronik Schwansee gibt

es bei: Manfred Rohde

(☎ 03881/7566874 oder

mm-rohde@t-online.de) oder bei

UM-Foto digital in der Wismarschen

Straße 33 in Grevesmühlen.

Das Buch kostet 25 Euro.

Das 204 Seiten dicke Buch hat Rohde in beachtlicher Schnelle fertiggestellt. Erst im Dezember vergangenen Jahres hatte er nach Gesprächen für sich beschlossen, das Projekt Schwansee-Chronik zu realisieren. „Das Thema kam damals wieder auf. Die Nachfrage war aber schon immer da“, erklärt der Autor. Es ist nicht das erste Buch von Rohde, der sich schon immer für Heimat- und Regionalgeschichte interessiert hat. Im Jahr 2005 hatte er unter anderem auch eine Chronik für Kalkhorst zusammengestellt. Weil darin schon teilweise die Geschichte zum dazugehörigen Ortsteil Schwansee angerissen wurde, musste Rohde jetzt nicht ganz bei Null anfangen. Der Rentner konnte bereits auf umfangreiches Material im privaten Archiv zurückgreifen. „Das Gerüst stand schon. Dennoch ist es nicht gewöhnlich, dass das so schnell geht“, sagt er. Zum Vergleich: An seinem vorherigen Buch „Kalkhorst – Maler und Grafiker“ hatte Rohde zehn Jahre gearbeitet. Die nun veröffentlichte Chronik ist schon sein neuntes Werk.

Rohde stellt darin die „abwechslungsreiche und spannende Geschichte“ von Schwansee seit 1316 dar. Er zeigt, wie sich der Ort über die Jahrhunderte von einem Gutsdorf zu einem heute modernen, touristisch geprägten Flecken im Klützer Winkel entwickelt hat. Dafür hat er auch 114 Abbildungen abdrucken lassen, die einen Blick in die Vergangenheit ermöglichen. „Das macht Geschichte erlebbarer“, meint der Buchautor. Er habe auch versucht, die Entwicklungen des Ortes in die gesamtdeutsche Geschichte einzubetten. Erlebnisberichte machen die Auswirkungen bestimmter historischer Ereignisse auf Schwansee deutlich. Beispielhaft nennt Rohde den Aufruf Kaiser Wilhelms II. an das deutsche Volk am 6. August 1914. In der Folge mussten auch Männer aus Schwansee an die Fronten des Ersten Weltkrieges.

Insgesamt beinhalte die Historie von Schwansee Entwicklungen wie es sie in vielen Orten gegeben hat, aber auch ganz spezielle Merkmale, erklärt der Hobbyhistoriker. So habe es im früheren Rittergut ein sogenanntes Patrimonialgericht gegeben, ein eigenständiges Tribunal der adligen Gutsherren. Es kam bei niederer Gerichtsbarkeit zum Einsatz, beispielsweise bei Diebstählen. „Ungewöhnlich ist, dass es dieses Gericht in Schwansee noch bis weit ins 19. Jahrhundert gegeben hat“, erzählt Rohde. Er habe in seinem Archiv ein entsprechendes Siegel aus dem Jahr 1885 gefunden. Auch eine Polizeistation am Rittergut war eine Besonderheit.

Und natürlich spielt in der Chronik auch die besondere Lage des Ortes zu DDR-Zeiten eine Rolle. „Schwansee lag nicht im Sperrgebiet, war aber eingezäunt“, erläuert Rohde. Er könne sich noch daran erinnern, wie Kinder in den 1960er Jahren auf den Grenzturm steigen und durch das Fernglas der Wachposten auf die Ostsee schauen konnten.

Rohde wuchs selbst in Kalkhorst auf und besuchte von 1962 bis 1966 die Schule im Ortsteil Schwansee. „Der Vater des heutigen Kalkhorster Bürgermeisters Dietrich Neick war damals mein Mathematiklehrer“, erzählt er. Nach der Schule fuhr Rohde für die Deutsche Seereederei über die Meere. Später war er als Steuerberater tätig. Vielen ist er als ehemaliger Schlossherr von Kalkhorst bekannt. Im Jahr 1999 erwarb er das Anwesen, 2015 verkaufte er es wieder. Mittlerweile genießt Rohde seinen Ruhestand in Grevesmühlen.

Sein Buch ist im Übrigen nicht der erste Versuch, eine Chronik für Schwansee unter die Leute zu bringen. Ludwig Ditz, ein Lehrer aus Groß Schwansee, hatte in den 1930er Jahren eine Zusammenstellung bei der Verwaltung in Kalkhorst eingereicht – sie ist bis heute verschollen. Im Jahr 2006 hatte dann Helmut Dunz, ehemaliger Geografie-Lehrer von Rohde, eine Chronik herausgebracht. Doch das Buch erschien nur in geringer Auflage. Nun versucht es Rohde selbst. Er hofft auf viele Leser. „Es ist eine interessante Lektüre für alle alteingesessenen Schwanseer, für Leute die neu zugezogen sind und etwas über den Ort erfahren möchten oder ehemalige Einwohner, die heute in aller Welt leben.“

Daniel Heidmann

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